Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1880)
- Date
- 1880-02-17
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
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107 Rothschild. — In diesen Tagen verlor der ehrwürdige Cr 6-! unterlassen sollen, bei dieser Gelegenheit auch hervorzuheben, worin er Jude sei und bleibe; auch lassen wir ihm den Ausdruck „Theokratie", den er Wohl mit Hierarchie verwechselt, Jassiren. Wenn er hingegen die Juden', welche noch die einmal überlieferten Gebete um Rückkehr nach Palästina hersagen, den „friedlichen, thätigen und patriotischen Bürgern", als welche er die „Neujuden" bezeichnet, gegenüberstellt: so müssen wir dagegen Verwahrung einlegen. Der Mann kann es wissen, daß jene Gebete von der ungeheuren Mehrzahl der selbst strenggläubigen Juden nicht mit dem Wunsche hergesagt werden, daß sie in Erfüllung gehen, und daß jene, wenn sie zur Rückkehr nach Palästina aufgefordert würden, dieser Aufforderung nicht folgen, sondern ihrem Vaterlande treu anhängen würden. Daß orthodoxe Juden „friedliche, thätige und patriotische Bürget ebenso gut wie die „Neujuden" sind, wird Niemand widerstreiten, der sie näher kennt. Solches Buhlen um die Gunst der Freidenker oder selbst nur der Liberalen ist des Juden, welcher religiöser Richtung er auch sei, völlig unwürdig, am meisten, wenn es auf Kosten der „Väter" und der noch so großen Zahl der den rituellen Satzungen streng anhängenden Juden geschieht. Marokko. Madrid, 31. Januar. Der Gibraltar Guardian berichtet mieux seine Gattin durch den Tod; sie hatte das 80. Lebensjahr erreicht. Belgien. Brüssel, 20. Januar. (Privatmitth.) Daß sämmtliche liberale Blätter Belgiens sich mißbillgend über die jüngste Behandlung der Juden in Deutschland ausgesprochen haben, will ich hier nur als Thatsachc constatiren. Sie sehen sie nur als eine Kundgebung des reaktionären Geistes an, der durch das deutsche Volk gehe, dem sie jedoch als einer zeitweisen Stimmung keine Dauerhaftigkeit zuschreiben. Heute will ich vielmehr auf eine andere Erscheinung Hinweisen, welche unter den belgischen Juden neuerdings sich manifestirte, so beschränkt auch die Zahl derer sein mag, welche ihr zugehörig seien. Da dieselbe auch in der Begräbnißfrage schon einmal hervortrat, darf sie nicht ganz übersehen werden. Cs war stets ein Ehrenpunkt bei den modernen Juden, nach außen hin hinsichtlich ihrer politischen und socialen Stellung keine Unterscheidung von ihren orthodoxen Glaubens- und Stammesgenosien zuzulassen, wie eine solche auch in der Wirklichkeit nicht besteht. Es war immer ein Grundsatz: für die Erfüllung der bürgerlichen und patriotischen Pflichten bildet es keinen Unterschied, ob strenggläubiger oder freisinniger Jude. Diesen Grundsatz wollen jetzt in Belgien einige jüngere Israeliten verleugnen und dies müflen wir ernstlich zurückweisen. Ein hiesiges Blatt „La Gazette“' hatte; aus Fez über heftige, zwischen Mauren und Juden dort vor- Schilderungen des Judenviertels in Amsterdam gebracht, in! gekommene Streitigkeiten. Die Mauren griffen die Juden an denen gelegentlich der Speisegesetze in ganz verkehrter Weise! und tödteten und verwundeten mehrere derselben. Ein 7Ojähriger gedacht wurde. Unter der Ueberschrift „Die Neujuden" und ( Greis wurde von der maurischen Bevölkerung angeblich mit mit der Unterschrift „Ein Neujude" veröffentlicht daffelbe j Petroleum überschüttet und lebendig verbrannt. Unter den Ver- Blatt vom ' 3. Januar ein Schreiben, in welchem die jüdischen | wundeten befinden sich mehrere ftanzösische Unterthanen. Speisegesetze kurz dargestellt werden. Es kommt nun nicht auf ---- das Urtheil des Briefstellers an, der diese Vorschriften aus! Bonn, 18. Januar. (Notizen.) Zu Plau in einem früheren Stande der hygienischen Wiffenschaft hervor- Mecklenburg feierte Herr Nathan Elkan und seine Ehefrau gegangen, ansieht, als vielmehr auf die Sätze, mit denen er am 5. d. nach einer 6<'jährigen glücklichen Ehe ihre diamantene schließt. Er sagt: „Jenen Juden von Amsterdam kann man Hochzeit. Mitglieder der jüdischen Gemeinde überreichten dem eine andere, wohl zahlreichere Kategorie aufgeklärter Juden Jubelpaare als Zeichen ihrer Verehrung die Tor^Philippgegenüberstellen, welche, dem Impuls der modernen Civilisason'sche Prachtbibel Hallberger), ein um so angemesseneres tion folgend, enthusiastische Bewunderer der neuen und großen Geschenk, als das Ehepaar stets ein Vorbild echter Frömmig- Jdeen sind. Wenn ihre Väter den Himmel anflehten, ihnen keit gewesen. — Man theilt uns aus Arnswalde vom d. ihr verlorenes Vaterland wiederzugeben, so haben sie vor der Folgendes mit, das wir gern wicdergeben, als einen Beweis, Theokratie einen Abscheu, die nur blutige Kriege gebiert und daß die wahre Menschenliebe in edlen Herzen nicht erloschen den Gedanken und der Wiffenschaft nur Schranken setzt. Sie ist. Ein armer russisch polnischer Jude übernachtete in einem haben die Qualen vergeffen, die sie nach Europa inmitten der Torfe bei Noerenberg. Bei Gelegenheit einiger kleinen Ein- Völkerschaften, die zu Nationen geworden sind, geworfen haben, kaufe, die er bei dem Wirthe machte, gewahrte ein Strolch, und gehen erhobenen Hauptes mit den Männern der Zukunft, daß der Mann im Besitze von ca. 5 Mark sich befinde, er Diese Neujuden begehren nur das Gedeihen und das Glück verfolgte ihn und überfiel denselben in der Nähe von Linichen. des neuen Vaterlandes, das einzige, welches sie kennen, deffen Tort fanden Leute des Amtsvorstehers Herrn v. Mellenthin friedliche, thätige und patriotische Bürger sie sind." — Wir den armem Mann mit zerbrochenem Arme und aus vielen wollen hier davon absehen, daß der „Neujude" doch nicht hätte tiefen Kopfwunden blutend vor. Herr v. Mellenthin ließ den