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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-02 · Heft 9 (2.3.1880) · p. Seite 137

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 9 (2.3.1880)
Date
1880-03-02
Page
Seite 137 (sequence 9)
Language
German
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137 Sbeltiui^ ditoccfe tiefe teu/. Deutschland. Berlin, 16. Februar. (Privatmitth.) Bekanntlich zogen dem Abgeordneten Professor Hänel die Schlußworte seiner jüngsten Rede einen Ordnungsruf des Präsidenten zu. Es Mühler wieder mit Lob überschüttet. Es strömen daher gegenwärtig Petitionen aus allen Städten, in welchen ein Theil der Bevölkerung katholisch ist, und Simultanschulen vorhanden sind, nach Berlin, um die letzteren beseitigt zu sehen. Die ultramontanen Blätter sind voll davon. Man hat hierbei den eiaenthümlichen Anblick, daß das ultramontane Centrum mit mag dies in der parlamentarischen, gerade bei erregten Dei den orthodoxen Conservativen zur Beseitigung der Simultanbatten am meisten aufrecht zu erhaltenden Ordnung liegen . > schulen sich vereinige, während doch im Grunde durch die streng jedoch dem Geiste nach fällt das Urtheil wohl anders aus.! confessionelle Schule der Kampf und Hader zwischen Katholiken Die „Magdeburg'sche Zeitung" spricht sich hierüber folgenderj und Evangelischen nur genährt und verewigt wird. Was maßen aus: „Es mag parlamentarisch unzulässig gewesen sein, i übrigens die Stellung der Juden zu dieser Frage betrifft, so wenn der Abgeordnete H än e l in der energischen Abfertigung,! können wir, abgesehen von der allgemeinen Bedeutung, da, die er dem Abgeordnete Stö cker zu Theil werden ließ, sagte,! wo keine jüdische Volksschule besteht, die Beseitigung der daß die Behauptung deffelben, daß Gott, der nicht blos ein! Simultanschule nur bedauern, denn wir sind dadurch ge- Gott der Liebe, sondern auch des Gerichtes sei, vor Allem - zwungen, unsre Kinder wieder in engherzig confessionelle das System des modernen Liberalismus gerichtet habe,! Schulen zu schicken, wo sie unter dem geschärften und zugeunwillkürlich den Verdacht der „Heu che lei" Hervorrufen nrüffe.! spitzten confessionellen Geiste und deffen Ergüffen so Vieles zu Immerhin wird sich Niemand bei den bezüglichen Aeußerungen j leiden und zu verwinden haben. des Herrn Hofpredigers des Eindrucks haben erwehren können, | Aus Württemberg, Ende Januar. (Privatmitth.) In daß es eine alles Maß überschreitende Ueber-jdem Stäbchen Buttenhausen fanden jüngst unerquickliche Hebung ist, wenn Jemand die augenblickliche politische Con- Vorgänge statt. Der dort angestellte Rabbiner Stern gehört stellation, die der conservativen Partei günstig ist, als ein der extremsten Reformrichtung an, und gab pseudonym ein Gottesgericht über den Liberalismus zu bezeichnen sich er-! Schristchen „der alte und der neue Glauben im Judenthum" dreistet. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte es Herr Stöcker i heraus, worauf, nachdem es constatirt worden, daß er der noch erleben, daß der von ihm als „gerichtet" bezeichnete" Verfaffer, er von dem israelitischen Oberkirchenrath auf drei Lrberalismus zu entscheidendem und maßgebendem Einfluß ge- Monate vom Amte suspeudirt worden. Als derselbe beim langt; dann wird das Gottesgericht über ihn ergehen. Wenn doch der Herr Abgeordnete Stöcker einsehen wollte, daß kein Angriff einer negativen und unkirchlichen Richtung so viel dazu beitragen kann, daß die Religion in unserem Volke dis- Sabbathgottesdienst wieder in Funktion treten sollte, fand eine große Aufregung in der Gemeinde statt, was Störungen beim Gottesdienste zur Folge hatte, für die nun 6 angesehene Mitglieder der Gemeinde inhaftirt wurden. Außerdem sinden creditirt wird, als der Fanatismus, der in jedem seiner Worte! in dem fast zu gleichen Hälften von Juden und Christen besich ausspricht."! wohnten Stäbchen Reibungen zwischen beiden statt. Die Ursache Diese Bemerkungen sind um so zutreffender als es sich j davon liegt darin, daß die Juden bei der Wahl des Gemeindeschließlich doch nur um das gegenwärtige Verwalten der Con-; rathes zu Gunsten christlicher Mitbürger stimmten, dagegen die servativen in Preußen oder höchstens im deutschen Reiche j Christen bei der Wahl des Bürgerausschuffes die Juden aushandelt, während in anderen Staaten die liberale Partei das schloffen. Da bei der letzteren Wahl Ungehörigkeiten vor- Steuer führt. Hiernach müßte das von Stöcker angerufene' kamen und sie deshalb annullirt werden mußte, wollen folge- Gericht sehr verschiedene Urtheile fällen, und das hier verrichtig auch die Juden ihr Wahlrecht zu ihren Gunsten werfen, was es dort zum Siege führt. Jndeß ist nian es gewohnt, daß die Führer extremer kirchlicher Partei sich an die Stelle Gottes setzen, im Grunde eine größere Blasphemie als ein Atheist ausstößt. Wir erleben dies übrigens in allen Religionen und Confessionen. — Nach den stattgefundenen Verhandlungen über den Unterrichtsetat weiß übrigens alle benutzen. Fürth, 11. Februar. (Privatmitth.) Der Bericht aus Bayern in Nr. 6 bedarf insofern einer Ergänzung, als nicht Dr. Frankenburger in Nürnberg der einzige jüdische Abgeordnete ist; es sitzen vielmehr in der bayerischen Abgeordnetenkammer außer Dr. Frankenburger noch zwei Israeliten, und zwar Rechtsanwalt Dr. Gunzenhäuser von hier und Rechts- Welt, was sie vom gegenwärtigen Unterrichtsminister zu denken und zu erwarten habe. Er hat die Simultanschule für „eine j anwalt und kgl. Hoftath Dr. Henle in München, verlorene Sache" erklärt, und es wurde bereits das System! 9

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