Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1880)
- Date
- 1880-03-02
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
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133 „<&ä)on heute ist von den unvergänglichen Lehren des! ich auch weiß, das alle Jahrtausend einmal über die Bühne Christenthums bei den Weltlichen mehr zu finden als in! der Weltgeschichte der Kampf zwischen Semiten und Ariern der Kirche, — die christliche Liebe vornehmlich lebt unter geht, zwischen den Puniern und Römern zuerst, zwischen dem den vielgescholtenen Ungläubigen häufiger als unter den; Islam und der Christenheit zum zweiten Mal. Meine Herren, Geistlichen; an dem großen Werke der jüngsten hundert1 jedesmal in diesen welthistorischen Kämpfen sind die Semiten die Jahre, an der Befreiung des Menschen von tausend Schranken' Angreifer gewesen und nach schweren Ringen ist es den Jnunchristlicher Willkür hat die Kirche gar keinen Antheil ge- > dogermanen immer gelungen, sie zurückzuweisen. Heute stehen nommen. Vertheidiger der Kirche beanspruchen das Vorrecht,- wir in einer neuen Phase dieses welthistorischen Kampfes, das auch die beste Sache durch die unvergleichliche Gemeinheit Schlachtfeld ist ein anderes, die Heerschaaren auch, heute ist ihrer Vertheidigungsmittel zu verderben, und diese Er-! es das moderne Judenthum, welches unter uns lebt, das in scheinung wird nach menschlichem Ermefien fortdauern; der That einen Kampf gegen unsere moderne Kultur führt, mehr und mehr wird der sittliche Gehalt des Christenthums! (Oho'. links.) Ich sage nicht, daß alle Israeliten daran bevon weltlichen Händen ausgebildet werden und mehr und; theiligt find, aber viele führen diesen Kampf. Aber dies Vormehr wird sich Herausstellen, daß geschlofiene Kirchen den nehmen, die Grundlage unserer Kultur zu untergraben, habe geistigen Bedürfnissen freier Völker nicht genügen." -ich bekämpft: ich habe mich fern davon gehalten, zu untersuchen, Dies zur Charakteristik des Mannes, auf den der Herr wieviel die Race daran Theil hat, ich habe aus der Frage Kultusminister sich heute gestützt hat und von dem er sagt, j eine ethische gemacht, ich habe bekämpft das jüdische Großkapital, daß ihm wegen seiner vom Herrn Minister herangezogenen! den jüdischen Wucher, der jetzt bei den oberschlefischen Debatten Aeußerungen in den preußischen Jahrbüchern, das deutsche! zu einer politischen und historischen Thatsache geworden ist, ich Volk ein Ehrendenkmal setzen müsie. Meine Herren, ich meine,' habe bekämpft das jüdische Literatenthum, das unsere Ideale das deutsche Volk wird daran wohl nicht denken. Jndeß! zerreißt, (Lebhafter Widerspruch links, —Sehr richtig! rechts) genug davon." — - und die jüdische Presie, die unsere Heiligthümer untergräbt. Hierauf rief das Centrum kein „Oho!" und der Kultus-! Ich habe den edlen Israeliten in unserer Stadt zugerufen, sie minister kam auf das Denkmal für Treitschke nicht wieder zurück.— -möchten die Güte haben, ihren Glaubensgenosien Zusagen, Der zweite Jncidenzpunkt dieser Sitzung war der Kampf! daß das nicht angeht. Man beruft sich auf die Minorität, zwischen Stöcker und Hänel. Abgeordneter Löwe hatte die! Ja, meine Herren, ich kenne sehr gut die Ansprüche der Mi- Angriffe gegen ihn und Straßmann und gegen die Juden! norität, mit Nachsicht, mit Schonung, mit Brüderlichkeit und überhaupt, wie sie sich Stöcker gestattet hatte, energisch zurückmit Liebe behandelt zu werden: wir wollen das auch der gewiesen und die Versammlung aufgefordert, den confesfionellen Frieden zu wahren. Wir haben Lowe's Rede fast wörtlich Minorität gern gewähren. Dann muß sich aber die Minorität als Minorität betragen, nämlich bescheiden: solche Worte, wie wiedergegeben. Die Vertheidigung S t ö ck e r' s fiel sehr schwach j sie aus dem Munde des Herrn Abgeordneten Loewe in seiner aus. Wir geben diesen Theil seiner Rede wörtlich.! Wahlrede gekommen sind, wie sie der Herr Abgeordnete Straß- „Meine Herren, ich könnte diese friedliche Gesinnung trotz > mann geäußert hat, können nur dazu dienen, das Verhältniß der Bestreitung von drüben für mich in Anspruch nehmen.i zwischen Minorität und Majorität zu verbittern. Ich glaube. Ich habe diese schwierige Frage, die ja wirklich nicht blos von 1 meine Herren, es ist kaum irgend eine Person in Berlin, die mir diskutirt, sondern von vielen Seiten, von allen konfessiosoviel Toleranz, Rücksicht, Gleichmüthigkeit zu üben hätte, als nellen und von allen politischen Richtungen, ich habe sie aus der Berliner Stadtverordnetenvorsteher, und ich bin ganz gedem gewöhnlichen Gezänk herausziehen und stellen wollen auf wiß, daß viele von Ihnen das Wort, das er gesprochen hat, ein Niveau anständiger Diskussion. (Heiterkeit links. Sehr nicht billigen können, weil es nicht zu billigen ist. richtig! rechts.) Meine Herren, Israeliten, die an den be- Ich gehe weiter. Der Herr Abgeordnete Löwe hat sich kannten Versammlungen theilgenommen haben, haben mir dies Zeugniß selber gegeben. Wenn daraus im Publikum eine Judenhetze gemacht ist, wenn lügnerische Zeitungsberichte die Sache entstellen, um Propaganda daraus zu machen, so ist das nicht meine Schuld, sondern die Schuld der Gegner. Ich habe die Frage nicht behandelt als eine religiöse Frage, auch nicht bloß als eine Raceftage. Es kann Niemand in Berlin sein, dem das alte Testament, die Urkunde des Judenthums, heiliger ist, als mir, das steht gar nicht in Frage. Ich habe auch nicht allein von der Race der Juden gesprochen, wenn auf die Sorgfallt berufen, womit die Berliner Schuldeputation dem Berliner Schulwesen vorsteht, er hat die Weisheit der Leiter dieses Schulwesens gerühmt. Eins wenigstens müßte man von diesem Kollegium mit Recht fordern und von den Israeliten in diesem Kollegium am meisten, daß sie mit der Simultanisirung unseres evangelischen Schulwesens nicht vorgegangen wären, als bis das jüdische Schulwesen gleichfalls die Hand zur Simultanisirung gereicht hätte. Es ist einmal an den jüdischen Schulvorstand die Frage gestellt, ob er die israelitische Schule mit den übrigen Berliner Schulen der-