Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1880)
- Date
- 1880-03-09
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 zu zu neuer aus einer Charakter haben und sich auf nichts Zuverlässiges stützen. Der betreffende Stamm ist wie die ihn umgebenden und beherrschenden Stämme zu einer sehr niedrigen Stufe der Culvermehren können. Er schließt: Diese Zeugnisse „haben Ehren der Nation bestätigt, daß der heftige Ansturm Aufstachelung eines altbestehenden MiSgefühls nicht tiefgehenden Wandlung in der Anschauung des Volkes hervorgegangen, sondern in ganz bestimmten Regionen künstlich heraufbeschworen worden ist, theils aus Beweggründen, welche schon heute klar zu Tage liegen, theils aus Veranlassungen, welche einstweilen noch mehr im Dunkeln ruhen und welche darin zu stören, nicht von nöthen ist." (Man vergleiche unsre Darstellung im 1. Leitartikel in Nr. 10.) — Wir glauben unsren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir sie auf das jetzt in 7. Auflage erscheinende „Hauslexikon der Gesundheitslehre für Leib und Seele von Dr. med. H. Klenckc (Leipzig, Kummer 1880), von dessen 10 Lief, bereits zwei erschienen find, mit einigen Worten aufmerksam machen. Der Reichthum des Stoffes, die Klarheit der Darstellung, die Vernünftigkeit und der Wissenschaft entsprechende Einsicht, die scharfe Grenzlinie zwischen dem, was Lebensweise und Haus zur Abwehr und Förderung leisten kann, und dem, was die ärztliche Behandlung erfordert, machen dieses Werk zu einem zuverlässigen Rathgeber in Gesundheit und Krankheit, zu einem willkommenen Familienbuche. — Dem tief betrauerten Sir Francis Goldsmid hat, unterstützt von den Herren Prof. Marks und A. Löwy, die Gattin des Verstorbenen Louise S. Goldsmid ein würdiges Denkmal gesetzt: Memoir of Sir Francis Henry Goldsmid Bart., Q. C., M. P. London, Kegan, 1879." Das Leben des Sir Francis, wie das seines Vaters Sir Jsaac, war vorzugsweise öffentlichen Interessen gewidmet und ihre Lebensgeschichte daher mit den Ereignissen der Zeit verwachsen. Die Gründung der freien Universität zu London und das Hospital derselben, die Emanzipation der Juden in England, die synagogalc Reform in London und die Verhältnisse der orientalischen Juden bilden die Hauptmomente ihrer Thätigkeit, wie denn auch Sir Francis als Mitglied des Unterhauses, abgesehen von seinem Halten an der liberalen Partei, vorzugsweise im Interesse seiner unterdrückten Glaubensgenossen, in Wott und Schrift wirkte. Die Biographie des Sir Francis ist daher eine Spezialquelle für die obgedachten geschichtlichen Vorgänge, so wie eine Menge Schriftstücke und die Reden des Sir Francis im Unterhause mitgetheilt werden. Die Familie stammte aus Cassel und ließ sich im Jahre 1740 in London nieder. So bezeichnet die Geschichte dieser Familie die interessanteste Epoche in der Geschichte der englischen Juden. — Die .Alliance isr. nniv.“ veröffentlicht ein Memoir: Les Daggatoun tribu d’origine jnive, demeurant dans le desert du Sahara. Par le rabbin Mardochee Abg. Serour. Traduit de 1' Hebrew et annote par Isidore Loeb. Paris. 1880. Wir können diesem Memoir keinen besonderen Werth zuschreiben, da die darin enthaltenen Nachrichten nur einen legendenartigen tur Hinabgeiunken. Sie bekennen sich zum Islam, haben jedoch, wenn der Berichterstatter richtig und genau gesehen, von diesem nichts weiter als den Namen Mohamed angenommen, den sie statt jedes Gebetes, statt jeder gottesdienstlichen Ceremonien wiederholt ausstoßen und aller weiteren Begriffe baar sind. Wie diese Menschenklasse so weit gekommen, sagt uns der Bericht nur in sehr wenig glaubwürdiger Weise. Bonn, 1. Februar. (Literarische Notizen.) Im Novemberheft des „Nineteenth Century" ist die letzte Arbeit von Leonard A. Montefiore, des Großneffen von Sir Moses, enthalten, über dessen frühzeitigen Tod aus einer Reise nach Amerika wir seinerzeit berichtet haben. Sie bespricht „Elsaß-Lothringen seit 1871", und kann nur das schmerzliche Bedauern über den Verlust eines jungen Mannes vermehren, der durch seine bisherigen Leistungen so große Erwartungen geweckt hatte. Auch in diesem Auffatz zeigen sich die genaue Kenntniß der einschlägigen deutschen und französischen Literatur, die sorgfältige Erforschung der Thatsachen und Verhältnisse und die unparteiische Kritik, die der junge Autor sich zu eigen gemacht. Es ist hier nicht der Ort, die Abhandlung auch nur zu skizziren. Das Ergebniß ist die Ansicht, daß, da Elsaß-Lothringen stets ein Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich feilt werbe, die richtigste Politik wäre, es zu einem selbständigen neuttalen Lande zu machen, dessen Neuttalität von allen europäischen Mächten garantirt wäre. Dies stimme auch am meisten mit den Wünschen der Bewohner überein. — Ludwig AugustFrankl's poetische Werke, die zerstteut in mehrfachen Auflagen und Ausgaben seit Jahren vergriffen sind, erscheinen aus Anlaß seines 70. Geburtstages, in einer schönen Gesammt-Ausgabe in 3 Bänden, in A. Hartleben's Verlag in Wien am 3. Februar. Bonn, 22. Februar. (Notizen.) Ter Rector Landau, der früher in Thorn, dann in Creuzburg D./S. fungirte, hierauf zum ersten Lehrer der für evangelische und jüdische Schüler gemeinsamen Schule gewählt, aber seitens der Regierung zu Posen und des llnterrichtsministcrs Falk der Religion wegen nicht bestätigt worden, hat die Großh. hessische Concession zur Leitung der höheren Bürgerschule in Guntersblum (Rheinhessen), die bis jetzt von christlichen Dirigenten geleitet wurde, und obschon zwei christliche Bewerber vorhanden waren, erhalten und angetreten. Der bettessende abschlägige, vom Minister Falk Unterzeichnete Bescheid datirte vom 11. Juli 1879. Es giebt dies zu denken. — Man schreibt uns aus St. Wendel: Am 29. Januar d. I. wurde hier einer der Veteranen der jüdischen Lehrer Rheinlands zur letzten Ruhe bestattet. Es war der fast 70jährige Lehrer 10*