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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-24 · Heft 8 (24.2.1880) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 8 (24.2.1880)
Date
1880-02-24
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 werden, nicht mehr verwundern. Dreselbe Leidenschaftlichkeit, Professor der Philosophie Cohen (letzterer war auch ein dieselbe Erbitterung, dieselbe Ketzerriecherei, dasselbe Jnquisitions- J Schüler Grätz') und Andere zu Gericht setzt und sie „irreligiös gelüste, dieselbe Vcrnichtungslust wurde von den Rednern des! und unmoralisch" nennt, so ist dies einfach frech und verdient Centrums auf Alles, was sie als Gegner betrachten, ausdie stärkste Verurtheilung. Man sieht, das Spielen mit dem gegossen, und als Gegner betrachten ste Alle, die nicht zu Bannstrahl will aus gewissen Geistern nicht hinaus. Am aufihrer Fahne schwören. Würde von der linken Seite des Hauses fälligsten ist es, daß Professor Grätz gerade auf Sie, der Sie dieselbe Rücksichtslosigkeit ausgeübt, so konnten wir Scenen; erleben, welche den berüchtigtsten amerikanischen Parlaments-! sitzungen nichts nachgegeben hätten. Dabei kann man sich! nicht verhehlen, daß die Conservativen diesem Gebühren des | Centrums, weil es gegen die Liberalen gerichtet war, mit; einem gewissen Behagen zusahen, zum Theil in dem Wahne,! als gelten diese rohen Schläge blos den Feinden des „positiven i Christenthums", und ohne zu bemerken, daß sie im Grunde j gegen den ganzen Protestantismus geführt wurden. Es ist 1 jedoch leicht möglich, daß der protestantische Theil der Nation! hierin feinfühliger ist als die Conservativen im Abgeordneten-! Hause und dann wird leider die kirchliche Spaltung noch tiefer! in die Gemüther eindringen. Man will aus dieser Erbitterung j des Centrums auf den dasselbe wenig befriedigenden Stand! der Verhandlungen mit Rom schließen. Allein sie könnte doch! auch von den Führern des Centrums aus der Absicht so angestrengt betbätigt werden, um auf die Beschleunigung dieser Verhandlungen zu drücken. Das wäre aber ein gefährliches Spiel, das leicht in das Gegentheil ausfallen könnte. — Die rumänische Angelegenheit schwebt immer noch im Dunkel. Was die Zeitungen darüber berichten, ist immer noch bloße Vermuthung. Den einzig sichern Anhalt boten bis jetzt die Aeußerungen des Barons Havmerle in der österreichischen Delegation, über welche Sie ausführlich berichtet haben. Man hatte in den Zeitungen gesagt, daß, wenn die rumänische j Deputirtenkammer in der Eisenbahnfrage nachgäbe, die Ani erkennung erfolgen würde. Jene hat nachgegeben, und diese ist noch nicht erfolgt. Dies beweist, daß die Angelegenheit noch nicht in dem glatten Flusie ist, in welchem sie die den! Rumänen freundlichen Zeitungen erblickten, sondern daß die! Emancipationsfrage noch nicht gelöst ist. — Wenn die Freunde und Schüler des Professor Grätz sich dessen annehmen, so kann man dies nur natürlich finden. Dann sollten sie aber mannhaft auftreten und rundweg erklären: wir unterschreiben die sämmtlichen Auslassungen Grätz' und theilen seine Ansichten. Dies thun sie jedoch nicht, und damit bestätigen sie indirect die Urtheile Derer, die sie zu discreditiren suchen. Denn statt des gedachten Verfahrens schmähen sie auf Alle, welche dem Treitschke erwiederten: für die Aussprüche des Einzelnen ist die Gesammtheit nicht verantwortlich. Wenn ein obscurer Rabbiner, der gegen hohes Gehalt Jahr aus Jahr ein seine Zuhörer langweilt, auch