Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1880)
- Date
- 1880-01-27
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
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57 für das, was seinen Mitgliedern heilig sei Er raffe sich an j diesem Vorbild auf, um die ewigen und ungerechtfertigten An-! griffe gegen die Juden abzuweisen. (Lebhafter Beifall links j und im Centrum, Zischen rechts.) Wir wünschten, daß dieser j Beifall des Centrums ein aufrichtiger wäre, damit es und seine Organe, wie die „Germania", aufhöre, die eigentlichen Urheber! der Judenhetze zu sein, wie sie es bis jetzt waren. Nach Schluß! der Discussion bemerkt v. Stablewski persönlich: er habe aus-! drücklich gesagt, daß das intelligente Judenthum mit den ober-! schlesischen jüdischen Wucherern und Schankwirthen nicht fvmpathisire. Er sei überzeugt, daß auch der Abg. Löwe dies nicht thue. Derselbe müffe aber zugeben, daß es ebenso wie unters Christen auch unter Juden verkommene Menschen gäbe. Hier dürfe man aber nicht einmal mehr das Wort Jude in den Mund nehmen, ohne mit der größten Leidenschaft angegriffen zu werden. (Sehr war! im Centrum und rechts.) Löwe erwidert, es gäbe wohl schlechte Subjekte unter allen Confessionen: er müffe nur dagegen protestiren, daß, wenn irgend ein schlechter Mensch, der zufällig Jude wäre, es gethan habe, man dann nicht sage, der schlechte Kerl hat das gethan, sondern: der Jude hat das gethan." —. Unter den aus den Geschäftskreisen zu Handelsrichtern für Berlin auf das Jahr 1880 ernannten 30 Personen befinden sich etwa 15 Juden, ein Beweis, wie viele der letzteren sich das Vertrauen als solide und intelligente Männer erworben haben. — Die mehrfach ventilirte Bevölkerungsfrage veranlaßt uns die Procentsätze der jüdischen zu der Gesammtbevölkerung nach Hübner's neuester statistischer Tabelle (1879) i wie folgt, anzugeben. In Oesterreich kommt ein Jude auf! 27 Einwohner, im europäischen Rußland auf 42, in den Nieder- > landen auf 59, in den Vereinigten Staaten auf 78, in Deutsch-! land auf 83, in Frankreich auf 312, in Großbritannien auf! 734, in Italien auf 925, in Belgien auf 1778, in Schweden' auf 2242. — In diesen Tagen verstarb hier der emer. Rabbiner: von Dessau Dr. Gustav Philippson. — Berlin, 14. Januar. (Privatmitth.) Die Redner des Centrums scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die schmählichen Bestrebungen ihrer Parteipreffe gegen die Juden auf der Rcdnerbühne des Abgeordnetenhauses fortzusetzen, und die Behauptungen ihrer Blätter auch auf der Tribüne der Volksvertretung auszukramen. Jndeß ist es dem Parieikampf bereits gelungen auch die Autorität der parlamentarischen Rednerbühne abzuschwächen, indem auf derselben unter dem Schutze der Unverantwortlichkeit so viele Unrichtigkeiten, Uebertreibungen und Bosheiten täglich vorgebracht werden, daß man diesen noch weniger vertraut als den Auslastungen der Preffe, die doch wenigstens den Strafrichter noch zu fürchten hat. Auch in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses (vom 13 Januar) brachte in der Debatte über die Derwaltungsgesetze der ultramontane Abg. v. Heeremann die Juden auf die Tribüne. Er sagte: „Den Abgeordneten Löwe (Berlin), der gestern wegen einer harmlosen Bemerkung so sehr in Erregung gerathen sei, müffe er bitten, doch auf die Entwickelung unserer ganzen Verhältniffe und unserer Cultur Rücksicht zu nehmen, und auch seine Glaubensgenossen, die ja großen Einfluß hätten und die im Großen und Ganzen das Capital und die Preffe beherrschten, müßten Rücksichten gegen seine Glaubensgenoffen (die Katholiken) nehmen. (Sehr richtigim Centrum). Dann würden vielleicht manche Bedenken schwinden, die sich im Laufe der Zeit sehr zu Ungunsten jener entwickelt hätten. Möge man doch erwägen, was gegen die Katholiken sieben Jahre lang durch Gesetz geschehen sei, dann werde man auch ein gewiffes Mitgefühl mit denselben haben, und von dem Abg. Löwe 'Berlin)! dürfe er dies um so mehr erwarten, als derselbe sich an der Thätigkeit gegen die Katholiken nicht betheiligt habe." Also; immer biefelben Behauptungen: die Juden herrschen durch das Capital und waren Träger des Culturkampfes, wobei sie immer : wieder den einzelnen Abgeordneten jüdischer Religion, wie Löwe, Laster, Bamberger zugestehen, daß sie gegen denselben gestimmt hätten. Karlsruhe, 15. Januar. (Privatmitth.) Zum großen! Aerger gewiffer Leute zeigt sich auch im Großbzgth. Baden 1 der Besuch der höheren Lehranstalten durch die jüdische Jugend ausnehmend stark, nur daß hier die Realgymnasien und höhere Bürgerschulen von ihr noch mehr frequentirt werden als die Gymnasien. Im Schuljahre 1878 79 waren die 8 Gymnasien und 6 Progymnasien Badens von 1669 katholischen Schülern, 1657 protestantischen, 43.5 jüdischen, 1 schismatisch orthodoxen, 2 confessionslosen und 1 freireligiösen besucht. Der Gesammtbevölkerung von 63,6% Katholiken, 34,4% Protestanten und 2% Israeliten stehen in der Schülerzahl gegenüber 44%, Katholiken, 44,5% Protestanten und 11,5% Israeliten. Die sieben Realgymnasien und die 23 höheren Bürgerschulen mit Lateinzählen zusammen 3255 Schüler. Darunter sind 1149 Katholiken, 1651 Evangelische und 451 Israeliten, bezw. 35,3, 50,7 und 14%,. Fürth, 1. Januar. (Privatmitth.) Dieser Tage starb i im Alter von 93% Jahren Herr Joel Zirndorfer, Vater des! langjährigen begabten Mitarbeiters der A. Z. d. I., früheren : Direktors des Seminars in Münster und jetzigen Rabbiners in Tetrois in Amerika, Herrn l)r. H. Zirndorfer. Der Verblichene war bis auf die letzten Jahre körperlich und geistig | rüstig und das älteste Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde. Das bayr. Justizministerium hat ein Verzeichniß der sämmtlichen, im Königreich Bayern functionirenden auswärtigen Cosularbeamten nach dem Stande vom Monat December 1879 veröffentlicht. Unter den Beamten zählen folgende Glaubens - genoffen: Für die Vereinigten Staaten von Amerika: in Augsburg Herr Max Obermayer, Consularagent: für die Argentii nische Republik: in Augsburg Herr Mar Obermeyer, Consul; 4