Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 117 (29.9.1838)
- Date
- 1838-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. Mrg-°g. Allgemeine N». iit. Zeitung des Zudcnthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer alierqnädigfter Concefsion.) Leipzig, den 29. September 1838. Zeitungsnachrichten. Leipzigs 15. Sept. (Privatmitth.). Unsere Leser werden sich erinnern, daß in diesen Blättern bereits die Rede davon war, daß der hiesigen jüdischen Gemeinde ein paßlicher Ort zur Erbauung einer Synagoge von der Eommun überwiesen werden sollte. Man hatte dasjenige Areal ausersehen, was der hiesige Pichhof einnimmt und zögerten früher die Stadtverordneten, dasselbe zu diesem Behufs abzutreten, weil sie voraussetzten, daß dieser Platz in Zukunft, wegen der großen Nahe der Zoll-Gebäude und der wahrscheinlichen Ausmündung der Magdeburger Eisenbahn der Commune zu andern Zwecken unentbehrlich werden dürfte. Die Stadtverordneten hatten deshalb früher den Antrag an den Magistrat gestellt, für den oben bemerkten Zweck eine andere Stelle auszusuchen und waren verschiedene andere Plätze, welche ebenfalls paßlich erschienen, dazu vorgeschlagen worden; bei alle denselben hatte es sich aber gefunden, daß deren Abtretung noch viel unthunlicher, oder mit großem Opfern verknüpft sei, als die des Pichhofs. Gestern kam nun die Angelegenheit wiederum in der öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten vor und erklärten sich diese dahin, daß wegen der Heiligkeit des Zweckes und weil sie sich selbst bei der Emancipations - Frage dahin ausgesprochen hatten, daß auf die Ausbildung der Masse zu einer völligen Gleichstellung besonders hingewirkt werden müsse, und endlich weil Leipzig als Handels- und Meßplatz den Israeliten einen Theil seines jetzigen Flors danke, 1) das Areal des Pichhoses, insoweit es zu dem bezweckten Bau eines jüdischen Tempels nothwendig sei, gratis abgetreten werden solle. 2) Sollen die Israeliten die geringen Lasten (Abgaben rc.) davon selbst zu tragen haben, und 3) soll das Areal dann unentgeldlich an die Stadt zurückfallen, wenn es spater der israelitischen Gemeinde belieben sollte, ihre Synagoge an einen andern Ort zu verlegen. Es war bei der ersten Frage der Antrag von einem Mitglieds gestellt worden, daß die Abtretung blos als ein Praecarium anzusehen sein sollte, was aber deshalb Widerspruch fand, weil vorauszusetzen war, daß unter dieser Bedingung die israelitische Gemeinde gar nicht, oder nur mit sehr geringen Kosten auf diesen Ort bauen würde, und eben so ward ein Antrag, der darauf hinging, der Eommun dennoch den Platz für die Zukunft durch das Versprechen zu sichern, die Kirche auf Kosten der Stadt in dem Falle anderwärts zu erbauen, wenn einst der Platz am Pichhofe der Eommun wieder unumgänglich nothwendig werden sollte, ebenfalls abgeworfen. Es ist nicht abzulaugnen, daß die Eommun der Judenschaft ein wirkliches Opfer bringt, weil wegen der Feuer- Ordnung ein Pichhof anderen Orts eingerichtet werden und ein kleines hölzernes Gebäude, welches zum Aufbewahren von Geräthschasten zum Feuerlöschen diente, ebenfalls wieder errichtet werden muß, so daß nach einer vorläufigen Angabe ein Kapital von 1000Thlr. und mehr dazu erforderlich sein dürfte. Da bei Abtretung von Eommun-Areal Einstimmigkeit nöthig ist, so kann allerdings jene Einweisung des Pichhofs bis jetzt nicht als ganz zuverlässig angesehen werden, weil sich blos die große Majorität dafür aussprach, hingegen legt bei solchen Fällen der Magistrat die Sache einer höher» Behörde vor, und es ist deshalb wot nicht in Zweifel zu ziehen, daß diese zu Gunsten der Majorität der Stadtverordneten und im Sinne des Rathes entscheiden werde. Man hofft, daß die hiesige Juden-Gemeinde, hauptsächlich aber die fremden zur Messe hierher kommenden Israeliten in Anerkenntniß der großen Liberalität der Eommun durch reiche Beiträge dahin wirken werden, daß sich an jenem Orte ein schöner, einer so vielfach begabten Stadt wie Leipzig würdiger Tempel erhebe und dort zur Verschönerung derselben und zur Ehre der jüdischen Gemeinde diene. B. Kopenhagen, 8. Sept. (Privatmitth.). Leider muß ich Ihnen melden, daß der Antrag, den Israeliten in Jütland die Wählbarkeit zu ertheilen, auf der Viborger Standeversammlung nicht durchgegangen ist. Da Sie die Verhandlungen geben, so kann am klarsten daraus ersehen werden , daß nur Unvernunft dieses Recht uns verweigern konnte, da selbst unsre Gegner uns das Lob des besten bürgerlichen Verhaltens gaben, und selbst nicht ungern gaben. Indessen bei der höchst billigen Gesinnung, die in Dänemark überall für uns herrscht, und auf die immer mehr Anspruch zu haben, wir uns bestreben, brauchen wir die Hoffnung nicht aufzugeben, daß unsre Wünsche bald in Erfüllung gehen werden. Stockholm, 4. Sept. (Privatmitth.). Wir haben einige unruhige Zeiten verlebt, doch brauchen Sie wirklich nicht zu denken, daß wir im Geringsten in wirkliche Schrecken versetzt waren, da wir wot wußten, daß es gegen uns nur teere Demonstrationen waren. Die Opposition ergriff das neue Gesetz über unsre Stellung als Gelegenheitsursache, und war natürlich in ihrem Rechte, da das Gesetz den Reichs-