Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1880)
- Date
- 1880-03-23
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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181 das große Verdienst, die ersten gewesen zu sein, welche die wichtigen gesundheitlichen Beziehungen des Fleischgenusses zum Menschen in Betracht zogen und hierfür strenge Maßregeln ergriffen. Dieser Gegenstand hat noch für die Gegenwart eine große Wichtigkeit und kann zum allgemeinen Muster dienen. Ebenso zeigt ihre Kalenderberechnung eine für jene Zeit bewundernswürdige Genauigkeit. Hiermit scheint uns cum Platonis sententiis comparata. Man stand hier wenigstens auf einem Boden, wo man den Talmudisten gerecht werden konnte. Ebenso kann man aus dem Gebiete der Medizin den Talmudisten jeden wissenschaftlichen Werth nur absprechen, wenn man einen vergleichenden Blick auf die Bearbeitung der Medizin durch die Griechen wirft, in die Schriften des Hippokrates, Dioskorides, Aretäus, Galenus und die Würdigung des Talmuds auf wissenschaftlichem Gebieteselbst noch des Oribasius (um 360 nach d. g. Z.) und sogar in allgemeinen Zügen festgestellt. Wenn der Verfasser der des Aetius (500 nach d. g. Z.) Wir haben hier überall die ersten uns vorliegenden Schrift, Dr. Bergel „die naturwissenj wissenschaftliche Methode angewendet 'und nicht bloß wird schastlichen Kenntnisse der Talmudisten" unter den Rubriken! die Empirie auf die Stufe der Wffenschast erhoben, sondern Anatomie, Physiologie, Pathologie, Zoologie, Chemie, Geologie, Physik und Astronomie durch Zusammenstellung der betr. Notizen näher beschreiben wollte, so wundern wir uns zunächst, daß er die Botanik völlig übergangen hat, wozu ihm doch namentlich durch die Arbeit Kurt Sprengels über diesen Gegenstand vorgearbeitet war; dann aber darüber, daß er die Ansichten und Angaben der Talmudisten mit denen der heutigen Wissenschaft vergleicht, wodurch er genöthigt ist, auf jeder Seite die Mangelhaftigkeit, die Jrrthümer, ja den Aberglauben der Talmudisten in naturwissenschaftlicher Beziehung zu betonen. Wer jetzt z. B. die naturwissenschaftlichen Lehrbücher, die vor einem halben Jahrhundert auf den Universitäten in Gebrauch waren, mit den jetzigen vergleicht, wird auf jeder Seite auf die Lückenhaftigkeit und die Irrthümer stoßen, welche in jenen vorhanden sind. So riesige Fortschrittte haben die Naturwissenschaften in einem halben Jahrhundert gemacht. Man wird höchstens die Anatomie ausnehmen können, nicht aber selbst die Astronomie. Es scheint uns daher eine Ungerechtigkeit zu sein, an die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Talmudisten den heutigen Maßstab der Wissenschaft anzulegen. Biel näher lag ein Vergleich mit Plinius und Aristoteles. Mit dem erstercn, dem Sammler zahlloser Notizen, haben die Talmudisten Verwandschaft und Dr. Bergel führt ihn deshalb öfter an. Wie weit aber stehen sie hinter Aristoteles zurück, dem eigentlichen Vater der Wissenschaften und der Naturgeschichte. Zutreffender wäre es daher gewesen, wenn er z. B. hinsichtlich der Anatomie unsre Abhandlung in der ’Y^rj (trif-gaminf. De lnternarum humani corporis partium cognitione Aristotelis auch vollständige Theorien (z. B. die Pneumatiker) treten auf und beherrschen wissenschaftlich das ganze Gebiet. Bon allem diesen keine Spur bei den Talmudisten. — Biel zweckentsprechender erscheint uns daher das Werk des Dr. Rabbinowicz. Er behandelt eben „die Medicin des Talmuds" als das, was sie gewesen, als einen Theil der Gesetzgebung, wie sie sich an die oben angegebenen Momente anschloß. Er bringt nach der von ihm in den früheren vier Bänden verfolgten Methode aus 21 Traktaten des Babylonischen Talmuds die hierhergehörigen Texte in getreuer Uebersetzung nach einander, fügt werthvolle Erläuterungen hinzu und giebt in einer Einleitung die allgemeinen Gesichtspunkte. Wir stehen hiermit ganz auf dem Boden des Talmuds selbst und die Schrift hat außerdem den Werth eines Commentars zu den betr. talmudischen Texten. In der Einleitung vergleicht er die Methode der Schechita mit den modernen Arten der Tödtung des Viehs, eine Abhandlung, die er bereits in dieser Zeitung (1877 S. 645) mitgetheilt hat. Er vergleicht ferner die medicinischen Ansichten der Talmudisten mit der hippokratischen Medicin. Hierbei geht er aber sehr oberflächlich zu Wege, und schöpft nicht aus der Quelle, sondern aus einigen Äußerungen neuerer Schriftsteller. Dr. R. geht zumeist in zu apologetischer Anschaung hinsichtlich des Talmuds vor, seine Kritik ist nicht unbefangen genug. Aber abgesehen hiervon, ist seine Arbeit, wie wir schon wiederholt anerkannt haben, eine höchst verdienstvolle und seine Leistungen find für die allgemeine Kenntniß des Talmuds von außerordentlicher Bedeutung. Blicken nur nun noch aus die übrigen Theile des V. Bandes. (Schluß folgt.) tcciliiii cj >v\a ctj Z'\ clj 11. Deutschland. Straßmann gerichtet wurden, erscheint, so schreibt uns ein Zeuge der Scene, die fast demonstrative Freundlichkeit, mit welcher der Kronprinz bei Gelegenheit der Enthüllungsfeier Berlin, 11. März. Der „Börs. Cour." theilt mit: j des Luisendenkmals Herrn Straßmann beehrte, jedenfalls be- „Angesichts der mannichfachen Angriffe, welche seitens der! merkenswerth. Kaum war der Kronprinz auf dem Festplatz Judenhetzerfippe gegen den Stadtverordnetenvorsteher Dr. > erschienen, als er direct auf vr. Straßmann zuging und den-