Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1880)
- Date
- 1880-02-03
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
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75 In diesen fruchtbaren Kämpfen hat, wie alle Bekenntnisse, I religiösen Idee zu geben, um zu beweisen, daß die Gewalt das belgische Judenthum bestanden und sich entwickelt, hat die j nichts gegen die Ueberzeugung vermag, kurz, um seinen mono- Sicherheit, Gleichheit und Anerkennung gefunden; wie alle theistischen Glauben zu bewahren; und wir, die wir ausgehört Bekenntnisse konnte es in der vollständigen Entfaltung seiner! haben, ein Volk zu sein und Bürger sind, wir danken Gott, dogmatischen Freiheit seinen Anhängern zu gleicher Zeit seine? daß er uns zu einer Zeit und unter Gesetzen wie die großen Glaubenssätze, wie die Treue gegen das gemeinsame unsrigen leben läßt, und aus der Tiefe unserer Herzen bitten Vaterland und dessen Fürsten, lehren, denn die Liebe zu diesen? wir ihn, indem wir auf die Länder sehen, in denen unsere befiehlt ihnen ebenso das religiöse, wie das politische Gesetz.' Glaubensgenossen noch nicht ganz befreit find, Belgien und Also heute, nach einem halben Jahrhundert des Friedens j seine Könige für lange Zeit als Beispiel für die Nationen und und der religiösen Freiheit, blicken wir unwillkürlich auf jene als glänzenden Beweis bestehen zu lassen, daß durch die Ausunglücklichen Zeiten, wo, wie eine angesehene Stimme gesagt,' Übung der liberalen Gesetze, die Fürsten und die Völker die das jüdische Volk Druck, Beleidigungen, Gewaltthaten und Ver- Güter der Erde, wie zugleich den Segen des Himmels Verachtung ertragen mußte, um Zeugniß von der Größe der, dien cn. Jeu illeton. Dos Concrrt in der Synagoge zu Serlin! zuvor einem Mitglieds des Comites geradezu, daß der besondere am 30 Dktkmßer 1870 Zweck sei, öffentlich zu zeigen, wie er diese Agitation verurtheile. Die Wirkung war eine durchschlagende. Der Kaiser Schon vor Jahren fand zum Besten der Armen während und die kaiserliche Familie hatten hiermit kundgegeben, daß fie eines ostprcußischen Nothstandes eine musikalische Aufführung die Vorurtheile gegen die jüdische Bevölkerung nicht theilen, in der großen Synagoge zu Berlin statt, und es kann daher daß sie die Beweggründe der Agitatoren durchschauen und daß kaum als ein besonderes Ereigniß angesehen werden, daß der sie zu keiner Maßregel irgend einer Beschränkung in der wohlgegenwärtige große Nothstand in Oberschlesicn abermals die erworbenen und von der Verfassung garantirten Gleichberechtigung Veranlassung zu einem solchen wohlthätigen Unternehmen gealler Staatsangehörigen ihre Zustimmung jemals geben werden, geben hat. Ist doch dieses Gotteshaus durch die außergewöhn-! Die huldvollen Worte, welche der Kaiser und die Kaiserin an liche Zahl seiner Sitzplätze ganz besonders hierzu geeignet, und die Mitglieder des Comites vor und nach dem Concerte richteten, der stilvolle, stimmungsreiche Eindruck, welchen der architektonisch gaben dem ganzen Vorgänge die Sanction. Und der Zweck schöne Raum übt, erhöht die Wirksamkeit der Musik in nicht ist erreicht worden. Hatten die jahrelangen Wühlereien, die geringem Maße. Daß ein Gotteshaus bei dem wohlthätigen von der ultramontanen und reactionären Presse systematisch Zwecke und bei ernstem, gehaltenen Charakter der aufzuführenden durchgeführt wurden, bei dem Volke keinen Anklang gesunden, Kunstwerke auch nicht im Entferntesten in seiner Würde da- und waren von ihm dadurch beantwortet worden, daß nirgends durch verletzt wird, ist wohl für jedes echt religiöse Gemüch auch nur die geringste Roheit gegen Juden verübt wurde: so zweifellos. Wie gesagt, auch in der diesmaligen Anordnung war jetzt von der höchsten Stelle der Staatsregierung ein cnteiner solchen musikalischen Aufführung wäre nichts Besonderes, schiedcnes Urtheil abgegeben worden. Die Erfolglosigkeit der wenn sie nicht durch eigenthümliche Verhältnisse eine außerge- Judenhetze war hiermit vollständig constatirt. Das Uebrige wöhnliche, wir möchten sagen, eine geschichtliche Bedeutung erwird der Ueberdruß an dem immer wiedergekäueten Stoffe halten hätte Mitten in einer entfesselten und öffentlich in thun, der den Reiz der Neuheit längst verloren hat. Wir Versammlungen und Presse geführten Judenhetze, welche - wissen, daß in dem Herzen jedes aufrichtigen Juden von je nicht zu ihrer Ehre — die ganze Bevölkerung in der Haupt-; die lautere Flamme des Patriotismus brannte: aber dieser stadt des deutschen Reiches aufregte und nachdem soeben ein! jüngste Vorgang konnte die Verehrung und Dankbarkeit, die Universitäts Professor und Reichstagsmitglied sich diesen in blinder! wir gegen den erhabenen Gründer des neuen deutschen Reiches Leidenschaft tobenden Judenfeinden angeschlvssen und in gleich-! und sein erlauchtes Haus empfinden, nur erhöhen. Wir glauben gearteten Zeitschriften Wiederhall gefunden hatte — beschlossen deshalb daß eine nähere Schilderung des Concertes aus einein der Kaiser und die Kaiserin mit ihrem ganzen Hofstaate, be-! Fachblatte „der Klavierlehrer von Prof. Emil Breslauers hier schlossen Prinz Karl und der Kronprinz mit seinen erlauchten noch einen Platz finden müsse. Es heißt dort: Kindern, das Concert in der Synagoge zu besuchen, und Das zum Besten der Nothleidenden in Oberschlesien in der hiermit gegen diese ganze Machination nachdrücklich zudemonstriren.? neuen Synagoge unter Leitung des Professors Joachim ver- Und damit ein Zweifel über diese Bedeutung der kaiserlichen anstaltete Vocal- und Jnstrumental-Concert nahm einen Anwesenheit unmöglich sei, erklärte der Kronprinz ain Tage' glänzenden Verlauf. Das Podium für die Liebig'sche Kapelle,