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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-23 · Heft 12 (23.3.1880) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 12 (23.3.1880)
Date
1880-03-23
Page
Seite 187 (sequence 15)
Language
German
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187 Wesens", „Ziel und Grenzen der menschlichen Vernunft",^ etwas „Naturwiffenschaftliches" u. dgl. m. Ein weit größeres' Interesse als diese kleinen Aufsätze, selbst als das Genrebild j „der jüdische Adelige", hat für uns des Verfassers eigene Lebensskizze» die Herr Landau im October v. I. im Alter von 82 Jahren entworfen. Seit 1813 in Brody, seinem Geburtsorte, in Galatz, Odeffa und seit 1837 in Pest theils in Bank-, cheils in Handelsgeschäften thätig, nahm er immer und überall an den Culturbestrebungen lebhaften Antheil; durch Errichtung von Schulen suchte er die socialen Zustände seiner Glaubensgenoffen zu fördern, wie er denn auch für die Judenemancipation seit 1847 mit der Feder wacker eintrat. Wenn die dankbare Nachwelt die Namen derjenigen nennt, welche an der Lösung der Judenfrage Antheil haben, wird sicherlich auch der Name Landau's genannt. Der schön ausgestatteten Schrift wünschen wir weite Verbreitung, dem würdigen Verfaffer aber, daß er sich der Erfolge seiner literarischen Leistungen noch lange erfteue. — Der Dramatiker Antonio Jose da Silva, der als geheimer Jude 173!» in Liffabon öffentlich verbrannt wurde, und dessen Opern, „die Opern des Juden" genannt, in neuester Zeit in Portugal und Brasilien, seiner Heimath, wieder zur Aufführung > gekommen find, hat einen ftanzösischen Biographen gefunden: Herr Ernest David, dem wir schon mehrere schätzbare, Arbeiten verdanken, schildert in seiner eben erschienenen Moj nographie , Antonio Jose da Silva“ (Paris 1880) das Leben | und Wirken, die Leiden und den Tod dieses Dramatikers auf j Grund der Quellen ausführlich und in anziehender Weise, j Den deutschen Lesern dürfte der „portugiesische Plautus" aus z meiner „Geschichte der Juden in Portugal" (329—334) be- J kannt sein. — „Aus Palästina und Babylon" ist der Titel einer „Sammlung von Sagen, Legenden, Allegorien, Fabeln, moralischen und sinnreichen Erzählungen, Gleichnissen und geistvollen Bibelauslegungen, Dichtungen und Sprüchen u. s. w. aus Talmud und Midrasch", welche Herr Daniel Ehrmann, der durch frühere Arbeiten vortheilhaft bekannt ist, mit sachlichen und sprachlichen Anmerkungen veröffentlicht hat (Wien 1880, Hölder). Der Verfasser dieses Werkes, das sich den früher erschienenen ähnlichen Arbeiten von Fürstenthal, Dukkes, Levi-Seligmann anreiht, suchte seine Sammlung „durch eine der Vollständigkeit nahe kommende Reichhaltigkeit, welche kein ästhetisches, ethisches oder cultuelles Moment unbeachtet ließ, durch eine systematische Eintheilung, welche die inneren und äußeren Kriterien als Richtschnur nahm, durch objective Behandlung, welche jede Stelle in ihrer Heimath, in ihrem Zusammenhänge, in ihrer Verbindung mit anderen Stellen der Agada zu erforschen suchte, nützlich und werthvoll zu machen." In gewissem Sinne ist dies dem geschätzten Verfasser auch gelungen, obgleich nicht zu leugnen ist, daß : auch die vorliegende Sammlung die Fundgruben der Agada, zumal der Midraschim, nicht völlig erschöpft hat. Die Anmerkungen, die außer dem Quellennachweis viele treffende Erklärungen enthalten, haben ihren Platz am Ende des Buches gefunden. Die Ausstattung des Buches, dem wir einen! großen Leserkreis wünschen, ist vorzüglich und macht der Berlagshandlung Ehre. — Von Herrn Bezirks - Rabbiner L. Schleßingcr in Breiten liegt eine „Trauerrede" vor, gehalten anläßlich der Beerdigung der Frau Susette Fleischer in der Synagoge zu Eppingen am 21. December v. I. (Stuttgart); es sind das tiefempfundene Worte über den Verlust einer gottessürchtigeu Hausfrau, einer stillen Wohlthäterin und Beschützerin der Armen. — Zu den vielen Festpredigten, welche zur Jubelfeier des österreichischen Kaiserpaares im Druck erschienen, kommt nachträglich noch „Fest-Predigt und Gebet, gesprochen am Vorabende des Hochzeitsjubiläums . . . im israelitischen Cultustempel zu Rosenberg (Böhmen) von Dr. Benjamin Neumann, Rabbiner. (Selbstverlag.) In wür- > diger Weise rühmt der Redner die Gerechtigkeit des Monarj chen, die keinen Unterschied zwischen den Confessionen und j Nationalitäten kennt, und seine Menschenliebe, worin er seinen : Untertanen als Beispiel voranleuchtet. — Von Herrn Dr.! H. L. Reich, Oberrabbiner in Wieselburg, ist wieder ein Heft „Kanzelreden" in 2. Auflage erschienen (Wien 1880, Picker), auf die wir demnächst zurückkommen. Dr. Kayserling. Kerlitte ton. f ' mieux's Vater war zu Nimes in Südfrankreich als Kauf- Lremieur Eeburl. mann ansässig und genoß in Folge seiner Tüchtigkeit und Ueber Cremieux wußten die Zeitungen viel zu er- Rechtlichkeit allgemeines Ansehen. Als die Französische Rczählen — aber nur über den greisen Staatsmann. Ueber die volution ausbrach, schloß er sich ihr ohne Rückhalt an und wunderbaren Schicksale seiner Jugend, über seine Geburt im wurde ein Freund des damaligen Maire der «tadt, eine» Gefängnisse, über die Umstände, die ihn schon im Augenblicke Anhängers Robespierre's. Das Amt des Maire war zu jener seiner Geburt dem politischen Leben weihten, war bis jetzt Zeit kein leichtes. Er stellte eine Art von Gouverneur für nichts zu lesen. Gotthold Neuda erzählt nun im Feuilleton, Stadt und Umgebung vor und ihm lag neben hundert ander „Presse" nach Cremieux's eigenen Mittheilungen: Cre-j deren Geschäften auch die Ueberwachung der Royalisten und

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