Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1880)
- Date
- 1880-02-17
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 den Berichten wissen: ist eine Gegenbemerkung nicht gemacht worden, und so können wir sie Wohl auch unsrerseits sparen. (Erfolgte später, s. nächste Nr. Red.) —. Der bekannte Obercantor der hiesigen jüdischen Gemeinde, A. I. Lichtenstein, welcher als solcher fast vier Decennien im Amte war, ist Dienstag nach längerem Krankenlager verschieden. Seit Jahresfrist hatte derselbe das Augenlicht fast ganz verloren, so' daß der 75jährige Greis geführt werden mußte. Er ließ es sich aber bis an seinen Tod nicht nehmen, an hohen Feiertagen wenigstens einen Theil der Liturgie noch selbst zu verrichten, was ihm auch ein noch immer kraftvolles und wohlklingendes Organ ermöglichte. — Im hiesigen Wilhelmstheater wird jetzt das Stück „Einer von unsren Leuten" von Berg, worin ein edler Jude die Hauptrolle spielt, mit großem Erfolg gegeben. — Aus Mecklenburg, im Februar. (Privatmitth.) Würden in der gegenwärtigen Wühlerei gegen die Juden lediglich Vorurtheil und, wenn auch falsches, patriotisches Jnteresie die beklagenswerthe Bewegung Hervorrufen und fortsetzen, so könnte man darauf vertrauen, daß Einsicht und Gerechtigkeit die Wolken bald zerstreuen werden. Dem ist aber leider nicht so. Eigennutz und Speculation haben sich der Sache bemächtigt, zahlreiche Broschüren niedrigster Art hervorgebracht und suchen sie massenhaft zu verbreiten. Bor uns liegt z. B. ein Circulär der Buchhandlung Otto Hentze in Berlin „im Januar 1860", worin nach dem Auftreten Treitschke's, Dühring's u. A. die Hoffnung ausgesprochen wird, „daß in nicht ferner Zeit sich die legislativen Körperschaften mit derselben beschäftigen werden." Diese Buchhandlung hat eine große Anzahl antijüdischer Broschüren herausgegeben, und da heißt es denn weiter in dem Circular: ,Hm Großen und Ganzen ist unser Volk, behufs Orientirung in der ,Zudenfrage" auf die Broschürenliteratur anspeculirt auf die Juden, d. h. auf den im Volke geweckten und geschürten Judenhaß. Crefeld, 1. Februar. (Privatmitth.) Wie wir schon erwähnt, brachte die „Crefelder Zeitg." in ihrer Nummer vom 26. Januar einen Artikel „Christliche Stimmen über die neueste Ludensrage^", welcher der Auftnerksamkeit würdig ist. Er beginnt folgendermaßen: „Unsere, religiös, wirthschaftlich und politisch so erregte Zeit hat eine, fteilich mit der reactionären Strömung zusammenhängende Erscheinung zu Tage gefördert, die für das 19. Jahrhundert wahrhaft beschämend ist. Aufteizender Haß wird geschürt, Anklagen über Anklagen werden gehäuft gegen einen kleinen Bruchtheil unserer deutschen Bevölkerung, dem in Wahrheit nur das einzige Verbrechen nachgewiesen werden kann, daß er nicht zur herrschenden Religion gehört. Was im letzten Jahrzehnt wirklich oder scheinbar gesündigt wurde, soll zumeist den Juden zur Last fallen. Wie in der sinstern Zeit des Glaubensfanatismus gebt diese Schürung leider vielfach von den Predigern des Evangeliums der Liebe, oder von den Eiferern der alleinseligmachenden Kirche aus, deren sich dann eine ganze Legion von Herzensverirrungen, wie Brodneid, Ehrgeiz, socialistische Gelüste, Hetzsucht, blinde Glaubenswuth bemächtigt und in Verbindung mit der crassen Unwissenheit oder dem gedankenlosen Philisterthum sie in ihrer Weise verwerthet. Daß die ultramontane Presie eine solch' günstige Gelegenheit, ihren ganzen Geifer auf die so verhaßten „Semiten" auszuschütten, sich hätte entgehen lasten sollen, wäre ein Wunder gewesen. Sie hat denn auch ihr Redliches darin geleistet. Citate und Belege hierfür anzuführen ist nicht nöthig, haben doch auch die hier und in der Umgegend erscheinenden Blätter und Blättchen dieser Sorte an der frischfröhlichen Hetze Theil genommen in einer Weise, wie sie eben nur diesen Organen! eigen ist. Doch, zur Ehre unserer Stadt sei es gesagt, ist hier gewiesen, da rein antijüdische Tageszeitungen noch nicht existiren. jfür eine solche Aussaat kein ergiebiger Boden und unser ultra- Jch nehme deshalb Veranlastung, Sie zu bitten, die in meinem j montanes Organ wird wohl nicht einmal mit seinen Auf- Verlage erschienenen antijüdischen Broschüren, deren große Ab-1 reizungen Wiederhall finden in den Herzen seiner Gesinnungssatzfähigkeit allgemein bekannt ist, nicht auf Lager fehlen! genosten." zu lasten. Viele Handlungen beziehen noch jetzt regelmäßig! Der Art. hält es daher für angemeffen, absehend von Parthien derselben. Bringen Sie der Sache auch nur das! der Tagespreise, „nur einige von den zahlreichen christlichen geringste Interesse entgegen, so werden Sie mich zu Dank ver-! Stimmen, die sich zur Ehrenrettung der Angegriffenen erhoben", pflichten und wird dasselbe auch geschäftlich vom schönsten Er-! wiederzugeben. Er führt deshalb die Aussprüche des Pastor folg begleitet fein." j Dr. Späth an, deren auch wir schon ftüher Erwähnung ge- Nach Empfehlung ihrer Pamphlete und des Statuts der than, des Predigers Scholl in Mannheim in einem Dortrage Antisemitenliga für 50 Pfennig schließt sie mit den Worten: > „über die Mission des Judenthums in der Weltgeschichte", „Ich bitte höflichst, Ihr Lager unter Berücksichtigung der,ferner Gerhard von Amyntor's .Major von Gerhard) Vorräthe schnellstens zu completiren. Durch Baarbeste llung j dessen Schrift „Auf der Bresche", die auch unseren Lesern einer Parthie riskiren Sie nichts und sichern Sich i bekannt ist. Die darauf folgenden Citate von Otto von Leirner die erhöhten Vortheile. Ihre Bemühungen werde ich durch und Ehler wollen wier hier wiedergeben, ausgedehnte Insertion unterstützen." —! „O tto v. Leixner, einer der begabtesten deutschen Schrift- Man sieht, nicht die Juden speculiren, sondern man steller der Gegenwart, veröffentlicht in der Wochenschrift für