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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-29 · Heft 117 (29.9.1838) · p. Seite 472

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 117 (29.9.1838)
Date
1838-09-29
Page
Seite 472 (sequence 2)
Language
German
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472 standen nicht vorgelegt worden. Daß sie Übergriff, und uns feindselig behandelte, da sie sonst günstig gegen uns gestimmt war, lag ganz in dem Charakter der Opposition, der es nicht um die Sache, sondern nur um die Parthei stets zu thun ist. Odessa, 26. Aug. (Privatmitth.). Es wird Ihnen wol aus meinen Mittheilungen erinnerlich sein, daß der hiesige Stadtarzt zu Ende des vergangenen Jahres wegen einer Ungerechtigkeit, die er sich gegen einen jüdischen Handwerker zu Schulden kommen ließ, seines Amtes entsetzt wurde. Aber noch empfindlicher für ihn hat jetzt unser General - Gouverneur das Recht der Wiedervergeltung geübt. Denn seine Stelle ist nunmehr einem jungen Israeliten übertragen, der, ein Zögling unsrer Schule, vor Kurzem die Universität verlassen. Vis jetzt ist es noch immer ein seltenes Beispiel, daß einer unsrer Glaubensgenossen dieses allerdings bedeutende Amt bekleidet. Doch liegt dies mehr an den Bewerbern, die sich so selten einstellen, als an dem Willen der Regierung; und glauben Sie ja nicht etwa, daß bei der Installation, von der ich Ihnen gegenwärtig berichte, ein Ausnahmsfall entschieden. Denn alle lobenswerthen Eigenschaften des jungen Mannes in Ehren, so zeichnet sich doch dieser in der Wissenschaft nicht im Geringsten vor sehr vielen seiner Collegen aus, und er besitzt nicht weniger, aber auch nichts mehr als die unbedingt erforderlichen Kenntnisse eines Arztes, weshalb an eine besonders rühmliche Ausnahme hier gar nicht zu denken ist. 6. Lpn. Elötze in der Altmark, 15. Sept. (Privatmitth.). So klein auch die hiesige Gemeinde ist, so zeichnet sie sich doch vor vielen andern durch Strebsamkeit nach dem Bessern aus. Die wenigen Mitglieder leben Ln Frieden und gegenseitiger Achtung. Der Kaufmann, Hr. Salomon Frank, hat aus eigenen Mitteln die von seinem sel. Vater erbaute Synagoge repariren und herrlich ausschmücken lassen; vortrefflich nimmt sich jetzt der kleine Tempel rings von freundlichen Garten umgeben, in seinem Innern mit zierlicher Stukkatur bekleidet, aus. Der würdige Mann findet Ln dieser gottgefälligen Arbeit einen wahren Genuß und erhalt somit auch dies schöne Denkmal seiner Eltern auf ehrenvolleWeise. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr W. Friedmann zeigt besonders regen Sinn für Verbesserung des Kultus. Das Gebet für den König und die Haftara werden von Neujahr an, deutsch vorgelesen, andere Verbesserungen erlauben die Mittel nicht; an einen Plan, mehrere Gemeinden der Altmack zu einer Vereinigung in Betreff jährlicher Consirmationen und Religionsprüfungen von einem dafür zu beauftragenden und zu entschädigenden Geistlichen, zu bewegen, wird gearbeitet und das Nähere darüber berichtet werden. Der Mangel an Concentration Ln den resormirenden Bestrebungen der Gemeinden ist um so fühlbarer, da die allg. Zeit. d. Jud. jetzt einen solchen schriftlichen Vereinigungs- Punkt für das jüdische Interesse darbietet. Auch der Mangel an einer zahlreichen Sammlung guter Predigten für Landgemeinden stellt sich sehr heraus, da trotz der großen Menge gedruckter Predigten wenige für den Zweck geeignet sind, an Sabbaten von den Cantoren der Landgemeinden vorgelesen zu werden, wie dies in christlichen Gemeinden der Fall ist. Eine solche Sammlung müßten wie bemerkt, zahlreich, alle wie aus einem Gusse, die Predigten nicht zu lang, den Verstand und das Gemüth anregend, nicht in schwülstiger und hochtrabender Rede sein. Die Kosten ließen sich leicht durch Subscriptionen decken. Leipzig, 5. Sept. (Privatmitth.) Mi;ir Letterks, als Schriftsteller auf dem Gebiete der schönwissenschaftlichen hebräischen Literatur hinlänglich bekannt, ist im Besitz eines seltenen Manuscripts, enthaltend 73 Originalgedichte des berühmten Isaak Luzzatto, Bruder Efraimo Luzzatto's. Diese Gedichte, (von denen nur ein Einziges bisher gedruckt ist, das an Wessely, nnsu) stellt Reggio höher als alle Kunstprodukte aller Luzzatto's, Mose Chajim nicht ausgenommen, welches Urtheil nicht grundlos ist. Diese Gedichtsammlung wird, gemeinsam von MLir Lette ris und Franz Delitzsch herausgegeben, im Drucke erscheinen. Letzterer ist eben mit Herausgabe der aramäischen noch ungedruckten Festgesänge des Chazan Möir den Isaak beschäftigt—gewiß ein werthvoller Beitrag zu der noch gänzlich brachliegenden jüdisch-aramäischen Literatur. Der Catalog der Handschriften der Leipziger Rathsbibliothek von Delitzsch wiro mit werthvollen Beiträgen des Dr. Zunz ausgestattet, welche die scharfsinnigsten Forschungen über noch gänzlich dunkle Partien der jüdischen Literatur enthalten. Ahasver, Gutzkow und Juden. (Fortsetzung und Schluß.) II. Wir haben immer geglaubt, daß die Civilisation, di? Cultuc, Produkt und Eigenthum der allgemeinen Menschheit sei, daß alle großen Erscheinungen in der Menschenwett nur größere oder geringere Träger dieser allgemeinen Bildung seien; eine jede aber von ihr nimmt und ihr giebt. Auf dem großen Gebiete der Menschenwelt hat Alles seine Mission, seine Tendenz, seinen Charakter, und in Mitten seiner Individualität seinen Antheil und seine Einwirkung an dem Allgemeinen. Nur so . hört alle Willkühr, aller Zufall auf; nur so hat Alles seinen Zweck in seinem eigenen Dasein und in dem allgemeinen Leben zugleich; nur so ist das Totale nicht ein aus Einzelnem zusammengewürfeltes Ganze, sondern die Geschichte wird eine göttliche Schöpfung, die sich immer weiter baut, und eine Einheit in sich besitzt. Und dies beweiset die Geschichte auch hinreichend. Keiner einzelnen Erscheinung verdankt die Menschenwelt die Civilifation, die Kultur, sondern allen. Nicht das Christenthum an sich hat die Welt civilist'rt, sondern erst nachdem sich ihm die Produkte der alten Welt an Kunst, Wissenschaft und Leben vermahlt hatten, wurde Europa civilisirt, nur nach-

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