Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1880)
- Date
- 1880-01-27
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
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59 unterbleiben und der Gemeindetag und zur llnthätigkeit verurtheilt werden. Frankreich. Paris, 11. Januar. (Privatmitth.) Ich kann es nur als eine Curiofität erklären, daß der „Temps" vom 1. Jan. sich zwei Spalten lange Correspondenzen aus Berlin vom 22. und 26. Dec. über die Pamphletliteratur gegen die Juden schreiben läßt, fast wie für bibliographische Zwecke, da sich der Schomer Israel | sie ihren Gegnern thatsächlich antworten, hat aber für die 1 auf Treitschke's Artikel erfolgten Antworten kaum vier Reihen, und kennt sie auch nur unvollständig, z. B. nicht einmal die von Dr. Joel. Kurz, man kann sagen, daß der Correspondent des „Temps" mehr für die Zwecke der Judenhetzer als gegen sie arbeitet, wenn er sich auch den Schein ves bloßen Berichterstatters zu geben sucht. —. Wir wollen doch nicht unbemerkt lassen, daß demselben „Figaro" der in voriger Woche den perfiden Artikel gegen die Juden brachte, jetzt nachgewiesen worden, daß er seine doch in Frankreich schwerlich Jemand um die Sudeleien der! Spalten ausschließlich für die Reclameartikel der Banqu Herren Marr, Glagau u. s. w. kümmert. Man möchte voraussetzen können, daß dies nur eine Ironie auf Deutschland sein sollte, da genau die Auflagen verzeichnet werden, welche jene Libellen erfahren haben, um zu zeigen, wie viel Jnteresie dieselben in dem neuen deutschen Reiche erwecken. Der Correspondent des „Temps" will „dem Leser eine Idee von dem ganzen Geräusch geben, welches in Berlin dieser Racenstreit macht, der im Grunde nur eine deutsche, sehr lächerliche Frage ist." Mit besonderer Vorliebe schildert er das Titelbild einer dieser Broschüren, welches die Statue Hermanns — der Correspondent wirft sie mit dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald zusammen — darstellt, über die ein Jude triumphirt. Parisienne um jährlich 150,000 Francs verkauft hat, den Vertrag mit dieser aber kündigte, weil er mit der Banqiu-, hypotheeaire einen gleichen Handel für jährlich 500,000 Francs abgeschlossen! Dies find die Leute, welche sich über eine vierte - halb Jahrtausende alte Glaubensgenofienschaft zu Gerichte setzen. Schweiz. St. Gallen, 1l. Januar. (Privatmitth.) In der eigenthümlichen Zeit, die wir gegenwärtig durchleben, hat die A. Z. d. I. mit Recht erkannt, daß es zu ihrer Aufgabe gehöre, die bedeutendsten Stimmen, die sich über den in Deutschland wahrscheinlich weil es ihm, und nicht ohne Grund, mehr eine j so heftig angeregten, die Juden betreffenden Streit vernehmen Satyre auf Deutschland als auf die Juden zu sein schien. | lassen, sammele, insonders die aus dem Auslande, deren Ur- Einen traurigen Beweis, wie leicht sich das Publicum, auch! theil unparteiischer ist und darum in's Gewicht fällt. Jntereffant der Berliner Correspondent des „Temps", durch den Schein! wird dies gewiß aus der Schweiz sein, welche sich doch früher täuschen läßt, giebt derselbe, wenn er sagt: „Glagau ist ein! so abwehrend gegen die Juden benommen, und auf deren Preffe unermüdlicher Sucher und Sammler, der sich darauf steift, nichts j ein jüdischer Einfluß nicht nachweisbar ist. Die „St. Gallervorzutragen, ohne es durch Documente zu stützen. Man kann i Zeitung" vom 6. Jan. hatte sich sehr belobend über die Worte sich daher auf ihn für die Thatsachen verlaffen, aber, ich muß es sagen, es wäre gefährlich, seinen Urtheilen über die Menschen zu trauen." Es ist zehnmal erwiesen worden, daß Glagau mit der größten Willkürlichkeit, mit der schmählichsten Tendenz Zahlen und Thatsachen behandelt und Dinge des deutschen Kronprinzen zu Gunsten der Juden ausgesprochen. Die Redaction nahm, aufgefordert, davon Gelegenheit, in einem Leitartikel vom 8. Januar sich folgendermaßen auszulaffen. „Wir sind dieser Tage brieflich interpellirt worden, ob angiebt, wie sie niemals bestanden. Für die Mehrzahl der! die in letzter „Wochenschau" der „St. Galler-Zeitung" sNr. 4) Menschen kommt es nur darauf an, ob die Maske hübsch! natürlich scheint; was dahinter steckt, das zu untersuchen, sind' sie zu indolent. — Mit Recht fügt der Correspondent nach ausgesprochenen Ansichten über die anti-israelitische Bewegung unserer Tage auch diejenigen der Redaction seiend Zwischen den Zeilen war zu lesen, die Angelegenheit sei eben etwas Aufzählung der Streitschriften pro er contra hinzu: „Ich! heikel, man ziehe deshalb in der Presie vielfach vor, sie einfach muß die Liebhaber und Sammler von Curiositäten benachj tobt zu schweigen, statt ihr fest und entschloffen in's Auge zu richtigen, daß sie sich täuschen würden, wenn sie in diesen j sehen :c. :c" Pamphleten eine Mannigfaltigkeit der Gedanken, entsprechend! „Wir haben durchaus keinen Grund, mit unserer diesbeder Verschiedenheit und der Bizarrerie ihrer Titel, zu finden, züglichen Meinung hinter dem Berge zu halten und wollen glaubten. Sie wiederholen sich alle und bringen nur dasselbe! daher dem Herrn Briefsteller eine durchaus klare und bündige vor. Im zweiten Brief geht der Correspondent näher auf die i Antwort zu theil werden lasten." Aufsätze Treitschke's ein, und hebt das Stillschweigen der „Zunächst die Erklärung, daß wir, in voller Ueberein liberalen Preffe nachdrücklich hervor. Zum Schlüsse rühmt er stimmung mit dem Verfaster der Wochenschau, die bekannten die Wohlthätigkeit der Juden, mit der sie erst jüngst wieder Aeußerungen des deutschen Kronprinzen gegenüber der sogen, gegen die schlesischen Nothleidenden sich verhalten, und womit! antisemitischen Liga und deren Treiben mit aufrichtiger Freude 4*