Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1880)
- Date
- 1880-02-17
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227293--37829-3307007- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 schwer Verwundeten in sein Haus bringen und den Verbrecher verfolgen, der denn auch hier in Arnswalde eingeholt und dem Gefängnisse überliefert worden ist. Der Kranke ist nun soweit hergestellt, daß er gestern seine Heimreise über Arnswalde, Kreuz u. s. w. antreten konnte. Derselbe theilte nun dem Einsender dieses mit, daß er in seiner längere Zei währenden Krankheit nicht allein von der Gutsherrschaft auf's Sorgfältigste verpflegt worden, sondern auch seine zahlreiche Familie in Rußland durch namhafte Geldsendungen seitens des Herrn v Mellenthin unterstützt worden ist. Ferner wurde er bei seiner Abreise mit einem vollständigen neuen Winteranzuge und reichlichem Reisegeld versehen. Würde diese edle That vielleicht an anderen Orten weniger auffallen, so verdient sie doch in Pommern, wo die Unduldsamkeit gegen Juden ihre Heimstätte hat, rühmend hervorgehoben zu werden. — euiffeton. Correspondenz. Memel, Ende Januar. Auch eine Kleinigkeit in Suchen Treitschke et Compe. „Ueber unsere Ostgrenzen dringt Jahr für Jahr aus der unerschöpflichen polnischen Wiege eine Schaar strebsamer „hosenverkausender Jünglinge" herein, deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen j durch mein Arbeitszimmer. Ihr bis zu den Knöcheln reichender, sollen." Niemand weiß, niemand ahnt, daß diesen Worten des | den Körper fest umschließender Rock ist meist noch in ziemlich Pamphletisten sehr reale Thatsachen und Anschauungen zu! gutem Zustande, ebenso ihre hoben, wuchtigen, derben Stiefel; Grunde liegen. Herr v. Treitschke hat im Sommer vorigen; und gewiß, sie haben auch Hosen, aber — fragt mich nur mit Herrn Treitschke sich mesien. Er hat seit seiner Natura lisation in seinen Kindern und Enkeln dem Staate schon über ein halbes Dutzend tüchtiger Soldaten aller Waffengattungen, besonders aber wackre Reiter gestellt. Vor Allem aber muß gegen den Ausdruck „Hosenverkaufende" Jünglinge entschieden Protest eingelegt werden. Dieses exitketon ornans ist grundfalsch. Ich muß das bester wisten wie Herr v. Treitschke, denn ein Ziemlich erhebliches Bruchtheil dieser auswandernden Jünglinge nimmt ihren Weg Jahres, ob im Aufträge, ob aus eigenem Antriebe, weiß ich nicht anzugeben, unsere Ostgrenze besucht und kam auch von Königsberg nach dem Seebade Cranz, von da per Dampsbot auf dem Kurische-Haff längs der Nehrung nach unserem Kurorte Schwarzort und dann nach Memel. Hier hatte er dann Gelegenheit das Leben und Treiben unserer russischen Glaubensgenosten von Grund aus kennen zu lernen; ihr Kommen und Gehen, ihr Handeln und Wandeln theils selbst zu beobachten, theils sich darüber berichten zu lasten. Da mag ihm denn auch mancher Trödelkram, manch „abgetragener" Kleiderhändlerwie es deren hier recht viele giebt, in die Augen gefallen sein, denn selbst in den Kellerläden unserer hocheleganten Markstraße haben sich deren einige eingenistet. Ist das nun auch Alles wahr und richtig, so soll dann doch sofort klar werden, wie selbst das scharfe Auge des guasi Historikers sich irren nicht wie! Wahrhafte Jncxpressibles. Und das sollen die hosenverkaufenden Jünglinge sein, die selbst kaum welche haben? Diese, meist direct aus dem Beth-Hamidrasch kommenden Jünglinge wollen von mir eine Empfehlung zur Reise, gleichzeitig aber kann ich auf die Bitte gefaßt sein: „Ach, schenken Sie mir ein Paar Hosen, ich kann Euch gar nicht zeigen, wie schlecht ich geh'." Und wohin geht der Zug dieser Jünglinge' Manche wandern nach Deutschland; aber ganz sicher eben so viele nach jedem andern Lande, wie Schweden, England, Frankreich, Amerika und. Dank Gott und guten Menschen, sie gelangen allesammt an das Ziel ihrer Reise und bald auch zu der Befähigung, sich ehrlich und ehrbar ernähren zu können. Ihr nächstes Bestreben aber bleibt jederzeit, zu einem Paar Hosen zu gelangen; manches gute Paar ist mir in den letzten Jahren von hier und auswärts zugegangen, womit ich meine Sanskann. Die Hosenverkäufer unserer Marktstraße — denn weiter! culotten beschenken konnte. Ich hätte große Lust, dem Herrn wird Herr v. Treitschke sich nicht verirrt haben — sind keine j Professor v Treitschke einmal einige solcher Jünglinge zuzu- Jünglinge. Unser Fenchel, der dort seinen Trödelkram aufgej weisen, damit er sich durch den Augenschein überführen könnte, schlagen, hat bereits seine „Diamant-Hochzeit" gefeiert, ist also wie ungerechtfertigt die Bezeichnung „hosenverkaufend" gewesen, ganz gewiß kein Jüngling mehr. Zur goldenen Hochzeit erhielt j Er würde vielleicht auch finden, daß tüchtige Menschen darunter der Jubilar von Seiner Majestät dem Kaiser eine hebräische > sind, die ihr Hebräisch schriftlich zu handhaben verstehen, so Bibel (Philippson'sche Ausgabe) mit den Bildnisten der Ma-! gut wie der Profestor sein Latein. Vielleicht fühlt der Herr jestäten, und zur diamantnen Hochzeit ein ansehnliches Geldgeschenk, vermuthlich wegen seiner Verdienste um das Vaterland. Der Mann kann in seinen Verdiensten um das Vaterland selbst - Professor „ein menschlich Rühren" und er selbst schenkt einem solchen Jüngling ein Paar abgelegte Hosen. Dr. Rülf.