Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1880)
- Date
- 1880-01-27
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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56 arbeitern keinen Juden zählt, bringt folgenden schneidigen Leitwelche fein und beredt nachweist, wie jener rohen Begierde artikel, dessen Spitze offenbar gegen den Berliner Profeffor ge-' ein berechtigtes religiöses oder nationales oder wirthschaftliches richtet ist: „Daß es nun auch eine „Deutsche Judenfrage" giebt, ist wirklich recht beschämend. Diesen Unsinn und diese Rohheiten Element zum Grunde liege; ein dumpfes Echo dieser Argumente klingt in die Ohren des großen Haufens, der aus allem nur das eine, seine Berechtigung zum Dreinschlagen, heraushört. hatten wir geglaubt, endlich und endgültig zu den überwundenen und nun geht das Verderben seinen Gang. Die Judenhäuser Standpunkten rechnen zu dürfen. Aber es scheint, als sollten wir einmal recht gründlich belehrt werden, von welcher unverwüstlichen Lebenszähigkeit gewiffe Formen der Barbarei stnd. Die rückläufige Bewegung des vorigen Jahres hat auf alle Arten des populären Jrrthums gewirkt wie ein Gewitterregen auf die vertrocknete Steppe; über Nacht stehen alle die Pflanzen, werden demolirt, die Jnsaffen mißhandelt, vielleicht ermordet. Am nächsten Tage sprechen die Zeitungen, welche die Vollswuth geschürt haben, ihr Bedauern über die vorgekommenen „beklagenswerthen Ausschreitungen" aus." Berlin, 13. Januar. (Privatmitth.) In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die erste Berathung welche man für vertilgt gehalten hatte, lustig wieder in üppigem über das Gesetz zur Abhülfe des Nothstandes in Oberschlefien Kraute. Es fehlt nur noch, daß die Hexenverfolgungen wieder Mode werden, und es würde uns jetzt, nachdem wir die Antisemiten-Liga erlebt haben, kaum überraschen dürfen, wenn wir nächstens von einem Vereine zur Bekämpfung der schwarzen geführt. Hier nahm der katholische Geistliche und Mitglied des Centrums Dr. v. Stablewski die Gelegenheit, indem er das Wucherunwesen und den Mißbrauch im Ausschank von Spirituosen als Ursachen der Nothstände bezeichnete, zu be- Kunst hörten. Wir sagen dies nicht etwa scherzweise. In der Litehaupten, daß beides meistens von Juden betrieben werde, „aber ratur, welche die Kunststücke des amerikanischen Mediums Herrn > solchen, von welchen das intelligente Judenthum fich mit Ekel Slade hervorgerufen haben, findet man bereits ganz vernehm abwenden würde. Auch befänden fich gerade unter den Wucherern liche Präludien zu einer „Deutschen Hexenfrage" Die Slade'schen '• die eifrigsten Culturkämpfer". (Dieser Zusatz charakterifirt die Gaukeleien werden schon von studirten Personen aus der Mitganze Behauptung und giebt ihr wenig Glaubwürdigkeit.) Der Wirkung von Dämonen erklärt und damit ist der erste Grund l Abg. Löwe (Berlin) erwidert: Er bedauert, daß man auch zu regelrechten Hexenproceffen allerdings gelegt. Es bedarf j diese Debatte zu erneuten Sticheleien auf die Juden ausgenur eines wirklichen oder vermeintlichen Jntereffes irgend einer! nutzt habe. Man behauptet, die Juden seien die Hauptvergrößeren Anzahl an der Verfolgung der Spiritisten, um aus j treiber von Schnaps, gerade sie beuteten das arme Volk in dem Vordersätze alle gräulichen Konsequenzen zu entwickeln. * Oberschlefien durch Wucher aus. Es sei bedauerlich, daß so Hätten wir z. B. im vorigen Jahre das Unglück gehabt, die J viele Bürger jüdischer Confesfion derartigen Handel treiben, Pest aus Rußland einzuschleppen und hätte Jemand dann die allein eine statistische Erhebung würde vielleicht ergeben, daß Behauptung unter die Mafien geworfen, daß Herr Professor ebenso viel Christen wie Juden bei diesem bedauernswerthen Ulrici und andere Apostel des Spiritismus an dem Unheil Handel betheiligt wären. Allein es sei einmal Mode geschuld seien, so weiß man nicht, was geschehen wäre. Wenn worden, fich in gehäsfiger Weise mit den Juden zu beschäftigen, die ungebildete Menge vernimmt, daß ihre Vorurtheile und seitdem die soeialdemokratische Bewegung unterdrückt sei, um Leidenschaften von „Männern der Wissenschaft" ausdrücklich dem Janhagel, der fich an jenen Versammlungen nicht mehr für Weisheit und Tugend erklärt worden seien, so ist sie zum ergötzen könne, ein anderes Centrum als Reiz- und Anziehungs- Zuschlägen sofort bereit. Soweit wenigstens geht das Ansehen,! mittel zu bieten. Damit sei diese schmähliche und verächtliche defien fich die Gelehrsamkeit erfreut. Man kann dies deutlich > Judenhetze inaugurirt worden, mit welcher ein förmlicher Sport an der socialistischen Bewegung wahrnehmen, für welche die! getrieben werde, daß sich diese Dinge bis auf die Tribüne der angeblichen wifienschaftlichen Autoritäten eine unberechenbare1 Volksvertretung verirren konnten, sei aber mehr bedauerlich. Bedeutung gehabt haben, obgleich nur einzelne Schlagwörter ihrer Profefforen bis zu den Mafien ihren Weg finden. Der Die Sticheleien, die bei jeder Gelegenheit auf Juden im Saale laut würden, richteten fich selbst. Wer wie Redner in einem blinde Glaube, welcher vormals sich nach irgend einer Priester-i streng katholischen Landestheile aufgewachsen und von katholischen lichen Sanction umsah, sucht heutzutage naturgeschichtliche oder j Geistlichen vielfach unterrichtet worden, ohne jemals an den philosophische Formeln, um sein Gewiffen zu beruhigen, aber! Unterschied der Confesfion gemahnt zu sein, und nun in die seine Blindheit ist heute dieselbe wie vor tausend Jahren. Der > hiesige Judenhetze hineinkomme, dem blieben diese Zustände Gang der Dinge bleibt immer der nämliche; zuerst regt fich irgend völlig unerfindlich! Der Abg. v. Stablewski hätte beffer geeine rohe Begierde, z. B. der Wunsch, die reichen Juden zu plün-: than, diesen Punkt nicht zu berühren. Wer in einem Glasdern, inZaum gehalten von einem angestammten Gefühle, daß dies Hause fitze, dürfe nicht mit Steinen werfen. Redner habe sündlich sei; sodann tritt eine theologische oder ethnologische, oder stets den Culturkampf beklagt und mit Genugthuung wahrgesonstige mit Gelehrsamkeit ausgestattete Dialectik in Thätigkeit,i nommen, wie das Centrum seine ganze Kraft eingesetzt habe