Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1880)
- Date
- 1880-02-03
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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71 noch nicht einmal verdoppelt; sie stieg von 1,565,170 auf 2,664,341. Die Zahl der Katholiken hat sich in derselben Zeit noch nicht verdreifacht, da sie im Jahre 1*34 sich auf 27,938, im Jahre 1875 aber auf 73,349 belief. Dagegen hat sich die Zahl der Juden nahezu um das Siebenfache vermehrt, nämlich von 850 auf 5360. Bis zur Zählung im Jahre 1867 entsprach die Zunahme der Israeliten in Sachsen soll. Soweit sind diese wandelbaren Phrasendrescher bereits gelangt! Dasielbe Ziel verfolgt ein Artikel in Nr. 1 der Grenzboten, welchem einige Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Wie weit ist fteilich diese Zeitschrift von ihrer Gründung durch Kuranda bis zur Redaction des Herrn Moritz Busch zurückgegangen! Der Art. sagt: „Es ist eine der leersten und gefährlichsten Abstractionen des Liberalismus^ zu wähnen, der der allgemeinen Bevölkerungszunahme. Mit dem Freizügigj nationale Staat könne auf einer staatsbürgerlichen Gesellschaft keitsgesetz änderte sich die Sachlage sofort. Während in > ruhen, deren Träger nichts gemeinsam haben, als das staats- 33 Jahren, von 1834 bis 1867, die israelitische Bevölkerung bürgerliche Recht, wahrend im Centrum des Gemüthslebens sich um 1253 Köpfe vermehrt hatte, wuchs sie in den 4 Jahren! bei einem Jeden eine andere Kraft herrscht. Die Einen von 1867 bis 1871 allein um 1254 und in den 8 Jahren von 1867 bis 1875 um 3257 Köpfe. Diese starke Vermehrung ist aus einer stärkeren Niederlassung erklärlich, wie diese wieder aus der Freizügigkeit, nachdem Sachsen sich viele Jahrhunderte hindurch gegen die Juden abgeschlossen hatte und gravitiren nach Rom, die Andern nach einem localisirten Palästina, die Andern gar nach einem zur Welt erweiterten Palästina, noch andere nach dem Gelde mit dem Wahlspruch: Ubi pecunia, ibi Patria, u. s. w." Die einfachste Logik würde sagen: wenn es wahr ist, daß aufs Aengstlichste besorgt war, daß ihre Zahl nicht zunehme. | in der Masse des Volkes die Gemüther in ihrem kirchlich- BerlM, 20. Januar. Der Kronprinz hat, wie die Abendzeitungen melden, an den Pastor Gruben in Reichenbach in Schlesien, den Verfasier der im Verlage von C. Schilder (Firma Heege und Güntzel) erschienenen Broschüre „Christ und Israelit" folgendes eigenhändiges Schreiben gerichtet: „Sie haben mich durch Ueberreichung Ihrer Schrift „Christ und Israelit" aufrichtig erfreut und zu besonderem Danke verpflichtet. Ich gebe mich gern der Hoffnung hin, daß Ihr Wort mu* des Friedens in weite Kreise dringen und die verdiente Anerkennung finden möge. Berlin, 16. Januar 1880. Friedrich Wilhelm. Kronprinz. religiösen Fond so auseinandergehen, nach so verschiedenen Seiten „gravitiren," so kann der Staat mit dieser verschiedenen Gravitation gar nichts anfangen, er kann sie weder unisiciren noch binden, folglich muß er seine Angehörigen nach dieser Seite hin fteilaffen, und da haben wir erst recht die Gleichberechtigung ohne Berücksichtigung der Confession, also das, was dem Grenzbotenmann „die leere Abstraction des Liberaliszu nennen beliebt! Vielmehr ist es eine leere Abstraction dieses Federhelden, wenn er meint, daß außer dem kirchlichreligiösen Gefühl für den nationalen Staat nichts weiter übrig bliebe als das gemeinsame staatsbürgerliche Recht. Da ist vor Allem die staatsbürgerliche Pflicht, die nicht blos auf dem geschriebenen Gesetze beruht, sondern tief im Gemüthe liegt. Es gereicht zu wahrhafter Befriedigung, zu wiffen, daß den Gefühlen der Zusammengehörigkeit, der nationalen Ehre, der zukünftige Träger der deutschen und d-r preußischen Krone ^er gemeinsamen Existenz, d-r gemeinsamen Interesses. Di-sd-n confesfionellen Frieden als den Boden unsteht, aus welchem i Pfiicht uübt , zz nicht blos an, di- Waffen zu tragen, sondi- Größe der Staates und d-ff-n national- Blütbe uner. bra> fit auch mit Aufopferung seiner selbst im blutigen Kampfe schütterlich steht, und d-r U-b-rz-ugung lebt, daß jeder Staatsj Ju ^brauchen, nicht blos zu steuern, sondern mit aller Kraft angehörige die gleichen Rechte besitzt, deren er nur durch das' Urtheil des Strafrichters beraubt werden könne. Berlin, 21. Januar. (Privatmitth.) Obgleich Sie im Leitartikel von Nr. 51 bereits jene Zeitschriften charakterisirt haben, welche jüngst von der liberalen Fahne abgefallen und unter Sang und Klang in das reactionäre Lager eingerückt sind, ich meine „die Grenzboten," und „Im neuen Reich", so verlangt doch die Vollständigkeit, kurz zu erwähnen, daß diese in ihren jüngsten Nummern ihre Polemik gegen die Juden fortdie vaterländischen und staatlichen Institutionen zu erhalten, die Ehre des Vaterlandes zu wahren und zu vertheidigen, wo sie angegriffen wird u. s. w. Es zeugt vielmehr von einer sehr leeren Abstraction, das menschliche Gemüth auf den kirchlich-religiösen Sinn zu beschränken, und die Liebe zum Vaterlande, zur Heimath, zur nationalen Sprache und Sitte, zur vaterländischen Geschichte und Literatur, eine Liebe, welche die Liebe zur angestammten Religion nicht ausschließt, aber in allen großen Momenten über sie hinaus gravitirt, ignoriren zu gesetzt haben. In Nr. 51 läßt sich „Im neuen Reich" „aus j wollen. Solch' Gerede paßt höchstens für Staaten, welche das Oesterreich" daffelbe mit etwas mehr Worten schreiben, was es in Nr. 47 „vom Rheine" datirt hat. Es ist ganz daffelbe Geschwätz mit denselben unerwiesenen Behauptungen und mit Ideal der Religionseinheit mit Feuer und Schwert durchsetzen wollen, aber der Staat mit kirchlich-religiös gemischter Bevölkerung vermag nichts damit anzufangen. Jndeß der Grenzdem versteckten Angriff auf die Gleichberechtigung vor dem Ge-! bote weiß doch, was er eigentlich will: er sucht in der „Religion" setze, die ein Jrrthum und eine Lüge des Liberalismus sein | das Mittel, den Vorwand, den Juden die Gleichberechtigung