Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1880)
- Date
- 1880-03-16
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227297--37892-3307074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Händen ist, in jeder Religion, auch im Christenthum und im! gar nicht vor, sondern überall nur der Mensch nix ,nmi. Islam, auch in jeder Nation, z. B. bei Franzosen, Englän-^ Uebrigens schlägt sich Friedländer insosern selbst, als er dern und Deutschen. Dann aber scheint es uns unrichtig zu'seine» 'Alexandriner Apollos in das Christenthum, in die sein, daß die Palästinenser so partikularistisch gewesen seien, ganze Christologie ausgehend zeigt, während die Palädaß sie der universellen Elemente völlig entbehrt hätten. Man stinenser aus ihrem Wege die Erhaltung des Judenbraucht z. B. nur die Kernsprüche der Pirkc-Aboth einzusehen, Ithums bewirkten. Wie gesagt, wir haben alle Achtung die um so mehr Bedeutung haben, als sie nicht beiläufige! vor der Gelehrsamkeit und dem Talente des Dr. F.; Aeußerungen, sondern die Wahrsprüche der größten Lehrer,! aber noch heute müffen wir ihm, wie bei seinen früheren das Ergebniß ihres Wesens und ihrer Lebenserfahrung bieten.! Schriften zurusen: sit modus in rebus! Wo aber ist dies Hier weht eine Menschenliebe, eine Humanität, wie sie auch mehr Pflicht und Erforderniß, als bei der Beurtheilung ge bei Philo in nicht intensiverem Maße;um Ausdruck kommt, fchichtlicher Erscheinungen und Ereignisie, bei gelehrten und freilich mit einem großen Schwall von Worten, wo sie bei historischen Arbeiten?', jenen nur in kurzen aber desto wuchtigeren Sprüchen sich bekündet. In jenen Sentenzen kommt der Israelit, der Jude, (Fortsetzung folgt.) cfyzicfiM ivi d yviac ywcijiew. Deutschland. Berlin, 4. März. (Privatmitth.) Die Stimmung, die sich gegenwärtig auch in der Residenz- und Hauptstadt Berlin gegen die Judenhetzer geltend macht, kommt glücklicher Weife nach immer mehr Seiten zum Ausdruck. Wir führen z. B. einen Feuilleton-Artikel von Karl Frenzel in der „National- Zeitung" über eine erste Aufführung des neu einstudirten „Nathan der Weise" im König!. Schauspielhause an. An dem Umstande, bemerken wir beiläufig, daß dieses Meisterwerk Lesfings neu einstudirt und mit glänzendem Erfolge gegeben worden, kann Dr. Dühring ersehen, daß seine jüngste schauderhafte Kritik keinen Anklang gefunden und daß die deutsche Welt sich von solchen, durch verbitterte Gelehrte gebrauten Giften nicht inficiren läßt. K. Frenzel sagt zum Eingang: „Ein Tendenzstück hat man es genannt — bewiese es nur nicht jeder Tag von Neuem, wie nöthig, ja unerläßlich es ist, die Tendenz, die es verkündigt, immer wieder zu predigen! Wie weit wir von jener Zeit entfernt sind, wo der weisere Richter auf seinem Stuhle sitzen wird! Der weisere Richter? Wären doch nur die Richter, die sich jetzt allerorten zum Rechtsprechen über die Fragen der Nationalität und Religion aufwerfen, von jener Unparteilichkeit und gelassenen Ruhe, wie der Richter, den Nathan redend in seinem Märchen einführt. Kann es da Wunder nehmen, daß die Gedanken, die Verse des Gedichtes mit unmittelbarer Gewalt wirken? Nicht, als ob sie vor hundert Jahren gedichtet worden wären, sondern heute gesprochen würden! Der didaktische Inhalt, der mit seiner reichen und mannigfaltigen Ausbildung im Einzelnen die dramatische Bewegung und Spannung oft genug beeinträchtigt, verliert unter solchen Umständen jedes aufhaltende und hemmende Element, er wird zur Actualität, er reißt den Zuschauer mit sich fort. Nicht in Jerusalem sind wir, zur Zeit des Saladin, sondern in unserer Reichshauptstadt, in der Gegenwart." — Aus Nordhausen kommt uns ein sehr wackeres Flugblatt zu: „Eine Lection für den Redacteur des ,Jlfelder Wochenblattes' von Rabbiner Dr. David Leimdörfer". Das genannte Wochenblatt, welches in den dortigen ländlichen Bezirken viel gelesen wird, hatte einen Schandartikel nach dem beliebten Zuschnitt auf die Juden gebracht. Herr Leimdörfer beantwortet denselben in kerniger Weife und ließ das Flugblatt im Jlfelder Kreise überall hin vertheilen. Auf diese Weise tritt dem Gifte das Gegengift alsbald wirksam entgegen. — Berlin, 5. März. (Privatmitth.) Man hat in der jüngsten Zeit sehr viel über den Begriff der Nationalität und die Bedingungen ihrer Einheit philofophirt, gedichtet und gefaselt. Tie Wirklichkeit, und diese ist doch für eine nationale Existenz die Hauptsache, widerspricht allen diesen Definitionen. Denn es sind eben nicht blos die äußerlichen Bedingungen, welche eine energische Nationalität schaffen, sondern vorzüglich das geschichtlich herausgebildete Wesen eines Volkes. Sehen wir z. B. nach Großbritannien. Wer hat ein kräftigeres nationales Staats- und Volksleben, mehr politische und materielle Stärke, eine kräftigere Entwickelung in Literatur, Wissenschaft und Technik als die Briten? Und doch sind sie zusammengesetzt ans Engländern, Schotten und Iren, die nicht einmal dem germanischen Stamme allein entsprungen find, sondern nicht minder aus den Kelten. Hat es ihrer Literatur geschadet, daß, um nur eine Trias anzuführen, Byron ein Engländer, Walter Scott ein Schotte, und Moore ein Ire war? Haben ihre Heere weniger glänzende Erfolge in allen Welttheilen erfochten, weil sie neben den englischen Soldaten und