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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-17 · Heft 7 (17.2.1880) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 7 (17.2.1880)
Date
1880-02-17
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 wo die barbarische Rohheit der Racen-Ab- und Aussonderung wieder beginnt: dann sehen wir auch Sie uns verlassen und mit „Brüdern Ihrigen", die jetzt noch bei uns mit Mausefallen handeln. Arm in Arm nach dem Süden ziehen, um dort dann das Slovakenthum ebenso zu säubern, wie Sie jetzt das Deutschthum säubern wollen. Der deutschen Wissenschaft würde aus diesem Wandel kein Nachthcil erwachsen." — Erwähnen wollen wir hier nur eines Flugblattes, das uns aus New-Pork vom 1. Januar zugekommen ist: „Offenes Sendschreiben an den Hofprediger 0r. Stöcker in Berlin von Sprache des echten Reactionärs der letzten Monate! Welche waren denn jene „unheimische, abstracte Ideen, jene undeutsche Ideale"? Das deutsche Reich mit Reichsparlament, schon damals nach der Mehrzahl unter Preußens Führung, die Verfaffung, gesetzlich geordnete Preßfteiheit, Vereins- und Persammlungsrecht, Gewerbefreiheit, Freizügigkeit, Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetze ohne Berücksichtigung der Confession. Daß dies die Ideale der vierziger Jahre waren, kann doch selbst Treitschke nicht bestreiten und erweist das Jahr 1848. Nun, die Verwirklichung dieser Ideale war bis vor Kurzem die unermüdliche Arbeit der besten Emanuel Herzberg 31. D. in New-Dork Dasselbe ist mit einer deutschen Männer und wer an der Spitze derselben stand, wir solchen amerikanischen Derbheit geschrieben, daß es für die brauchen sie nicht zu nennen. Jetzt sollen dies lauter undeutsche. continentale Preffe Europas ein „noli me tangere“ ist. — Indem wir diesen Artikel schließen, kommt uns eine neue Streitschrift zu: „Ein Bekenntniß in der Judenfrage. Von 3)r. Hermann Cohen, ord. Professor der Philosophie an der Universität zu Marburg." Wir werden sie in nächster Nummer besprechen. aus der Fremde geholte abstracte Ideale sein. Will Treilschk'.' den Bundestag, den Absolutismus, die Censur, die Zunft, die provinzielle Abschließung und die Rechtsungleichheit nach Con fessionen oder Religionen wieder? Seinen Worten nach muß man es glauben. Vielleicht ist er auch bereit, den Syllabus zu unterschreiben, wenn die Strömung oder „das Volks gewissen" Treitschke's einmal dahin geht. Wie nahe dem Treitschke ist, ersieht man aus seiner Behauptuug (S. 19): „Die Theilnahme an der Leitung des Staates ist keineswegs ein natürliches Recht aller Einwohner, sondern jeder Staat entscheidet darüber nach seinem fteien Ermessen." Was heißt das „Leitung des Staates"? Doch wohl die verfassungmäßigc Theilnahme an der Gesetzgebung durch actives und passives Wahlrecht und die Uebernahme von Aemtern nach den gesetzlich bestimmten Qualificatiansbedingungen. Ist dies richtig, so ist die Behauptung des Herrn v. Treitschke durchaus falsch; dann ist diese Theilnahme allerdings ein natürliches Recht aller Staatsangehörigen, insoweit und so lange dieser ein Rechtsstaat sein will; sie ist die natürliche Folge des Grundsatzes: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte! Uebrigens ist diese Gleichberechtigung auch bereits ein historisches Recht geworden: sie ist nach langem Ringen ein Grundrecht der Verfassung geworden, und nur wenn Treitschke es als ein Recht des „Staates" ansieht, die Verfassung auf den Kopf zu stellen, könnte es geschehen, diese Gleichberechtigung wieder zu beseitigen. Das wäre aber kein „natürliches Recht", sondern ein Gewaltstreich. Diesem so überaus weisen und berechtigten Aussprüche fügt Treitschke die völlige Entstellung einer Thatsache hinzu, unser Leben, eine sklavische Verehrung ftemden Wesens ward! über die wohl noch besonders mit ihm gesprochen wird')- im Namen der Freiheit gepredigt; «nd nach bis zum heutigen! e. .. «« den „,tz°»mmh" de. Juden, Tage arbeiten unsre besten geistigen Kräfte daran, die Natron! der „zuweilen schon geradezu versucht, die christliche Mehrheit in der von den undeutschen Idealen jener unfruchtbaren Epoche zu Freiheit ihres Glaubens zu beeinträchtigen." Er erzählt daraus „ r . t r. ’ v P , r -. * i als «« „wohlbeglaubigtes Benprel": „In Lmz am Rhein beliebt befteren und sie zu sich selber zuruckzuführen." Dies ist die! eine katholische Volksschule, die auch von einigen jüdischen Kindern _ I besucht wird. Bei dem Religionsunterrichte, woran die Juden selbst- I verständlich nicht theilnehmen, benutzt der Lehrer ein Lehrbuch der 1) Der Herr Professor nennt jene Epoche „unfruchtbar", undj biblischen Geschichte, das, dem Neuen Testament gemäß, erzählt, doch gehören alle Meister, die noch in die jetzige Epoche hinein' wie Christus von den Juden unschuldig gekreuzigt wurde. Alsbald ragen, jener Zeit an; wir wollen aus dem Felde des Herrn v. beschwert sich der Synagogenvorstand bei der Regierung und verlangt Treitschke nur nennen: Ranke, Droysen, Gervinus, Häusser, Svbel!'Beseitigung dieses Lehrbuchs, „weil es Haß und Perachtung gegen Wi-rr Herrn von Treitschke. ili. Treitschke hat im ersten Heft der „Preußischen Jahrbücher 1880 einen dritten Attikel geschrieben und dann alle drei in eine Broschüre vereinigt: „Ein Wott über unser Judenthum" (Berlin, Reimer, 1880). Es ist nicht unsre Absicht, diesen Schlußartikel einer ausführlichen Kritik zu unterziehen, da die Polemik gegen den Verfasser schon genügend ihre Pflicht gethan. Wir wollen nur einige unerläßliche Bemerkungen geben. In diesem dritten Artikel giebt Treitschke mehr eine Entschuldigung seiner selbst, als eine fernere Begründung seiner Anklagen. Da er nicht wenige derselben, als thatsächlich widerlegt, nicht mehr auftecht erhalten kann, hüllt er sich desto mehr in klingende Phrase, entpuppt jedoch hierbei sein eigenes Wesen um so mehr. Wir wollen nur einige Punkte hervorheben, an denen sich Treitschke so recht als den Mann der augenblicklichen Strömung erweist. Er spricht von den dreißiger und vierziger Jahren und sagt: „Unheimische, radikale, abstracte Ideen drangen damals in

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