Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-02 · Heft 9 (2.3.1880) · p. Seite 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 9 (2.3.1880)
Date
1880-03-02
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227295--37862-3307042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

139 Du wirst's, wie ich, einst sehen — Gewahrst Du Nichts — das Nichts! „Die Tropfen, die den Fels aushöhlen!" Ich sah noch keinen Fels hinweggehöhlt — Den Raufen Staub sah ich dahingeschwemmt. Der Felsen selbst den Schwall der Wogen dämmt! Solch' Felsen ist die Gotteslehre — Laßt Eure Tropsen fallen, wirbeln Euren Staub — Jahrtausende sah sie es schon, die hehre — Die Wolken slieh'n, des Zeitensturmes Raub! Versenkt Euch in des Meeres Tiefen, Wohin kein Senkblei reicht; Des Nordpols Finsternisie ruft herbei, Deß schwarzen Nebeldunst kein Strahl durchblitzt; Vergletschert lieg' die Erd' in ew'gem Eis, Daß Schrunnen tief das Felsgestein durchfurchen — Von hier aus flieg' durch ungezählter Aeonen Flucht rückwärts Gedankenstug — Da liegt inmitten graus'gen Schweigens Urzelle da, Urbläschen, leichtgewandet . . . Da regt der Urkeim sich, es webt sich Zell' an Zelle, Es löst sich Keim von Keim und flieht einander. Gestalten werden, ungescblacht und schaurig. Der Sterne Heer zieht Bahnen durch den Raum, Dunst erst, dann seit und rund geschwungen. Zahlloser Wesen Sitz, krystallifirt Und gliedrig, vielgegliedert. In tausendfacher Art, dasielbe immer anders — Sie sind, sie sind: Welt, Welten, Wesen Alle! . . . Doch sagt: was habt Ihr nun gewonnen? In Todesnächten vor Myriaden Zeiten Wie ward Urzelle, wie Urbläschen doch? Wer gab die Keime ihr zu unbegrenzter Entfaltung? Wer in diesem Urkeim weckte Bewegung als des Lebens Anfang, Als ew'gen Drang des Werdens und Gestaltens? Ihr, Thoren Ihr — Ihr könnt sein nicht entbehren Urzell' ist doch nur Anfang, alles Daseins Anfang — Am Anfang schuf — schuf Gott Welt, Welten, Wesen — Ihr selbst bezeugt es nur! Hallelujah! «Fortsetzung folgt.) | Noch eine Reliquie von 2oft. j Frankfurt a/M., 23. November. j Die Nr. 47 Ihrer geschätzten Zeitung veranlaßt mich,! Ihnen vier Verse unseres sei. l)r. Jost zu übergeben. Die! Authenticität der Verse kann ich Ihnen verbürgen. Er hat; dieselben 4 Schülerinnen beim Austritt aus der Realschule in idas Stammbuch geschrieben im März 1841. Elias Ullmann. I. Nicht Der, der stets über Thorheit lacht. Noch wer über Unheil immer klagt. Wird jemals wahrhaft zufrieden; Nur Dem, der mit den Frohen sich freut. Dem Unglück gern seinen Beistand leiht. Ist Lebenslust beschieden. II. Du hast jetzt eine Reise vor. Wer sagt Dir wohl wie lang? Wer darnach fragt, der ist ein Thor Und macht das Herz nur bang. Zieh' munter Deines Weges fort. Das End' erfährst dereinst Tu dort! III. Das Leben fährt auf dunkler Bahn, Doch leiht die Tugend uns ihr Licht! Wer sie verschmäht, den schreckt der Wahn, Doch ihren Freund bedroht er nicht! IV. Des Menschen Wisien ist nicht viel. Kaum Werth, es so zu nennen: ' Doch ist es drum kein leeres Spiel, Uns winkt vielmehr ein schönes Ziel, Wenn wir es nur erkennen. Vermischtes. I Die Cauer'sche Lehranstalt zu Berlin.! Professor Eberty hat „Jugenderinnerungen eines alten Berliners" «Berlin. Hertz 1878) herausgegeben, welche uns das Berlin von 1815—1840 recht lebhaft schildern. Einen besonderen Zug wollen wir daraus erwähnen. Alan ninimt gewöhnlich an, daß erst seit mehreren Jahrzehnten die Juden einen lebhaften Antheil am öffentlichen Leben nahmen, und tvillig 1 in die Geistesströmungen des Tages eingehen. Es ist dies inio-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.