einige geistlose und sehr sterile gelehrle Bücher geschrieben, sich über Männer wie Rabbiner Dr. I oö l, Professor der Geschichte Breßlau, Ludwig Bamberger, doch in dem Artikel Nr. 2 auch seinen bedeutenden Leistungen gerecht wurden, seinen Zorn richtet, statt auf Die, welche eilt viel entschiedeneres Urtheil über ihn gefällt *). Vergebens sucht er die Sachlage zu verwirren. Jedermann sieht doch klar: Sie wollten seinen elften Band nicht ohne Prüfung annehmen, die vollkommen in Ihrem Rechte lag, da Sie als Leiter ves Instituts die Mitverantwortlichkeit trugen, Grätz aber wollte dieser Prüfung gerade diesen elften Band nicht unterziehen. Hiermit hat er aber von selbst bestätigt, was Sie sagten: er wußte selbst im Voraus, daß sein elfter Band Männern, die den Obscurantismus bekämpften, nicht annehmbar war. Was also noch weiter? Oesterreich-Ungarn. Wim, 30. Januar. (Privatmitth.) Man versteht es in Preußen Ordre pariren: ich zweifle daher nicht, daß das! Schreiben des Kronprinzen des deutschen Reiches an den Pastor | Gruber bei Gelegenheit der von dem letztem veröffentlichten! 1) Jo öl sagt (2!. lö): „So viel Anklang sonst sein (Grätz) 1 Geschichtswerk gefunden, gerade nach der Richtung, die Ihnen miß- | fällt, hat er uns Juden entschieden nicht aus der Seele gesprochen." Run, womit war dies zu erweisen, wenn nicht mit dem Vorgang beim Erscheinen dieses elften Bandes? Biet entschiedener spricht sich Professor B re klau aus (S. 21): „Jür Herrn Grätz kann ebensowenig das Judenthum verantwortlich gemacht werden, wie z. B. das Germanenthum für die Geschichtsschreibung des Herrn Onno Klopp." Tas ist freilich sehr harr! Warum wendet stch Grätz nicbt gegen diesen Herrn'? Bamberger bemerkt, daß die von Treitschke angeführten Stellen von „einem Stöcker der Synü' aoge geschrieben" wären; er fährt fort: „Was aber soll mir solche: Extravaganzen eines Einzelnen bewiesen werden? Genügt das Buch eines Mannes, um daraus den Geist einer großen Gesammtheit zu coustruiren? . . . Hätte der Ankläger auch nur mit einem Beleg darauf hingewiesen, daß die jüdischen Landsleute des Breslauer Professors mit dessen grimmigen Ausfällen svmvathisiren u. s. w." Run, will der Rabbiner, der alle diese llrtbcite verurcheilt. diesen Rachweis zu Gunsten Treitschke's führen? Professor Cohen sagt (S. IG'); „Es ist ein Unglück, das; ein indischer Geschichtsschreiber, der immerhin ein solches zwar bedingtes Ansehen sich erarbeitet hat, eine so erschreckliche Perversität der Gesühlsurlheile zu Stande j bringen konnte. Es ist das derselbe Mann, der. als er sein Ge-! schicb'.sw.wk begann, seinen Tank an einen Zu uz mit jenem berüchtigten Ausdruck abgetragen bat. Es ist das derselbe Manu.! welcher in seinem zehnten Band zwei Capiteln die Ueberschrist gegeben bat: „Spinoza und Sabbathai Zewi", Erhabenheit des! Gedankens und schwärmerischen Schwindel nebeneinander titulirt.! Welches Zartgefühl für den jüdischen Stamm! Es thut nur leid,! daß ich jetzt cs aussprecben muß: denn ich bin sein Schüler gewesen."! Auf welcher Seite liegt hier das „Unmoralische"'? Uebrigens ist i schon früher Aebnliches aesagt worden, und ich erinnere mich, eine I vernichtende Kritif von T>r. Jelsenthal in Chicago gelesen zu haben,! der bedauerte, daß durch das Erscheinen des Grätz'ichen Werkes ein i besseres Gefchicbtswerk auf lange Zeit — ans Mangel an den dazu I erforderlichen äußeren Rütteln — unmöglich geworden. Corresp.

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