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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-24 · Heft 8 (24.2.1880) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 8 (24.2.1880)
Date
1880-02-24
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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1-21 Ritterorden beehrt werden? daß die Turiner Universität einen Professor und drei Docenten unseres Glaubens besitzt? Rabbiner Moses Tedeschi in Triest ist in Italien einer j der wenigen, welche in unfern Tagen in die specisisch jüdische; Literatur einschlagende Schriften veröffentlichen. Voriges Jahr! erschien von ihm ein sehr schön hebräisch geschriebenes Buch! e^e?:; “!Ei72 mit dazu gehörigem Anhänge livr-j eie, mo-! ralischen Inhalts, und zu den in manchen Orten noch üblichen! E^ee höchst geeignet. Jüngst erhielt ich von ihm den' an "iE* des Benjamin Mustafia in's Italienische übersetzt und j für den Unterricht im Hebräischen eingerichtet. Ter Verfasser verschickt und verschenkt diese seine Schriften unentgeltlich. Rußland. Petersburg, im Februar. Einige öffentliche Blätter schreiben von hier aus: „Die Frage bezüglich der Erweiterung der Rechte, respective die 6 leichbercchtigung der in Rußland lebenden Juden tritt neuestens wieder in den Vordergrund. Kaiser Alexander I I. soll sich mit der Absicht tragen, aus Anlaß seines bevorstehenden fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläums seinen jüdischen Unterthanen „Privilegien" zu gewähren, die die Juden mit den übrigen russischen Bewohnern des Reiches ganz gleichberechtigen sollen. Es seien bereits mehrere diesbezügliche Andeutungen von Seite der Regierung gemacht worden und ein Rechtssall im Bezirk Orel soll diese Behauptung vollkommen bestätigt haben. Es starb nämlich vor Kurzem dort ein verabschiedeter jüdischer Soldat, der Georgs-Ritter gewesen und in Folge deffen im Genuffe mehrerer Privilegien, die in Rußland gegenwärtig nur jüdischen Kaufleuten erster Gilde u. dgl. zukommen, gestanden war. Die Wittwe des Verstorbenen, welcher die Ortsbehörden den Fortgenuß der Privilegien ihres Mannes streitig machen wollten, wandte sich mit einem diesbezüglichen Gesuche an den Petersburger Regierungssenat und dieser erwiederte der Petentin, daß die Frage bezüglich der Gleichberechtigung der Juden in Rußland bald vom Kaiser selbst gelöst werden solle." Bekanntlich trat mit der Thronbesteigung Alexander's II. eine humanere Behandlung der jüdischen Bevölkerung Rußlands ein, indem die drückendsten Ausnahmegesetze, welche unter der Regierung seines Vorgängers die Juden so schwer belasteten, aufgehoben wurden. Oeffnete man ihnen doch, wenn auch in beschränktem Maße, den Zugang in das Innere des Reiches und den Eintritt in Staatsämter. Jedoch diese Rechtszugeständniffe machten die weiteren Beschränkungen nur um so empfindlicher. Vor Allem ist es, wie in diesen: Blatte schon so oft ausgeführt worden, die Freizügigkeit, welä-e zur Hebung der materiellen, wie der intellectuellen und sittlichen Roth für die Juden das unumgänglichste Bedürfniß ist. Tein hohen Sinn des Kaisers Alexander, des Befreiers der Leibeigenen, trauen wir zu, das angesangene Werk der Erlösung seiner jüdischen Unterthanen zu vollenden. Bonn, 10. Januar. (Notizen.) Man wird sich des frühzeitig verstorbenen, genial beanlagten Malers Moritz Gottlieb aus Krakau erinnern. Wie man dem „Lemberger Israelit" berichtet, macht der jüngere Bruder deffelben mit Namen Marcin, der kaum das zwölfte Jahr zurückgelegt hat, zusehends große Fortschritte in der Malerkunst, indem er sich unter der Aussicht und Leitung des Meisters Matejko auszubilden fleißig bestrebt ist. Auch der jüngste der Brüder Gottlieb's, der acht Jahre alte Philipp, zeigt schon in seinem! Jugendalter Anlagen zum Zeichnen und Malen. — Am J 2. Januar feierte zu Halberstadt der Buchdruckereibesitzer H. Meyer sein ÖOjähriges Buchdrucker-Jubiläum. Der noch l sehr rüstige und überaus thätige 66jährige Jubilar trat am 2. Januar 1830 hier in Halberstadt in die Lehre und con-! ditionirte nach zurückgelegter Militärzeit in den sechs bedeutendsten Druckorten Nord- und Süddeutschlands, >der Schweiz! und Oesterreichs, zuletzt hauptsächlich in den Städten Braun- , schweig und Magdeburg. Nach der Rückkehr in seine Vaterstadt Halberstadt gründete Herr Meyer die unter seiner Firma Hierselbst bestehende Buchdruckerei. Seine rastlose Thätigkeit, sein großer Eiser, wie auch sein freundliches Entgegenkommen haben wesentlich dazu beigetragen, das Geschäft zu heben und zu fördern. — Zu Paris verstarb vor Kurzem ein gewiffer Heffe, Junggeselle, und hinterließ eine Summe von 130,000 Frcs. dem israelitischen Wohlthätigkeitscomitä von Paris. Zu! Tunis verstarb der Ober-Chacham der dortigen Gemeinde. ( An seinem Begräbniß nahmen die Consuln der fremden Mächte! Theil. — Jüngst ließ Lord Beaconssield das Grab seines j Großvaters auf dem isralitischen Friedhose der spanisch-portugiesischen Gemeinde zu Mile-End Road restauriren. Die Inschrift lautet: „Benjamin Disraeli, geb. den 22. Sept. 17ö< >, gest. 28. Nov. 1816. Er war ein liebevoller Gatte, Vater und Freund." j Bonn, 2h. Januar. (Notizen). Aus Theresiopel! erzählt man folgende nette und wahre Geschichte: In There- I siopel lebt ein blutarmer Jude Namens PH. Reiner. Der I Mann war ehedem ein wohlhabender und angesehener Kauf- > mann gewesen, war aber durch allerlei Unfälle um Hab und! Gut gekommen und fristete nun seit Jahren eine ziemlich kümmerliche Existenz damit, daß er kleineren Kaufleuten und Geschäften die Bücher führte. Am 31. December v. I. war! er in dieser Weise im Geschäfte des Herrn M. Grünbaum be- : schüftigt. Als er nach gethaner Arbeit den Laden verlaffen wollte, entspann sich ein Gespräch zwischen ihm und Frau Grünbaunr. Im Lause des bunten Allerlei, welches da ver- . handelt wurde, kam die Rede auch aus die Ziehung der 8

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