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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-30 · Heft 13 (30.3.1880) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 13 (30.3.1880)
Date
1880-03-30
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 daß das Erträgniß des isr. Landes-Schulfonds für die Unterrichtsbedürfnisse der gesammten vaterländischen Judenheit im Sinne der Stiftung und hier im Lande in der Weise verwendet werde, daß die aus demselben erhaltenen gemeinsamen Institute — wie das Rabbiuen - Seminar und die Lehrer-Präparandie — sowohl betreffs ihrer Verwaltung als auch betreffs ihrer Organisation den kulturellen Zwecken der gesammten vaterländischen Judenhcit dienende ungarische Institute sein sollen; die für die Erziehung der Blinden und Taubstummen, ebenso die zur Unterstützung der Schulen verwendbaren Summen sollen ohne Begünstigung irgend einer Partei verabfolgt werden. Bei Subventionirung der Schulen sollen die Vermögens- Verhältnisse der dieselben erhaltenden Gemeinden, das die Erhaltung der Schule rechtfertigende kulturelle Bedürfnis und jene Regel maßgebend sein, daß nur eine solche Schule subvcntionirt werden könne, welche entweder schon sonst oder mit Hilfe der zu gewährenden Unterstützung den gesetzlichen Ersordcrniffen entspricht." Die Rede des Abgeordneten Molnär machte einen solchen Eindruck, daß er die Debatten der beiden folgenden Tage in Schatten stellte und aus die Abstimmung einen entschiedenen Einfluß übte. In der Abstiinmung wurde der Ausschußanirag mit dem Amendement Apathy mit 152 gegen 106 Stimmen abgelehnt, dagegen der Antrag Molnür's mit überwiegender Majorität angenommen. Auf diese Weise sind die bisher aus dem Fond gegründeten Anstalten vollständig gesichert. Tic Rede Molnär's verdient daher in ihren wesentlichen Thcilcn hier wiedergegebcn zu werden. Moln->r sagt: „Mein Standpunkt in dieser Frage ist der nämliche, den ich im Jahre 1874 einnahm. Ich erkläre im voraus, daß ich weder den Standpunkt der sogenannten Neologen, noch Derer, die sich ganz unrichtigerweise -Orthodoxe nennen, noch den der Sesardim noch den der 8ratu8-gao-Jsraelitcn, noch endlich den der Neutralen cinnehmc; sondern ich werde bestrebt sein, sine ira et studio. als Vertreter der Landcs- Jntereffen Ungarns, ernst und objektiv die Angelegenheit zu beleuchten. (Hört! Hört!) Auf welcher Basis wollen Sie den Fond theilen? Nach der Scclenzahl oder nach der Zahl der Gemeinden? Ich bitte, fich der in verschiedenen Zeiträumen cingcreichten Gesuche der sogenannten Orthodoxen zu erinnern. In einem Gesuche sprechen sie von 700 orthodoxen Gemeinden, in einem andern von 300 und wieder in einem andern von 200 orthodoxen Gemeinden. Das ist denn doch ein gar zu großer Unterschied. Entweder haben jene Daten der Wahrheit nicht entsprochen; oder wenn jo, dann zeigen sie, daß das Zahlenverhältniß der israelitischen Religions-Gemeinden in gewisser Hinsicht stark sluktuirt. Und dies hat einen sehr natürlichen Grund. Der Unterschied zwischen den Israeliten ist kein konfessioneller, sondern ein Partei-Unterschied. Darum trifft es sich häufig, daß eine Gemeinde, die im vorigen Jahre eine sogenannte orthodoxe gewesen, heute eine neologe ist; im nächsten Jahre kann sie eine Status-gno-Gemeinde sein nnd dann wieder Gott weiß was für eine, je nachdem die Meiuung der Majorität der Gemeinde-Mitglieder wechselt. Der Herr Abgeordnete Hegedüs sagte, hier wäre von Konfessionen die Rede, nicht von Parteien. Es ist die Frage: tvas wir unter Konfession verstehen. Sind die Konfessionen gemeint, die auf einer dogmatischen Verschiedenheit beruhen, dann stelle ich das Gesagte in Abrede. Eine ans der nämlichen dogmatischen Basis stehende Religions-Gemeinde kann sich aus anderen Gesichtspunkten in zwei oder drei Korporationen organisiren. So geschah cs bei uns vor einigen Jahren im Schoße der griechisch katholischen Kirche. Tie Gläubigen dieser Kirche haben sich ohne jede dogmatische Differenz blos aus der Basis der Sprachenverschiedenheit in eine gricchisch-orientalisch-rumänischc und in eine griechisch-orientalisch-serbische Gemeinde getheilt. Ebenso ist bei uns Reformirten der Unterschied zwischen Anglikanern und Presbyterianern kein dogmatischer. Auch die unter den Juden seit dem Kongreffc eingetrctene Spaltung ist nur eine solche, wie wir ähnliche aus der Geschichte kennen und wie sie schon zu den Zeiten der Römer vorhanden war. Der Unterschied zwischen den ungarischen Juden und beispielsweise den spanischen Juden ist in Hinsicht des Ritus und der Gemeinde-Organisation ein viel größerer, als hierzulande zwischen den sogenannten Orthodoxen und Neologen. Ich sage „zwischen den sogenannten", rveil jede Konfession sich für orthodox hält, was „rechtgläubig" bedeutet, und die auf dem Kongreß-Statut stehenden Israeliten sich mit demselben Rechte Orthodoxe nennen dürfen, wie die Schomrc-Hadath- und die tztatus-guo-Jsracliten. Keine dieser Parteien hat eine Konfession; alle sehen als Quelle ihrer Glaubenslehren die nämliche Thora und den nämlichen Talmud sowie den Auszug aus denselben, den Schulchan-Aruch an. Der Unterschied ist nur der, daß die Einen mit größerer Rigorosität scsthalteu an den darin enthaltenen Vorschriften als die Anderen; in Wahrheit wird er von keiner der Parteien vollständig beobachtet. (Heiterkeit.) Man lese die in jenen Religionsbüchern enthaltenen Vorschriften und betrachte, wie sich die Anhänger der einen und der andern Partei kleiden und wie sie leben; man betrachte einmal, wie Herr Reich selbst, der Präses der Orthodoxen, sich kleidet und wie er lebt. Viele Dinge giebt es, die von keiner Partei gehalten werden und unter unseren Verhältnissen auch gar nicht gehalten werden können. Die Parteien wählen sich eine Summe von Vorschriften aus und beobachten sie. Also haben wir es nach meiner

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