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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-06 · Heft 14 (6.4.1880) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 14 (6.4.1880)
Date
1880-04-06
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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1 215 Gesang bearbeitet; aber Keinem von ihnen ist es eingefallen. Hände aus", oder seinen „Lobgesang" der „Athalia" an. neue Choräle zu componiren. In den vierziger Jahren hat! Vergleiche Einer Meyerbeer s Schlummerlied in der „Afrinoch einmal die Choralfrage die Theologen und Kirchen - kanerin" mit der ziemlich weit bekannten Melodie des Adon mufiker eifrig beschäftigt, ob nämlich der Choral in „rytholam aus der Berliner alten Synagoge. Auf die Gefahr Mischer" Weise, wie zur Zeit der Reformation, oder in hin, ein Anhänger der Musik Richard Wagner's genannt zu „Player" Weise gesungen werden solle. Es gab viele pro; werden, kann ich's doch nicht unterlassen auszusprechen, daß und contra. Die entgültige Entscheidung fiel zu Gunsten | manche jüdische Melodienanklänge ihren Weg in berühmte der „planen Form" aus. j Werke großer Meister jüdischen Ursprungs genommen haben. Wie kommt es nun, daß doch der Versuch gemacht wor- Ich wünschte nur, daß dieser wahrhaft großartige Schatz der den ist, den Choral in die Synagoge einzuführen? Ich habe; herrlichsten alten jüdischen Melodien von unseren deutschen oben gezeigt, daß der Choral auf echt christlichem Boden seine! Musikern mehr beachtet würde, und die Bewunderung über Wurzeln hat und darin gewachsen ist. Er ist entstanden auf christlicher Anschauung, in christlicher Empfindung. Wie ganz anders sind unsere uralten jüdischen Melodien beschaffen! Wir sind mit denselben verwachsen, sie find uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wir empfinden sie tiefer als die! den Reichthum an klassischen synagogalen Tonschöpfungen, die sich traditionell von Geschlecht auf Geschlecht vererbt haben, würde nicht ausbleiben. Und da sollen wir nach dem Choral Gelüste haben. Nachbemerkung der Redaktion. Man wird obigen Choräle. Vergleichen wir einmal unsere uralte Melodie zum! Artikel gewiß mit vielem Jntereffe lesen. Jndeß müssen wir Beginn des Xolniärs mit einem Choral in der denkbar! uns doch zu bemerken gestatten, daß der Verf., nach unsrer schönsten harmonischen Bearbeitung! Wird uns letzterer wohl Ansicht, einen einseitigen Standpunkt einnimmt. Es ist sicher in dieselbe Stimmung versetzen, wie erstere? Ich bezweifle nicht die Rede davon, daß der reiche überlieferte Melodien es. Wenn ich mich gegen den Choral ausspreche, so habe! schätz der Synagoge verdrängt werden soll, wenn man bei ich durchaus nicht an „chukas hagoi“ gedacht. Auch ich! bestimmter Veranlassung oder an gewissen Punkten des Gotteswünsche die uns anhaftenden Mängel während des Gottesdienstes gern ersetzt durch die guten Eigenthümlichkeiten der Nichtjuden. Solche kann ich aber nicht finden in der Eindienstes choralartige deutsche Lieder eingeführt haben will. Was der Vers, hiergegen einwendet, ist nur „das jüdische Empfinden", welches, wie wir hinzusetzen, dem langsam und führung des Chorals in die Synagoge. Durch andere schöne! gehalten fortschreitenden Gesänge abhold sein soll. Ein bloßes einstimmige hebräische und deutsche Chorgesänge kann beim j Empfinden ist aber kein vollgiltiges Argument. Mit diesem Mitsingen der Gemeinde daffelbe erreicht werden, was Herr, „Empfinden" könnte man leicht die ganze Unruhe, Verwir- Blumenau sich vom Choralfingen verspricht. Und was bringt! rung und Anstandslosigkeit des früheren synagogalen Gottcsdenn Herr Blumenau zur Bertheidigung des Chorals im j dienstes als allein berechtigt ausgeben. Das „Empfinden" jüdischen Gotteshause vor? Gar nichts weiter, als daß der! ist aber auch der Bildung und Entwickelung, ist der Cultur- Choral da, wo man ihn eingeführt hat, von den Besuchern bewegung der Zeit unterworfen. Der synagogale Melodiendes Gotteshauses nicht wieder vermißt werden möchte. Es! schätz ist zum allergrößten Theile nur für die Funktion des war vor einigen Decennien, als man anfing den jüdischen Cantors da, und die Gemeinde opponirte dieser Allcinherr- Gottesdienst zu reformiren, da sollten auch deutsche Gesänge schaft des Cantors eben dadurch, daß sie die Gebete, soweit gesungen werden. Früher betete man laut durcheinander; jetzt sie nicht vom Cantor vorgetragen wurden, herschrie. Hierfür ging man von einem Extrem in das andere. Einige Gegilt es eben einen Ersatz zu schaffen, damit die Alleinherrmeinden wählten den Chorgesang. Es war dieses eine Verschaft des Cantors und des Chors die Gemeinde nicht zu irrung am musikalischen Geschmack der jüdischen Gotteshaus- > völliger Unthätigkeit ,und Theilnamlosigkeit verurtheilt sei. besuchen. Glücklicherweise hat der Choral in der Synagoge Als alleinige Mittel hierfür erscheinen uns neben dem, was dem Cantor Vorbehalten bleibt, und wozu die alten Melodien in Auswahl verbleiben mögen, die responsenartige Gestaltung der hebräischen Gebete und zu bestimmten Akten choralartige nie festen Fuß gefaßt. In manchen Gemeinden ist er wieder abgeschafft worden, in anderen wird er nur vom Chore gesungen. Die wenigen Gemeinden, wo er eingeführt, haben in der übergroßen Anzahl anderer Gemeinden, die einen deutsche Lieder. Diese Aufgabe ist noch zu lösen durchaus geregelten Gottesdienst haben, wo „Ruhe, Ordnung und Anstand" nicht blos im Lexikon stehen, keine Nachahmung gefunden, und das kommt einzig daher, weil das jüdische Empfinden ein anderes ist. Wahr ist, daß in Mendelssohns Werken manche jüdische Anklänge vorhanden sind. Sehe sich einer im „Elias" nur genau das Duett: „Zion streckt seine

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