Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1880)
- Date
- 1880-03-16
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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169 „erbarmende Liebe gegen die zerstreute Heerde ohne Hirten, die in der Einöde verschmachtet" halten wir allerdings für dienen ioll. führt sie an, daß die A. Z. d. Jud. „während des ganzen verstoßenen Semesters nicht imStandewar, agitatorische, aufreizende Stellen ans judenfeindlichen Preßerzeugnissen anzuführen."! bloßes Gerede, das zur Augenverblendung Das ist eine völlig unbegründete Behauptung insofern, als Jedes weitere Wort wäre überflüssig, in sehr zahlreichen Artikeln von uns auf die „agitatorischen, j Gießen, 8. Februar. (Privatmitth.) lieber den geringen aufreizenden Preßerzeugniffe" hingewiesen und über die ganze Procentfatz, den die Juden des Großherzogthums Hessen zu Bewegung referirt wurde, nur daß wir uns nicht bewogen «den Strafgefangenen des Landeszuchthauses Marienfanden, die Aeußerungen der Pamphletisten und Volksredner in extenso anzuführen. Hierzu veranlagten uns drei Motive: zuerst daß wir einem Wortkamps mit dieser Art Feder- und schloß liefern, ist bereits voriges Jahr in diesem Blatte berichtet worden. Es liegt mir nun aber der 20. Hauptrechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung und Beaufsichtigung Worthelden überhaupt nicht führen; zweitens, daß wir nicht der aus den Strafanstalten des Landes Entlassenen aus unsererseits noch zur Verbreitung dieser Schmähungen beitragen wollten, und endlich weil wir Zwietracht und Haß in den 4 Strafanstalten Marienschloß, Darmstadt, Main nicht schüren, in den Herzen unsrer Glaubensgenoffen anfachen, sondern möglichst zur Versöhnung und Verständigung wirken wollten. Geben wir darum doch nicht einmal Ausden Jahren 1876—1877 vor. Darnach haben im Jahre 1*78 und Dieburg im Ganzen 2029 Gefangene sich befunden, darunter nur 28 Juden, also der 72. Th eil, während diese doch schon den 33. Th eil der Einwohnerschaft des Lanzüge aus den jüdischen Vertheidigungsschriften, wohl aber des bilden. Es sollte mich wundern, wenn die Herren Anti semiten diese Erscheinung nicht damit erklären wollten, daß es den Juden an Muth zur Verübung von Schlechtigkeiten fehle. Ad vocem Antisemiten, habe ich schon oft bei mir gedacht: ,nomen ornen*, oder „Kisetu.no ken liu.* Denn es giebt für diese Herren schlechterdings keine befferc Bezeichnung, als die sie sich selbst beilegen: „antisemitisch." Ihr ganzes aus den Schutzschriften christlicher Autoren, um eben zu jei gen, daß wir bei einem großen Theile unsrer christlichen Mitbürger auf eine gerechte Würdigung rechnen können. Es ist möglich, daß Prof. Luthart solche Motive nicht zu erkennen vermag. Bemerkenswerth ist, daß die Mehrzahl der jetzt so lauten Judenfeinde behaupten, die Religion sei gar nicht im Spiele; das Judenthum sei nieliebloses Gebühren ist antisemitisch, d. h. anti dem Geiste der mals angegriffen worden; nur die Juden gingen auf religiösem! Liebe, der sich in den Männern semitischen Blutes alten und Gebiete aggressiv vor. Nun könnte schon die K. Z., mit der neuen Testaments kund giebt, jenen Männern, denen die anti' wir es hier zu thun haben, durch einen Blick in ihre früheren! semitischen Herren der Gegenwart nicht würdig wären, die Jahrgänge das gerade Gegentheil ersehen.. Was ist da nicht! Schuhriemen zu lösen. — Sodann ist ein weiterer Fortschritt schon alles über die „orthodoxen" und die „Reform-Juden" zu Gunsten unsrer Glaubensgenossen im Schulwesen des Großgefaselt und in wegwerfendstem Tone gesagt worden! Und! Herzogthums zu verzeichnen. Ter seitherige Elementarlehrcr kennt die Redaktion die lange Reihe von Schriften und Bro- | Levi zu Augerod ist zum Lehrer an der Vorschule des hiesigen chüren nicht, die gegen das Judenthum und insbesondere^ Gymnasiums ernannt worden, d. h. nicht zuin Religionsden Talmud in rohester Weise und mit krassester Unwissen-! lehrer, sondern zum ordentlichen Klassenlehrer. Vielleicht der heit losgegangen sind? Kennt sie die gehässigen Urtheile und! erste derartige Fall in Deutschland. — Das Tritte, was ich Kritiken nicht, die in gelehrten und populären Werken über! Ihnen zu melden habe, dürste vielleicht da und dort das Judenthum geschrieben worden? Ihrer ist Legion. Wenn! einen Sporn zur Nachahmung abgeben. Ich hatte an wir Juden aber hiergegen uns vertheidigen, dann werden, unsren Stadtoorsiand folgendes Schreiben gerichtet: .... „Bei wir sofort als Angreifer gebrandmarkt! Dieser gewaltig an-> dieser Gelegenheit wollte ich mir die Bitte erlauben, Sie geschwollenen Literatur, welche die jüdische zu vernichten und möchten geneigt sein, der im Neuftadter-Stadtviertel gelegenen zu erdrücken sucht, gegenüber weiß die K. Z. nur das „Ber-sog. Judengasse einen anderen Namen zu geben. Sett ich liner Tageblatt" anzuführen, welches doch Niemand mit Recht hier lebe, also seit mehr denn 50 Jahren, wohnen meine als ein Organ der jüdischen Religion ansehen wird. Fehlt Glaubensgenossen, gegenwärtig 120 Familien, überall in der es doch in solchen Blättern eben so wenig an feindlichen Stadt, nur nicht in jener Gaffe. Herr I. B. allein hat Artikeln gegen das Judenthum wie gegen das Christenthum, einige Zeit zur Miethe darin gewohnt, ist aber auch daraus Der Artikelschreiber der K. Z. steht nicht an auszusagen, weggezogen. Es wäre an der Zeit, daß ans den Mauern daß „die religionsphilosophische Weisheit der Resormjuden' unsrer aufgeklärten Stadt, mit so humanem Vorstand an der nur den Werth des Geredes hat und zur Augenverblendung! Spitze, ein solches mittelalterliches zweck- und gcgenstands der liberalen Menge dienen soll." Niemand wird uns zumuthen, eine so niedrige Behauptung widerlegen zu sollen. Der dies loses Ueberbleibscl schwinde, das nur geeignet ist. in einem Theile ihrer Einwohnerschaft unangenehme Empfindungen zu schrieb, griff dabei wohl nur in den eigenen Busen! Seine! wecken. Mit- und Nachwelt Gießens braucht nicht daran