Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1880)
- Date
- 1880-03-09
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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r 154 lisation einer Anzahl von Israeliten. Dieselben haben fast! Bonn, 15. Febr. (Notizen.) säinmtlich Dispens von der zehnjährigen Anwesenheit er-!d. schreibt uns unser gesch. Corresp.: halten. Marokko. Madrid, 22. Februar. Der gemeinschaftliche Vertreter Oesterreich-Ungarns und Englands in Marokko, Drummond Bey, begiebt sich anfangs März nach Fez, um mit dem Sultan persönlich wegen der Lage der Juden in seinem Reiche zu konferiren. Eine marokkanische Kavallcrie-Abtheilung wird den Gesandten nach Fez begleiten. Bonn, 1. Febr. (Notizen.) Mann schreibt uns aus Dorstfeld den 28. Jan.: Die hiesige Rektoratschule wird von zwei jüdischen Schülern besucht, denen ich bis vor Kurzen aus eigener Initiative den nöthigen Religionsunterricht in meiner Schule ertheilte. Vor einiger Zeit beantragte ich jedoch, der Religionsunterricht möge in der Rectoratschule ertheilt und mir dafür eine entsprechende Vergütung gewährt werden. In hochherzigster Weise wurde meinem Gesuche willfahrt. Ich erhielt für den bereits ertheilten Unterricht eine Remuneration von 120 Mark und bekomme für wöchentlich zwei zu ertheilende Religionsflunden eine jährliche Vergütung von ebenfalls 120 M. Gewiß eine rühmenswerthe Thatsache. Lehrer. G. Bendix. Bonn, 8. Februar. (Notizen.) Vor einigen Tagen kam die Baronin Gustav von Rothschild mit einem Knaben nieder. Bei dieser Gelegenheit spendete der Baron 50,000 Frcs. dem israelitischen Hospital von Paris, Übersande allen israelitischen Lehrern und Lehrerinnen von Paris Geschenke von 100—200 Frcs. Am Tage der Beschneidung wurden die Kinder des Waisenhauses der Straße Lamblardin festlich gespeist. — Am 9. December verstarb in Antwerpen der jüdische Maler Jacob Jacobs, einer der eminentesten Mitglieder der Antwerpener Malerschule. Als Landschafts- und Marine-Maler genoß er eines bedeutenden Rufes, und war eine lang Zeit Lehrer der Landschafts- und Thiermalerei in der Akademie seiner Vaterstadt. Er war 1812 in Antwerpen geboren, zeigte frühzeitig eine hohe Begabung für die Kunst, und kaum 20 Jahre alt, stellte er schon Gemälde in Anwerpen, Brüsiel und Gent aus, und zwar mit bedeutendem Erfolge. Er hatte Reisen in Italien, Griechenland, dem Orient und Skandinavien gemacht, so daß er den Bildern aus diesen Gegenden den Charakter der Naturtreue und Lebenswärme zu geben wußte. — Die „Schles. B. Z." und die „Germania" find äußerst erbost, daß in Beuthen der jüdische Arzt vr. Mannheimer zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung erwählt worden ist, nachdem sie der Welt verkündet hatten, daß sie bei den jüngsten Wahlen entschieden gesiegt hatten. — Aus Erfurt vom 6. Die Juden in Arnstadt haben in Plaue (im Thüringer Wald), wo jetzt keine Juden mehr wohnen, ihren Friedhof. Derselbe liegt wunderbar schön auf einem hohen Berge des Thüringer Waldes, dicht am Fuße einer gewaltigen Schloßruine. In Arnstadt war der penfionirte Lehrer Nathan Ehrlich gestorben; als wir nun mit der Leiche, der nur 5—6 Juden folgten in Plaue angekommen waren, erwarteten uns die gesammten Schulkinder des Ortes in Reihen ausgestellt. Christliche Träger nahmen den Sarg in Empfang und mehr als 200 Männer und Frauen wanden sich mit uns den steilen Pfad nach dem Friedhof hinauf. Mit tiefer, aber ich muß gestehen freudiger Rührung sprach ich am Grabe des Ehrenmannes, vom Gipfel des Berges aber schweiften meine Blicke in die weite Gotteswelt und mehr als jemals ward es mir nach diesem Begräbniß zur Gewißheit, daß die Zeit kommen wird, in der „ G otteserkenntniß und Menschenliebe die Erde bedecken wird, wie Waffer bedecket den Meeresgrund." — Bei der Umlegung des Löberthores zu Erfurt ist wiederum eine als Mauerstein verwandte Mazewa gefunden. Die gut erhaltene Inschrift zeigt ebenfalls einen jetzt seltenen Frauennamen Jenna. Die Jahreszahl ist 5052 (1292). Die im Keller der Lorenzschule entdeckte Mazewa lautet auf Minta bat Rabi Jehuda und ist vom Jahre 5080 der Weltenaera (1320.) — Auf meine Veranlassung hat sich hier ein „Israelitischer Jungftauenverein" gebildet, der sich zu seiner Hauptaufgabe die Pflege des Bewußtseins religiöser Zusammengehörigkeit macht. Vorlesungen und Vorträge, besonders aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte, vereinigen die Mitglieder und helfen den guten Zweck befördern. vr. Jecheskel Caro, Rabbiner. Bonn, 29. Febr. (Notizen). Man schreibt uns aus Pilsen (Böhmen): Am 15. d. schied Rabbiner vr. Bogelstein von hier, wo er zwölf Jahre amtirte, um seine neue Stelle in Stettin anzutreten. Sein Scheiden erregt das innigste Bedauern, denn er hat es verstanden, als Seelsorger wie als Mensch sich die höchste Achtung und Zuneigung zu erwerben. Die Gemeinde gab ihm ein glänzendes Abschiedsfest, an welchem 350 Personen theilnahmen, und überreichte ihm eine vorzüglich ausgefertigte Dankadreffe. Bonn, 29. Februar (Literarische Notizen). Ludwig Bamberger's Aufsatz: „Deutschthum und Judenthum", der auch in dieser Ztg. ausführlich besprochen worden, ist ans der Monatsschrift „Unsre Zeit" in Separatabdruck erschienen (Leipzig, Brockhaus 1880.) In dem Vorwort weist B. darauf hin, daß Treitschke keine Zustimmung gefunden, dagegen von „persönlich Unbetheiligten beredter und energischer Widerspruch gegen ihn erhoben worden". Bamberger hätte die von ihm angeführten Beispiele aus der A. Z. d. Jud. weithin 1