Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1880)
- Date
- 1880-02-17
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Dachkammer zu kommen, damit er ihm die Zeche begleiche, da! die zum Schutze unsrer so hart bedrängten Glaubensgenossen er abzureisen gesonnen sei; der Ahnungslose beeilte sich, diesem! ertönt, nicht umsonst Verhallen zu lasten. Verlangen nachzukommen, innerlich erfreut, diesen unheimlichen j David Weintraub. Gast so bald los zu werden. Kaum fing er aber an, die! Stiege zur Dachkammer emporzusteigen, als der Grieche die j Thür derselben öffnete, einen Revolver aus der Tasche zog j und auf den armen Weintraub einen tödtlichen Schuß in die Djx Streitschriften. Brust abfeuerte.! Der so arglos Ueberfallene taumelte zurück, seinen Arm II. mechanisch an die getroffene Stelle drückend, als ihm ein zweiter gutgezielter Schuß auch denselben durchbohrte, und er leblos zu Boden sank, umringt von seiner jammernden Frau Unsere Leser werden es dem ersten Artikel bereits angesehen haben, daß es uns hier weniger darauf ankommt, den Inhalt der Brochüren zu besprechen, die in allen Händen sind. und zwei unmündigen Kindern. Von der durch den Lärm als vielmehr die Aufsätze zu skizziren, welche in Zeitschriften herbeigeeilten Menge und Polizei nach heftiger Gegenwehr! enthalten sind, die gegenwärtig und zukünftig aufgesucht werden überwältigt, wurde der Elende der Justiz überliefert. Donnerstag den dieses nach sechsmonatlicher Haft vor die hiesigen Assisten zur Aburtheilung vorgeführt, trotz den den Angeklagten belastenden jüdischen und christlichen Zeugenaussagen, so wie dem eigenen chnischen Geständniste destelben, der den Mord nicht im Geringsten ableugnen konnte, versuchte es doch der Vertheidiger destelben, ein bekannter Judenfrester, mästen, um die betreffenden Artikel zu lesen. Deshalb hielten wir uns länger bei dem „Merkur" und „Unsre 3eit" auf. Wir fügen diesen eine seit Neujahr in Königsberg iu Pr. (Braun und Weber) erscheinende Zeitschrift: „Reformblätter. Aus dem Kreise der ostdeutschen freien religiösen Gemeinden" hinzu. Die Nr. 2 derselben beginnt mit einem sehr bemerkenswerten Aufsatz von H. Röckner: „Ein Wühler gegen Anstand in seinem Plaidoper, diesen in milderm Lichte erscheinen zu i und gute Sitte" — dieser Wühler ist Professor Dr. v. lasten und den Geschworenen zu wiederholten Malen an's: Treitschke. Es jjilt dem Verfasser nicht, eine abermalige Herz zu legen, daß der Tod eines Juden keine große Lücke in! Widerlegung Testen zu geben, was Treitschke gegen die Juden der menschlichen G esellschaft zurücklaste, um zu der Verurthei- - vorbringt. Das sei schon zur Genüge von^Anderen geschehen, lung eines armen Christen zu berechtigen. Nach kurzer Bej Vielmehr will er den Mann und seinen Ltyl charakteripren. rathung kehrten die Geschworenen zurück und — o, Gerechtig- ^ett Viann zeichnet er als „einen Revolutionär gegen den keit, verhülle dein Antlitz — das Verdict lautete unschuldig; Zustand", als einen „Don Quixote in parlamentarischen der Mörder wurde in Freiheit gesetzt, von den Geschworenen | Kämpfen". Er sagt: „Man könnte eher eine Molluske nach unter Händedrücken und Umarmungen ob seiner heroischen i preußischen Exercierreglement ausbilden, als aus seinem That im Triumphe aus dem Gerichtssaale geführt, und manchem j Gedankenragout irgend einen festgegliederten Satz heraussischen. christlich-rumänischen Bürger entschlüpfte die sarkastische Bemerkung, daß, mit Hülfe von ein paar hundert solcher ehrenwerthen Patrioten, die so leidige von Europa aufgeworfene Judenfrage bald aus Rumänien geschafft wäre, — sogar eine Collecte wurde für ihn unter den Honoratioren der Stadt veranstaltet. Ich unterlaste es. Ihnen, Herr Redacteur, den panischen Schrecken, unter dem die jüdische Bevölkerung seit der Zeit sowohl hier in der Stadt als auf dem Lande lebt, zu schildern, wenn man berücksichtigt, daß der größte Theil der Geschworenen aus Dorfbürgermeistern und Gutsbesitzern bestand, die, an ihren Herd zurückkehrend, es gewiß nicht Unterlasten haben, ihren Mitbürgern mitzutheilen, es gäbe keine Strafe für den Judenmord in Rumänien. Im Namen einer mit Füßen getretenen Gerechtigkeit, im Namen einer armen Wittwe und zwei unmündiger Kinder, die der sich anfasten läßt. Das aber ist die Signatur seines traurigen Auftretens in dieser Rolle, daß er in so beispiellos nachlässiger Toilette für Vernachlässigung der guten Sitte Propaganda macht. Herr v. Treitschke hat seit 1866 das Geschäft betrieben, zu den staatsmännischen Erfolgen des Fürsten Bismarck nachträglich die Vorreden zu schreiben, d. h. wenn etwas fix und fertig war, dann erschien jedesmal dieser Historiker und bewies Euch, daß es s o ganz richtig wäre und nur so und gar nicht anders kommen konnte. Vorher hat er uns nie gesagt, daß es so kommen würde und so kommen müßte; er hat also mit bewundernswerther Selbstverleugnung seinen großartigen „historischen Sinn" gerade in den Momenten verborgen gehalten, wo er ihm ohne Widerspruch den Ruhm eines wahrhaften Sehers und Propheten hätte eintragen müssen. Da er nun immer nur an bereits vollendeten Thatsachen zu beweisen gehabt, daß sie so kommen mußten: so hat sich bei ihm offenbar die Vorstellung von der Unfehlbarkeit seiner ihren Ernährer in der Blüthe seiner Jugend durch Meuchel- Beweise s o sehr befestigt, daß er jetzt schon des allergewöhn - mord ungesühnt fallen gesehen, flehe ich Sie an, meine Stimme,! lichsten Materials zu denselben, der strengen, logischen Schluß-