Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1880)
- Date
- 1880-02-24
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankreich. Paris, 13. Februar. Durch Paris verbreitete sich; Dienstag den 10. schnell die Trauerkunde, daß der Senator Cremieux am Morgen verschieden sei. Der Senat beschloß, daß seine Beerdigung auf Staatskosten geschehe, um den um das Vaterland hochverdienten Mann noch im Tode zu ehren. Heute wurde Cremieux zu seiner letzten Ruhestätte geleitet. Am Sterbehause, Rue de la Pompe 81 in Paffy, hatte sich von 10 Uhr ab eine ungeheure Menschenmenge eingefunden, darunter viele Senatoren und Deputirte, auch viele Mitglieder von der Rechten, eine große Anzahl Börsenmänner und viele > Damen. Die militärischen Ehren wurden von zwei Schwa- > dronen Dragoner unter dem Befehl ihres Obersten erwiesen.! Um 11 Uhr setzte sich der Leichenzug, wie es der jüdische Brauch will, direct nach dem Kirchhof Montmartre, wo sich das Familienbegräbniß des Verstorbenen befindet, in Bewegung. An der Spitze desselben befand sich eine Abtheilung Polizeidiener; ihnen folgte die Musikkapelle der Dragoner. Der Leichenwagen war mit Bannern und Blumenkränzen geschmückt; drei derselben, die von den algerischen Juden, die Cremieux 1870 zu Franzosen gemacht hatte, herrührten, trugen die Inschriften: Alger, Oran, Constantine. Auf den übrigen las man: „A. A. Cremieux. Les membres de la communaute de Firnes a leur illustre compatriote." „A. A. Cremieux la löge maqonique d’Osiris 17. 150." A. A. Cremieux, j le venerable Senateur, l’Alliance israelite“ u. s. w. Ein! Banner, das von zwei Zöglingen der orientalischen Schule getragen wurde, zeigte die Inschrift: „Au venerable Senateur la societe de la communaute. A Cremieux les israelites! d’Alger reconnaissants.“ Die Zipfel des Leichentuches trugen I der Kammerpräsident Gambetta, die Minister Jules Ferry j und Cazot, der Vicepräsident des Senates, Pelletan, der! Baron v. Rothschild und Emanuel Arago (Senator). Den: Leichenwagen umgaben Schüler der orientalischen Schule. An! der Spitze der Leidtragenden befand sich der Vertreter des j Präsidenten; ihm folgten die Mitglieder der Familie, die! Minister und Unterstaatssecretäre, die Senatoren und Deputirten, sowie die Deputationen des Staatsraths und der Advocaten von Paris. Alsdann kamen die zahlreichen Delegirten der Freimaurerlogen mit ihren Insignien: hierauf die Knaben und Mädchen aller israelitischen Schulen von Paris. Den Zug schlossen die übrigen Leidtragenden und eine Abtheilung Dragoner. An der Alma-Brücke angekommen, verließen Präsident Gambetta und Baron v. Rothschild den Zug und der Vicepräsident der Deputirtenkammer und der Minister Cochery ergriffen an ihrer Stelle die Zipfel des Leichentuches. Um l21/4 Uhr gelangte der Leichenzug aus dem Kirchhof Montparnaffe an. Am Eingänge des jüdischen Friedhofviertels hielt der Zug an. Zadok Kahn, Groß-Rabbiner von Paris, der der kirchlichen Feierlichkeit Vorstand, durfte nämlich den Kirchhof nicht betreten, da er zu den Kohanim gehört. Nachdem dieser im Namen der jüdischen Gemeinde eine ausgezeichnete Rede zu Ehren des Verstorbenen gehalten und sich dann entfernt hatte, bog der Leichenzug in den jüdischen Friedhof ein. An der Gruft wurden einige Gebete gesprochen, worauf die Sänger der verschiedenen jüdischen Synagogen von Paris einen Psalm vortrugen. Dann wurden die Reden gehalten. Pelletan sprach im Namen des Senats, Betolaud im Namen der Advocaten von Paris, Emanuel Arago im Namen der Freimaurer, Dernbourg im Namen der israelitischen Allianz und Believre (Deputirter) im Namen Algeriens. Dann sprach der Groß-Rabbiner von Frankreich, Isidor, einige Worte, worauf noch ein israelitischer Rumäne das Wort ergriff, um im Namen seiner Glaubensgenoffen dem Verstorbenen für die Vertheidigung ihrer Rechte zu danken. Auf allen Straßen, über welche der Leichenzug kam, hatte sich eine große Volks-! menge angesammelt. Man grüßte sehr achtungsvoll. Hier I und da ertönte auch ein Hoch auf die Republik. Italien. Aus Oberitalien, 21. Jänner. (Privatmitth.) Während wir mit schmerzlichem Staunen das unermüdliche Bestreben der Humanitäts- und Judenfeinde in den deutschen Gauen, das ftiedliche Nebeneinanderleben von Bürgern verschiedener Confession zu stören, wahrnehmen, haben wir hier die Genugthuung, zu sehen, daß bei uns weder von Seiten der Regierung, noch von Seiten der Bevölkerung auch nicht die leiseste Regung judenfeindlicher Gesinnung stattfindet. Der Jude ist bei uns Bürger, und als solcher wird er allerseits behandelt und beurtheilt. In jüngster Zeit, um ein Beispiel anzuführen, wurden die vielseitigen Verdienste um das öffentliche Wohl unseres geehrten Mitbürgers, Herrn Commandeur Aleffandro Malvano sehr bereitwillig anerkannt. Derselbe hat vor einigen Monaten, in Abwesenheit des Syndicus Bürgermeisters) von Turin, deffen Stelle durch mehrere Wochen vertreten; das i Wohlthätigkeitscomite zur Unterstützung der Armen in dieser strengen Jahreszeit ernannte ihn zu seinem Präsidenten; das Comite besteht übrigens aus den hervorragendsten Männern I aller Stände in jener Stadt. Die höchst wichtige Sparcaffe j Turins hat ihn zum Vicepräsidenten, neulich zum Präsidenten! ernannt; auch die dortige Handelskammer hat ihn vor einigen j Tagen zu ihrem Präsidenten mit Einstimmigkeit erwählt, und es giebt in Turin bedeutende Institutionen für Industrie, Kunst und Handel, die sich eine Ehre daraus machen, Herrn Malvano als eines ihrer nützlichsten und thätigsten Mitglieder anzuerkennen. Nun, was meint Ihr, Judenfeinde, dazu? Was würden sie dazu sagen, wenn sie wüßten, daß die be- I deutenderen Rabbiner unserer Gemeinden vom Könige mit