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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-23 · Heft 12 (23.3.1880) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 12 (23.3.1880)
Date
1880-03-23
Page
Seite 186 (sequence 14)
Language
German
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Grunde liegen, voraus. Je plötzlicher die Veränderung nicht blos in der Person, sondern auch im System für das preußische Cultus- und Unterrichtsministerium gekommen und je inhaltreicher und bewegter die Zeit der Falk'schen Verwaltung gewesen, von desto größerem Werthe ist es, die wichtigsten Documentc dieser Aera hier vorliegen zu haben. Der Kamps der entgegengesetzten Principien und Tendenzen ist nicht entschieden und wird in baldiger Zeit nur um so lebhafter entbrennnen. Daher wird man noch oft genug auf diese Reden Falk's recurriren. Die Ausstattung ist höchst angemessen und Register und Bemerkungen machen die Sammlung für den Gebrauch bequem. — Bon Chr. D. Lippe's „Bibliographischem Lexikon der gesammten jüdischen Literatur der Gegenwart und Adreß-Anzeiger" ist die vierte Lieferung erschienen, die von Lebrecht bis Pinner reicht Es werden noch zwei Lieferungen zum Abschluß des Ganzen erscheinen. — Auch des rüstigen Fortgangs der auch von uns angezeigten und gewürdigten „Geschichte der deutschen Nationalliteratur des neunzehnten Jahrhunderts von Ludwig Salomon", die bei Lewy und Müller in Stuttgart erscheint, wollen wir hier erwähnen. Es liegt uns bereits die vierte Lieferung vor, welche die Bildnisse Hamerling s, Freiligrath's und Gutzkow's und die Darstellung von Uhland bis Platen enthält. Gothenburg (Schweden), im März. (Literarische Notizen.) Breslauer Synagogengesänge von M. Deutsch, Oberkantor der neuen Synagoge in Breslau. Der genannte Berfaffer, rühmlichst bekannt durch mehrere für die Synagoge überaus wichtige und brauchbare Compositionen (Orgelpräludien, Synagogen- und Schullieder, Borbeterschule) wie durch sein ausgezeichnetes Mustkinstitut für Cantoren, das nahe an hundert Gemeinden des In- und Auslandes (darunter Berlin, London, Stettin, Brüssel, Stockholm rc.) mit tüchtigen Vorsängern versehen hat, ladet die jüdischen Gemeindevorstände und ihre Cantoren zur Subscription aus obige Gesäuge ein. Daß unter den verdienten Cantoren der Gegenwart Herr Oberkantor Deutsch unbedingt einen der ersten Ehrenplätze einnimmt, dürfte allgeniein bekannt sein, und so begrüßen wir mit besonderer Freude die beabsichtigte Veröffentlichung jener Gesänge, die sehr viel des überall Anwendbaren bieten und sicherlich in jeder Gemeinde eine fühlbare Lücke würdig auszufüllen geeignet sind. Denn trotz all der neuern Erscheinungen auf diesem Gebiete haben wir wahrlich nicht über Ueberfluß an wirklich Gediegenem zu klagen. Eine nähere Kritik der „Breslauer Synnagogengesänge" uns für später vorbehaltend, dürfen wir heute schon nach den einzelnen Nummern, die uns vorliegen, mit vollem Rechte behaupten, daß dieses Werk in jeder Beziehung den Meister bekundet. Die Compositionen sind in schönem, würdigem Style verfaßt, sie tragen das Gepräge frommer Würde, es weht uns aus ihnen der anmuthende Geist unserer alten Melodien im modernen classischen Gewände entgegen. Zwei Vorzüge heben wir besonders hervor. Bei allen von Deutsch componirten Gesängen merkt man sofort, sic gehören einzig und allein der Synagoge an: es sind eben ächt israelitische Gesänge; dann aber auch wird dem hebräischen Texte und Rhytmus nie Gewalt angethan, die Musik ist dem Worte angepaßt und nie umgekehrt. Diese nun so werthvolle vollständige Liturgie der Breslauer Synagoge soll, um die Anschaffung derselben jeder Gemeinde zu ermöglichen, auf dem Wege der Subscription nur 15 Mark kosten, ein Preis der zu der Fülle des Gebotenen und Gediegenen in gar keinem Berhältniß steht. Bei der beabsichtigten Veröffentlichung obiger Gesänge hat wohl dem Berfaffer nichts ferner gelegen als die Aussicht auf pekuniären Gewinn, im Interesse der Gesammtheit bietet der Componist vollständig selbstlos das Produkt vieljühriger mühsamer Geistesarbeit an, ist es da nicht unsre gebieterische Pflicht wenigstens dafür zu sorgen, daß der Autor keinen Schaden leidet, wo wir Alle gewinnen? Wir hören, daß die nöthige Anzahl der Subscribenten (100). die allein das Erscheinen des Werkes sichert, noch nicht voll ist und legen wir es deshalb besonders unfern geehrten Fachgenossen dringend ans Herz, noch rechtzeitig zu subscribiren, und dadurch dar« zuthun, daß wir das Gute zu würdigen verstehen. So möge denn das zur Verherrlichung unsres Gottesdienstes gewidmete Werk recht bald erscheinen und allgemeine Verbreitung wie verdiente Anerkennung finden. Cantor A. Baer. Pest, 23. Januar. (Literarische Notizen.) Bon Herrn L. R. Landau, dem auch den Lesern dieses Blattes wohlbekannten greisen philosophischen Schriftsteller, erschien jüngst eine „Sammlung kleiner Schriften" (Wien 1880, Hölder). Zur Illustration der literarischen Zustände unserer Zeit stellt der Berf. zunächst Reflexionen über die Kritiken an, welche sein „System der gesammten Ethik" erfahren und welche in der That ein trübes Licht auf das jetzt herrschende Recensentenunwesen werfen, dabei werden die traurigen Erfahrungen, welche Landau als Autor mit den Herren Journalisten gemacht hat, nur leise angedeutet. Um so unerquicklicher ist die hier mitgetheilte Correspondenz zwischen dem Berfaffer und Herrn Prof. Ad. Franck, der über den — uns unbekannten — zweiten Th eil der „Ethik" in der französischen Akademie einen sehr wohlwollenden Bericht erstattete, und wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Verfasser sich gegen den ihm von anderer Seite gemachten Borwurf des Eudämonismus ebenso entschieden verwahrt, wie gegen den des Eklekticismus und Originalität für sein System in Anspruch nimmt. Die Schrift enthält ferner mehrere kleine philosophische Aufsätze, welche in verschiedenen Zeitschriften bereits früher erschienen waren, wie über „Reform des moralischen Unterrichts", ein aus dem Gebiete der Aesthetik geschöpfter neuer „Beweis für das Dasein eines göttlichen

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