Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1880)
- Date
- 1880-02-03
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
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70 die Locke, Toland, Darwin, die Reimarus, Strauß, Häckel, die Schopenhauer, Hartmann und so viele Andere, welche mit nachhaltiger Wirkung gegen das Christenthum auftraten, sie und durchsetzen sollten? Vermag die mächtige Christenheit nicht, die von ihr abgefallenen Streiter zurückzurufen, wie soll dies die ohnmächtige Judenheit können? Zwangsmittel waren und sind weder Juden noch Freunde des Judenthums, i haben wir nicht und, offen gesagt, hätten wir sie, möchten wir Und andererseits: bieten wirklich die Juden, welche in allen sie nicht anwenden, da wir genugsam erfahren haben, was Städten und Ortschaften, wo sie wohnen, mit großen Opfern Zwang bedeutet auf dem Gebiete religiöser Ueberzeugung. An Synagogen, Schulen, Wohlthätigkeitsanstalten und Begräbniß-; Mahnungen lassen wir es nicht fehlen, denn wir thun dies stätten errichten, den Gottesdienst und den Religionsunterricht j für die Sache des Judenthums, wie aller positiven Religion, pflegen und wenigstens zu den hohen Festen allesammt in ihren Folgen Etliche diesen Mahnungen nicht, wie kann man uns Tempeln sich vereinen, die Solches nicht blos in ihren alten! dessen schuldig heißen? Wir vertrauen auf die Kraft und den Wohnsitzen, sondern auch in Amerika und Australien, wo-! Sieg der Wahrheit, und auf die Ueberzeugung, daß die götthin nur die Einwanderung sie führt, herzustellen sich beeifern,1 liche Weltordnung die Menschheit zu ihren Zielen führen werde, bieten sie den Anblick einer religionslosen Masse dar, und! und daß wir bis dahin mit Pflichteifer und mit der Liebe stellen sich nicht aller Orten die sog. gebildeten Juden an die und Duldung vorgehen wollen, die auch der Verfaffer in be- Spitze dieses Werkes? Wie gesagt, auch wir verurtheilen' geisterter Weise lehrt, wofür wir ihm herzlichen Dank wissen'). diejenigen Juden, welche in frivoler oder in antireligiöser! . ... .. .... , .. . . 01 l) Gs nt ln vielem Augenblicke bereits wieder eine ganze Reche Werse gegen das Christenthum strelten. Aber wenn der Der- . von Streitschriften erschienen. Treitschke hat einen dritten Artikel Taffet von uns fordert, daß wir „aus den Reihen der abge-' und alle drei in einem Heftchen separat veröffentlicht. Dagegen - -w /rf .. . . bekämpfen ihn Oppenheim ui der „lHegenwart , Bamberger in sallenen Ehrlstenbeit unsre chr Verbündeten Streiter zurück-. „Unsre Zeit". Eine neue Monatsschrifr „Mcrkur" von Franz Stöpel rufen", so begeht er seinerseits ebenfalls ein Unrecbt, denn bringt in ihrer ersten Nummer einen langen Artikel: „Apologie der _ .. . ' ' l Juden, von einem Germanen." In nächster Nummer kommen wir zuvor mußte er uns sagen, auf welche Weise wir dies thun saus diese Schriften zurück. Redaction. Deutschland. König seinen Unwillen über die bekannten Vorgänge Ausdruck gegeben. Fürwahr, daß die liberalen Preßorgane so lange gewartet, bis sie sich hinter den kaiserlichen Thron bergen konnten, Köln, 18. Januar. (Privaimitth.) Endlich öffnet auch! zeugt von einer Schwächlichkeit des deutschen Liberalismus, die „Äölii. Z." ihren Mund. In einem Leitartikel ihres die man nur tief beklagen kann. Jetzt schützen sich diese heutigen Morgenblattes spricht sie über „Die neueste Juden-1 Herren hinter dem Vorwände der Verachtung gegen die ultrahetze in Deutschland." Sie bleibt aber auf der Oberfläche,; montanen und reactionären Judenhctzer. Aber schwiegen sie und was sie deducirt, ist schwächlicher Art. Jndeß liegt das! nicht ebenso vor den Jnvectiven Treitschke's, der „Grenzboten", Gewicht weniger in den vorgetragenen Gründen — die Er- ,,Jin Reuen Reich" u. s. w.? Wenn der Kronprinz gesagt, daß örterung der ganzen Angelegenheit ist ja schon genugsam durchj er im Auslande sich über diese Hetzereien in Deutschland gegeführt — als vielmehr darin, daß sich ein so bedeutendes! schämt habe: so spricht sich hierin das aus, was eigentlich Blatt immerhin entschieden auch gegen Treitschke und Ge-! jeder wahrhaft deutsche Mann empsinden mußte, wenn er las, noffen ausspricht. So sindet die Furcht vor den gebildeten j wie man die ganze deutsche Nation von dem jüdischen Häuflein Juden, weil die höheren Lehranstalten von einer so großen besiegt, geknechtet, entartet darstellte. Wie man den deutschen Theile der jüdischen Jugend besucht werden, der Besorgniß Genius von den paar Juden entchristlicht, entsittlicht und hergleich, daß die Kohlen einmal aufgebraucht sein werden, und . abgewürdigt bezeichnete — nur, um die Maffe gegen die Juden schließt damit, daß jede Beschränkung der staatsbürgerlichen aufzuhetzen! Dies ist eben der Unterschied zwischen dem gleis- Rechte nur schädlich, die volle Durchführung der Gleichberech-j nerischen und prunkenden Nationalsentiment eines in Phrasen tigung aber völlig heilsam und ausgleichend wirken werde. I schillernden Literaten und dem hohen nationalen Bewußtsein Den Ausgang nimmt sie von den bekannten Aeußerungen des seines wahren deutschen Mannes! Vor dem ersten und ernsten deutschen Kronprinzen, gerade ebenso wie es die „Weserz." ge-1 Ausdruck eines solchen verschwanden sofort die egoistischen than. Dies giebt zu denken. Die Organe des deutschen!. interessirten Hetzer und faßten die liberalen Schwächlinge Muth Liberalismus haben sich nicht eher mit ihrer Meinung herausauf dem Kampfplatz zu erscheinen. getraut, als bis der kaiserliche Hof in der Berliner Synagoge Dresden, 15. Januar. Während des Zeitraums von erschien, und der dereinstige deutsche Kaiser und preußische 1834 bis 1875 hat sich in Sachsen die Zahl der Evangelischen