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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-16 · Heft 11 (16.3.1880) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 11 (16.3.1880)
Date
1880-03-16
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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172 war groß" auf einer falschen Auffassung des ^rin zu beruhen scheint; die christlichen Uebersetzer hatten keine Ahnung von der eigentlichen Bewandtniß mit dem Ausdruck „groß", sic sahen ihn als Prädikat dieses besonderen Sabbaths an, ohne doch einen Grund dafür zu haben. Antipesfiruistische Denksprüche. Bon L. (Fortsetzung.) Zahllose Blüthen trägt der Baum Und viele Blumen unser Garten, Die nach dem kurzen Blüthentraum Ach! ohne Frucht den Tod erwarten — Doch ihrer Farben holde Pracht Und ihres Duftes süße Macht, Sie haben unser Herz erfreut Und uns der Lust genug gebracht! * * * Ach, viele Jahre lernten wir, Der Weisheit Spruch und Einsicht wuchs — Da kam die Leidenschaft und flugs Vergessen war all' Weisheit schier — Nun, in dem Sturme wächst die Kraft, Und tausend Fäden strecken sich; Zuletzt Hab' ich mich aufgerasft. Und stärker, weiter fühlt' ich mich! * * * Bor Zweien hüt' Dich aller Mühen: Laß nicht zu Sumpf den Geist verstocken, Zu Asche nicht Dein Herz verglühen — Dann Kämpfe fort und unerschrocken! Dein Blut durchrolle rasch die Adern, Sei es im Lieben oder Hadern, Und Spinne muthig die Gedanken, Sei's im Verstehen oder Schwanken. * . * Ich sag' es heut', ich sag' es morgen: Nicht das Erreichen sei Dein Sorgen - Das Streben, Kämpfen, Borwärtsdringen — Tann kommt von selbften das Gelingen. * * * Anfängen, enden, neu beginnen — In schnellem Wechsel fällt es schlimm. Zu langsam, weckt es Reu und Grimm — Im Leben so und im Gedicht — Den rechten Anfang und das rechte Ende, Wie glücklich, wer sie allzeit fände! (Forts, folgt.) Vermischtes. Eine Anecdote von Cremieux. Folgende Anecdote über Cremieux wird den Leser interessiren. Der Schloßherr einer kleinen Gemeinde aus der Umgegend von Nimes hatte am Tage seiner Hochzeitsreise ein heiliges Limborium seiner Kirche angeboten. Einige Zeit darauf hatte er einen Streit mit dem Maire und in einem Zornesausbruch nimmt er sein Hochzeitsgefchenk zurück. Die darüber aufgebrachte Gemeinde strengt dem Schloßherrn einen Proceß an und übergiebt die Sache Cremieux. Der Advocat nimmt Kenniniß von dieser sonderbaren Angelegenheit und schreibt an seine Clienten, die Municipalräthe: „Meine lieben Freunde! Ihr Proceß kann lange dauern und Ihnen sehr viel Geld kosten. Ich rathe Ihnen, nicht zu processiren. Aber da Ihr Herr, ein guter Katholik, Ihnen Ihr heiliges Limborium genommen hat, gestatten Sie mir. Ihnen ein anderes anzubieten. Ich habe es soeben besorgt! und es per Eisenbahn abgeschickt. Am Sonntag, vor der! Mesie, werden Sie in seinem Besitze sein. A. Cremieux." | Zwei Monate vergingen, ohne daß Cremieux darüber I etwas hörte. Endlich, eines Tages erhält er ein riesiges, I sorgfältig gesiegeltes Schreiben. Der Gemeinderath bestätigt! den Empfang seines freigebigen Geschenkes und theilt ihm mit, daß sein Name auf das heilige Limborium eingravirt sei. Der Maire fügt selbst hinzu, daß man ein Bild von Cremieux in Montänbau gekauft und es in einem prächtigen Rahmen in der Kirche anfgehängt habe, gegenüber vom heiligen Nicolas, dem Patron der Gemeinde. Man denke sich (und dies ist gewiß vorgekommen), wie die Gläubigen sich im Bilde geirrt und an Cremieux die für den heiligen Nicolas bestimmten Gebete gerichtet haben. Mozart und gezwungene Judentaufen. Jüngst wurde in Wien ein Cyclus von sieben Opern Mozart's gegeben. Dabei brachte die N. fr. Pr. folgendes ^Curiosum in die Erinnerung. Wie G. Wolf in seinen! „Judentaufen in Oesterreich" mittheilt, gab das Genie Mozart's, das er bekanntlich schon als Kind erwies, einen Grund zu! einem Gesetze in Oesterreich ab. Am 28. Februar 1747 er j ließ nämlich Papst Benedict XTV. die Bulle Postremo mense! und am 15. December 1751 die Constitution Probe te, sowie ein Schreiben an den Asieffor der hohen Congregation, welche ausführlich über die Taufen handeln. In denselben wird unter Andern: festgesetzt, daß die Bernunftjahre (anni discretionis) mit dem siebenten Jahre des Lebensalters beginnen. Wie jedoch bekannt, war zu jener Zeit das Berhältniß Maria Therefia's zum Heiligen Stuhle kein freundliches, und die angeführte Bulle erhielt nicht das kaiserliche | Placetum und besaß daher keine Geltung in Oesterreich. Bei

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