Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-27 · Heft 4 (27.1.1880) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 4 (27.1.1880)
Date
1880-01-27
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227290--37769-3306938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

51 Vorschriften sind, während die Mehrzahl der Frauen diesen in I nur noch eine Bemerkung. Wenn wir Lessing, Eliot und strengster Bigotterie ergeben ist. In einem nicht geringen Galdös zusammenstellten, so sind diese doch im Wesen sehr Theile der Spanier ist der Rationalismus und selbst die materialistische Anschauung vorwallend. Hiergegen nun von clerikaler Seite ein erbitterter Kampf, aber gerade die Vorkämpfer dieser Partei sind zum geringen Theile aufrichtige und lautere Katholiken, die Anderen Heuchler, die sich der Cache bemächtigen, um sich zu Ansehen und politischer Macht zu bringen. Alles Dies schildert Galdös in unparteiischer Weise. Er führt uns einen Priester vor von erhabenster Lauterkeit und Würde, der mit seinem unbedingten Kirchenglauben die reinste Menschenliebe und die edelste Gewissenhaftigkeit verbindet; neben ihm amtirt ein anderer Priester, der in Erwerb und Genuß, in Jagen und Fischen, in Obstverschieden. Lessing steht auf dem Gipfel jener Humanität, welche das eigentliche Resultat der sog. Aufklärungsperiode gewesen. Die Frage war damals nur: ob Kirchengläubigkeit und Religionshaß oder Vernünftigkeit und Humanität? Unsre Zeit hingegen, welcher die beiden anderen Dichter angehören, wogt auf und ab in dem heftigen Gährungsprozesie, zu welchem die politischen, nationalen, religiösen, kirchlichen und wiffenschaftlichen Elemente in wildem Streite zusammengeschüttelt wurdem Edle Geister suchen nach dem Bannspruche, durch welchen der Sturm beschworen und eine höhere organische Gestaltung hervorgerufen werde. Lauschen wir diesen Stimmen, wenn wir auch ihre Wirkung zu schauen noch nicht hoffen zucht und Landbau aufgeht, ein Mann von grobsinnlichster dürfen. Sie geben uns doch die Beruhigung, daß Wahrheit Natur. Selbst an einem einfältigen Klosterbruder" fehlt es nicht Nicht minder läßt er einen Streiter der Kirche auftreten, einen gelehrten Advocaten, der für sie lebt und stirbt in aufrichtigster Hingebung, daneben einen anderen (Journalist), der nichts als ein politischer Klopffechter und durch und durch Materialist ist, aber mit hohlem Pathos und listiger Jntrigue für die Kirche auftritt, um in die Cortes gewählt zu werden. Nicht minder sehen wir eine Frau, die mit der engherzigsten Bigotterie den tugendhaftesten und opfervollsten Lebenswandel und Gerechtigkeit nicht verloren sind und den Sieg mitten durch alle Jrrthümer und Leidenschaften erringen werden'. Die getauften Juden. (Schluß.) Unter denjenigen getauften Juden, welche die christliche vereinigt, während Andere abergläubisch und schlecht sind. In; Gläubigkeit zu ihrem Panier gemacht, gab und giebt es eine der Heldin selbst ringt der Verstand mit dem Glauben und Anzahl, welche die getauften Juden für die x txy i'%oyrtv berflärt sich zuletzt in ihrem Herzen zur Liebe zu Christus,1 Christen halten und sagen, daß, wenn erst der größere Theil das kirchliche Beiwerk abstreifend. Aus dieser Skizze wird der j Israels übergetreten sei, dieser die Elite und den eigentlichen Leser die Grundzüge für das höhere Tableau, das der Spa-! Kern des Christenthums bilden und sich an ihm und durch nier sich vorgesetzt hatte, erkennen Für das Judenthum hat ihn alle Weiffagungen der Propheten über die Wiederherstellung er nur den einen Helden, der mit allen Fasern seines Wesens Jerusalems erfüllen würden. Diese Glaubensmeinung beseelt an dem einzigen Gotte hängt und es sich als seinen Beruf! insonders die jüdischen Missionäre und bekanntlich bedient sich denkt, diese Ueberzeugung nicht durch Proselytenmacherei zu verbreiten, wohl aber in allen Nachkommen seines Stammes zu befestigen. Neben ihm erscheint seine Mutter, welche die Familie und die Tradition aus der jüdischen Geschichte verkörpert und zum Hebel der religiösen Treue macht. — Wir müssen uns hierauf beschränken und unsre Leser auf die Schrift selbst verweisen. Den Höhepunkt der Erörterung finden sie im II. Theile der deutschen Uebersetzung, S. 122 ff. Das Bild, welches hier der spanische Dichter von dem Verfall des Katholicismus in seinem Vaterlande, wie auch an anderen Stellen die Judenbekehrungsgesellschaft dieser getauften Juden am liebsten, und erklärt sie alle sofort für Rabbis. Ob jene Gesellschaft hiermit den für sie nützlichsten Weg eingcfchlagen hat, wollen wir hier nicht näher erörtern. Natürlich ist es, daß die Juden diesen, von ihrer Religion abgefallenen Sendlingen keine große Sympathie entgegenzubringen vermögen. Aber wie einst, in den ersten Jahrhunderten des Christenthums, die Judenchristen sich unsanft aus ihrer vermeintlichen Superiorität durch die Heidenchristen verdrängt und vielmehr den Beschlüffen dieser sich unterworfen sahen: so werden jetzt jene von den religiösen Zuständen im spanischen Volke entwirft, getauften Juden aus ihrem Traume nachdrücklich aufgeschreckt, giebt viel zu denken, da es an ähnlichen Zügen in anderen da sie gewahren muffen, daß sie mit ihren früheren Glaubens- Ländern nicht fehlt. Die landschaftlichen Bilder und die gcnoffen auf gleiche Linie gestellt und ebenso wie diese zurück- Schilderungen aus der spanischen Kleinstadt sind vortrefflich gestoßen werden. Man lese nur den neuesten „Culturkämpfer" Hier und da wird der Verfasser in den Gesprächen etwas zu von Otto Glagau *). Es ist daher natürlich, daß einer der breit und die Art, wie er seine Heldin in der Todesstunde «i-l- Seiten l-ng p°r°rir-n läßt, ist nicht Erlich. SK., WLL Composition des Ganzen ist wohlgegliedert. Zum Schluffe. die der »Germania" über den »Cywsmus" der »antisemitischen"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.