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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-17 · Heft 7 (17.2.1880) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 7 (17.2.1880)
Date
1880-02-17
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 In gleicher Weise fühlt er sich unter dem jetzigen Cultuslehrers leichter sein wird, als einem „bedeutenden Gelehrten", Ministerium berufen, gegen die Simultanschule zu raisonniren wenigstens vom Schlage des Herrn v. Treitschke, der freilich (S. 26). Wir wollen hier über dieses Capitel nicht reden, sehr gut versteht, wie man Geschichte zurecht macht und nur den Grund, den er anführt, mögen wir ein wenig be-seinen Eiertanz aufführt. — Daß Treitschke so viele Gegner leuchten. Er sagt: „Ein guter Elementarunterricht muß in gefunden, erklärt er aus , einer übertriebenen Empfindlichkeit allen Fächern von dem gleichen Geiste durchdrungen sein. Weltgeschichte zu lehren vor Kindern, und dabei weder den ■ Protestanten, noch den Katholiken, noch den Juden Anstoß zu j geben — das ist ein Eiertanz, der selbst einem bedeutenden Gelehrten kaum gelingen kann, geschweige denn der bescheidenen Bildung eines Elementarlehrers." Daraus folgt, daß die Weltgeschichte den Protestanten protestantisch, den Katholiken katholisch und den Juden jüdisch vorgetragen werden müßte.! Ebenso würde die Weltgeschichte den Deutschen nationaldeutsch, den Franzosen französisch, den Engländern englisch u. s. w.' zurechtgemacht werden. Bei dieser Zubereitung würde aber nicht die Weltgeschichte zur Jugend sprechen, sondern nur eine protestantische, katholische und jüdische, eine deutsche, französische und englische Geschichtsmacherei, eine willkürliche Entstellung der Geschichte, die auf die Gemüther der Jugend in schädlichster Weise wirken müßte. Wir glauben, daß die Weltgeschichte niemals von confessionellem oder ausschließlich nationalem Standpunkt Vorgelragen werden darf, sonst Ware es vorzuziehen, sie gar nicht zu lehren. Wir meinen nun, daß dies „der bescheidenen Bildung" eines tüchtigen Elementardie Juden errege." Es ist dies durchaus falsch. Der Vorstand zu Linz ist nicht wegen des von Treitschke angegebenen Grundes vorstellig geworden, sondern wegen des im Schuster'schen Lehrbuche für katholische Volksschulen S. 7 enthaltenen Satzes : ,^lain, der Brudermörder, war das Vorbild der über die Erde zerstreuten Juden", und nicht um Beseitigung des Buches bat er, sondern nur um Beseitigung dieses Satzes aus den zukünftigen Auflagen des Buche». Aus diesem Beispiel kann man sehen, wie „wohlbeglaubigt" die Beispiele und Beweise des Herrn v. Treitschke sind. Das Nähere über den Fall kann man S. 39, 54, 391 Jahrg. t879 Nachlesen. auch der besten Juden". Mit dieser Phrase zeigt Treitschke nur, daß er keine „Empfindung" hat. Seitdem haben sich viele ehrenwerthe Christen gegen ihn nicht minder scharf erklärt, denen er doch keine übertriebene „Empfindlichkeit" für die Juden zuschreiben kann. Uebrigens braucht Treitschke deshalb seiner Person keine besondere Bedeutung zuzuschreiben. Es war nur der Moment, der ihm diese Wichtigkeit verlieb. Er war der erste Mann von Ruf, der in solcher Weise sich äußert. Mit den Marr, Stöcker, Glagau ff. wollte und konnte man sich nicht herumstreiten. Er beklagt die Emancipanon der Juden, weil dadurch die Uebertrilte zunr Christenthum immer seltener würden. Sie allein bewirkt dies gewiß nicht, sondern weil im letzten halben Jahrhundert die religiöse Ueberzeugung in den Juden sich wieder fester gestaltet hat. Daß die Tagespreffe unter der Herrschaft der Juden stehe, kann er nicht mehr behaupten, da ihm die kleine Zahl jüdischer Redacteure vorgerechnet worden. Aber ein Treitschke weiß sich zu helfen. Unter den Correspondenten, meint er, ist eine unverhältnißmäßige Zahl von Juden, und die Redactionen sind nicht Herren ihrer Correspondenten! Nun gehe Einer hin und zähle die christlichen und die jüdischen Correspondenten! Auch die Inserate sollen es machen. Herr Treitschke weiß! wenig von der Geschäftswelt. Wer etwas zu inseriren hat, sucht sich die Blätter aus, die am weitesten verbreitet sind. Ties ist Alles pure Sophisterei. Doch genug damit. Ueberj lasten wir Herrn v Treitschke nunmehr sich selbst. Was er mit seiner „tapsern" That für seinen Ruf gethan, wird ihm j auch schon einmal klar werden. o&ei/tuu^j 6uoccßu/cßteu Deutschland. Berlin, 6. Februar. (Privatmitth.) In der gestrigen; Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welcher der Cultusetat; zur Verhandlung stand, ergriff auch der Abg. Stöcker das Wort, und man konnte daher einen Angriff auf die Juden vor-; hersehen. Er richtete diesen gegen die 'Abgeordneten Löwe und Straßmann. Er sagte: „Der Abg. Löwe (Berlin) habe in. einer Versammlung gesagt, unter der jetzigen reactionären < Richtung würde in den Schulen zur Heuchelei und zur Unsitt- , lichkeit herangezogen. Herr Löwe ist freilich Israelit, aber die ihn gewählt haben, sind Christen, die mit uns auf gleichem Boden stehen. Herr Straßmann habe in einer anderen Versammlung gesagt, es rege sich gewaltig die kirchliche Reaction, überall drängten sich die Leute hervor, die als wahre Ketzerrichter erscheinen, und mit Feuer und Schwert jeden Andersgläubigen vernichten möchten; solchen Erscheinungen müßte man wie giftigen Miasmen begegnen (Heiterkeit rechts: sehr wahr! links.) Und diesen Mann hätten Christen in dieses Haus gewählt. Redner wolle nicht, wie Löwe, der bei der Debatte über den schlesischen Nothstand die Judenfrage heranzog, hier den jüdischen Nothstand heranziehen, aber so weit sei man denn doch im christlichen Staate noch nicht gekommen, dies von Israeliten über sich ergehen zu lassen, ohne darauf zu erwidern. Beifall rechts; Zischen links.» -- Soviel wir aus

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