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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-24 · Heft 8 (24.2.1880) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 8 (24.2.1880)
Date
1880-02-24
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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119 Schrift: „Christ und Israelit" den Korybantenlärm der Anti-! semitenliga, der, wie ich glaube, den Deutschen mehr als den Juden geschadet hat, zum Schweigen bringen wird. Herr v. Treitschke geht aus dieser Angelegenheit wie ein geschundener Marsyas hervor. Er hat die „Judensrage" ganz in derselben Weise behandelt, wie er seine geschichtlichen Studien betreibt, nämlich von einseitigem, leidenschaftlichem Standpunkte aus. Er erfreut sich des Beifalls des hiesigen ultramontanen Journals: „Das Vaterland", dem der verstorbene Cardinal Rauscher zu wenig katholisch war, und diesen Beisall gönnen wir ihm von ganzem Herzen. Uns in Oesterreich droht eine Judensrage anderer Art. Es giebt jetzt in unserm Abgeordnetenhause Parteien, die miteinander einen förmlichen Schacher treiben. Die Czechen machen den Polen in der Grundsteuerfrage Concessionen, dafür concediren wieder die Polen den Czechen czechische Schulen. Herr Rabbiner Schreiber bat sich mit Herz und Seele den Polen verschrieben, dafür favorisiren wieder die Polen die Pläne des Herrn Schreiber und unter desien Aegide wird jetzt ein jüdisches Journal erscheinen, das die Ideen (t) des Herrn Schreiber verbreiten soll. Aus Furcht vor dieser Concurrenz lenkt nun ein hier in jüdischen Lettern erscheinendes Journal, welches früher, wie ich höre, eine Subvention von der Regierung erhielt, in dieses Fahrwasier ein. In Galizien wird es dann Finsterniß aus Finsterniß in Finsterniß (wie es im Koran heißt) geben: eine wenig tröstliche Aussicht. Pest, Februar. Der Petitions-Ausschuß des Abgej ordnetenhauses hielt gestern Abend eine Sitzung. Es reserirte | Vecscy über die Frage des israelitischen Schulsonds. Aus! desien übersichtlicher Schilderung des Sachverhaltes geht her-; vor, daß sieben einschlägige Gesuche vorliegen. Eines seitens! der Orthodoxen, welches die Austheilung des Fonds zwischen, die beiden rsraelitischen Parteien anstrebt, zunächst aus friedlichem Wege, in letzter Linie mittelst richterlicher Entscheidung , und das Rabbinen-Seminar als keine Staatsanstalt angesehen! lasten will; dann ein zweites Gesuch von derselben Seite,! welches das erstere urgirt. Weiter eine Petition der Reologen,! welche das Vorhandensein nur einer Glaubensgenosienschast anerkennen, die Orthodoxen mit ihrem Verlangen abzuweisen bitten, die israelitischen Cultus-Angelegenheiten durch den Minister regulirt sehen wollen nnd nicht wünschen, daß das Abgeordnetenhaus über den Fond verhandle. Endlich vier Gesuche von den Ltutu^-guo-Gemeinden Waitzen, Szarvas, Losoncz und Vug-Ujhely, welche ebenfalls gegen die Petita der Orthodoxen sich richten, an dem Fond und seiner Verwaltung nicht rütteln wollen, allein um eine gerechtere Vertheilung des Einkommens bitten. Nach Mittheilung des Inhalts der vorliegenden Petitionen wurden noch einige wichtige Dokumente, welche von der Gründung des Fonds handeln, zur Orientirung der Ausschuß-Mitglieder vorgelesen. Sodann wurde auf Antrag des Referenten beschlossen, es sei zur genauen Jnstruirung des Actes noch der Unterrichtsminister zu ersuchen, den Nachweis über die 1879er Gebahrung, sowie das Präliminare des Fonds pro 1880 vorzulegen, damit der Ausschuß erfahre, wie gegenwärtig desien Einkommen verwendet werde. — Pest, 4. Februar. <Privatmitth) 8. Das vor zwei Jahren gegründete „Jsraelirische Landes-Taubstummen-Jnstitut zu Budapest veröffentlicht seinen Bericht über das Schuljahr! 1878/79. Der Bericht enthält eine Geschichte des Instituts,! eine Beschreibung des Jnstitutsgebäudes und „die Lehr- und j Erziehungsweise der Anstalt." Die Hauptmomente sind ihrer > Zeit in diesem Bl. besprochen worden. Gegenwärtig zählt die Anstalt 35 Zöglinge (17 Knaben und 18 Mädchen), von denen nur 3 die ganze, 4 die halbe und 0 die Vierteltaxe bezahlen; 22 werden unentgeltlich aus den Mitteln des Instituts erhalten. Freilich lagen 126 Gesuche um Aufnahme vor, von! venen jedoch 91 aus Mangel an Erhaltungsmitteln zurückgei wiesen werden mußten. Dies ist ein schmerzliches Geständniß, hat aber seine greifbare Ursache. Alle Mittel die der Anstalt i bisjetzt zu Gebote stehen sind aus Pest selbst geslosien, während! die übrigen Gemeinden Ungarns nur äußerst wenig gethan haben, ja ein desiallsiger warmer und sehr verständlicher Auf- ^rus hat einen verschwindend geringen Erfolg gehabt! Die Erscheinung ist nicht neu, sie zeigt sich bei anderen Instituten, z. B. in Wien ebenfalls. Dies bewirkt einen zwiefachen Schaden, denn einentheils ist es dadurch dem Institute unmöglich gemacht, seinen Zweck in vollem Umfange zu erreichen, anderentheils wirkt es schließlich auf die Stimmung in Pest selbst zurück, und gefährdet deshalb den Bestand selbst im jetzigen Maße. Am Wiener jüdischen Taubstummen-Jnstitute sind 20 Freiplätze für ungarische Taubstumme aus dem ungarischjüdischen Landesschulsond dotirt. Die leitende Commission hat daher an den König das Gesuch gerichtet, diese 20 Freiplätze nach und nach in die Pester Anstalt zu verlegen. Sollte man es für möglich halten: „die orthodoxe Durchführungs-Commission" hat eine Gegenpetition eingereicht mit der Motivirung, die Gemeinde zu Pest biete keine Garantie, daß die Anstalt religionsgesetzlich geführt werde. Dabei hält die Anstalt auf's j Strengste an der religionsgesetzlichen Praxis, und die meisten j der Zöglinge sind ihr von sehr orthodoxen Eltern anvertraut.! Nun, wir können heute hinzufügen, daß der König in den! letzten Tagen die Entscheidung zu Gunsten der Pester Taubsturnmenanstalt getroffen hat. Freilich wird man in Ungarn i nunmehr darauf verzichten müsien, ungarische Kinder von der! Wiener Anstalt überhaupt ausgenommen zu sehen. Die erziehj lichen Erfolge der Pester Anstalt waren bis jetzt durchaus! lobenswerth.

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