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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-02 · Heft 9 (2.3.1880) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 9 (2.3.1880)
Date
1880-03-02
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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138 Frankreich. Paris, 15. Februar. Mit welcher Unparteilichkeit die französische Regierung die Verdienste anerkennt, welche sich auch ihre israelitischen Bürger erwerben, dafür liefert jeder Tag Beispiele. Am 3. Februar z. B. erhielten den Ofsiciergrad der Ehrenlegion: Nathan Blum, Bataillonschef im 105. Linienregiment und Ernst Mayer, Hngenieurchef an der Westbahn, sowie den Rittergrad Jacob Homent, Capitän im 1 1 8. Linienregiment, Paul Worms de Romilly, Ingenieur 1. Elaste im Corps der Minen, Gustav See, Oberforstmeister, l)r. Schloß für seine Dienstleistungen bei acht Ambulancen und der ehemalige Banquier Allegri wegen Gründung mehrerer tvohlthätiger Anstalten. — Schon wieder ist ein Israelit, Malv, zum Unterpräsecten und zwar in Ruffec ernannt worden. Paris, 20. Februar. Diesen Morgen empsing der Conseilspräsident Abgeordnete der Alliance israelite universelle, an deren Spitze der Groß-Rabbiner von Frankreich erschien. Die Deputation schilderte dem Minister die jetzige Lage der Juden, die neuen Verfolgungen in Marokko, die mißliche Lage der Schulen, die die Alliance im Morgenlande gründete, und dankte schließlich für die Bemühungen Frankreichs zu Gunsten der Juden in Rumänien. Freycinet versprach, daß er in der Sache thun wolle, was in seinen Kräften stehe. (Die Anerkennung Rumäniens giebt hiersür genügenden Beweis!) Es ist erfreulich, wahrzunehmen, daß das Centralcomite der Alliance zeigt, daß der große Verlust seines Präsidenten es an Thatkraft nicht vermindert. Marokko. Aus Fez haben wir schon des scheußlichen Vorgangs erwähnt, bei welchem einige Juden verwundet und ein Greis von 70 Jahren lebendig verbrannt wurde. Der Gibraltar Guardian enthält darüber das Nähere, womit wir unsre Leser verschonen wollen. Er spricht die Ueberzeugung aus, daß die Bevollmächtigten der fremden Mächte beim Sultan alle möglichen Anstrengungen machen werden, um die Bestrafung der Schuldigen und die Sicherstellung der Juden in Zukunft zu erwirken. Die Erfahrung hat gelehrt, daß in Marokko alle derartigen Bemühungen höchstens für eine sehr kurze Zeit Erfolg haben. Denn theils fehlt es der Regierung von Marokko am Willen, theils auch an der nöthigen Kraft, und ihre Gouverneure sind oft die schlimmsten Feinde der Rechts. Auch hier zu Lande wird es nicht bester werden, als bis die europäischen Mächte der ganzen Wirthschaft ein Ende machen. Hätte Spanien nur noch einen Theil seiner alten Kraft, es hätte schon längst in Marokko aufgeräumt. Palästina. Jerusalem, im Februar. Wie ein Privatschreiben aus Jerusalem meldet, ist dort am -2. Januar der Oberrabbiner der Stadt und der ganzen Provinz Palästina (Chacham-Baschi), j Elieser Eskanasi, im Alter von 67 Jahren an einem Brust-! leiden gestorben. Der Verstorbene stammte aus Mekinez in j Marokko und kam in seinem 15. Lebensjahre nach Jerusalem, um hier die rabbinischen Studien zu machen. Nachdem er in mehreren Städten der Türkei als Rabbiner fungirt hatte,! wurde er zum Oberrabbiner der Heiligen Stadt ernannt. Esj kanasi schrieb und sprach geläusig arabisch, türkisch und spanisch.! Vor ungefähr zehn Jahren hat er ein vierzehnjähriges Mädchen; als seine vierte Frau zum Trauhimmel geführt. Ieuilleton Äntipeslimistische Denkspruche, von L Ph. (Fortsetzung.)') Wer mir die Welt, die schöne Gotteswelt Zu einem Pfuhl von Weh' und Noth entstellt. Ist nicht mein Freund! Wer mir die Freude aus dem Herzen schwätzt. Und das Gemüth mit seinem Gift durchätzt, Der ist mein Feind! \) In Nr. 4 S. öl im zweiten der dortigen „Antipest. Denkspr? muß es heißen: Wie? steigt das Leben mir allmälig nieder. Erhebt es sich schon frischbethaut mir wieder? Wir bitten, hiernach den Vers zu verbestern. L. PH. Wer mit mir jauchzt, wenn Freude mir genaht. Wer tröstend mir im Leid zur Seite trat. Der ist mein Freund! Wer in des Lebens Kelch mir Wermuth gießt. Des Spottes scharfen Pfeil in's Herz mir schießt. Der ist mein Feind! -k * * | Ei, Du verhöhnst mein Glauben? | „Wer kann so kleinlich, so beschränkt noch denken!"! Doch Deinem Unglauben, ha, I Dem soll ich Glauben schenken?! Als erste Frucht, wenn ich nicht glauben soll. Versag' ich Dir erst recht des Glaubens Zoll! Im Dunkel magst Du Deinen Weg wohl gehen. Doch bei dem ersten Strahl des Lichts —

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