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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-27 · Heft 4 (27.1.1880) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 4 (27.1.1880)
Date
1880-01-27
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 breitgetretenen Geleise verlassen und einen ganz neuen Boden' den höchsten Ausdruck dessen muß es Wohl gelten, wenn er geebnet habe. Aus der Feder der schärssten spanischen Kritiker; das Aussehen seines jüdischen Helden wiederholt mit dem des ergoß sich ein Strom enthusiastischen Lobes über die Dichtungen Galdüs', und nicht am wenigsten über seine „Gloria", idealen Christusbildes vergleicht. Nicht minder behandelt er so die Verwandten und den Diener seines Helden. Man wird welche — etwas Unerhörtes in Spanien — in einem Jahre zugeben, daß dies von einem Spanier eine außergewöhnliche drei neue Auflagen erlebte und in's Holländische, Englische : Leistung ist. Galdos denkt sich das Problem nun folgender¬ und Italienische, jetzt auch in's Deutsche übertragen wurde,; maßen: die beiden Religionen stehen sich in ihrer Verschiedenwährend die französische und die russische Uebersetzung eben heit unvereinbar gegenüber; welche Motive bei den einzelnen vorbereitet werden. Die deutsche ist von Dr. August Hart-! Bekennern derselben auch obwalten, an sich kann der Christ mann ^Berlin, Schleiermacher, 1880, und wir meinen, daß! nicht zum Judenthume, der Jude nicht zum Christenthume sich der Verfasier Glück wünschen könnte, einen so ausgezeich-, aufrichtig übertreten; in der Tiefe der Menschennatur aber neten Dolmetscher gefunden zu haben. Kaum an einigen! liegen Anziehungskräfte, die für sich noch unüberwindlicher wenigen Stellen kommt man zum Gefühle, daß man keine! sind, als die Religionen in ihren trennenden Gewalten; der Originalarbeit vor sich habe. Wenn wir hier diesen Roman! Zukunft bleibt es daher überlassen, durch die wachsende Anden Dichtungen Lessing's und Eliot's anreihen, so wird man! ziehung und bei der Gleichheit der Moral die Ausgleichung zu sich schon verwundern, daß dies mit einem auf spanischem Stande zu bringen, und aus beiden Religionen eine höhere Boden erwachsenen Erzeugniß geschehen könne Unsere Vor-! religiöse Einigung erwachsen zu lassen. Auf diesem Grunde stellungen von Spanien, dem Lande der Ausrottung der Mo- : baut er die Geschichte seines Romans auf. Eine strenggläubige riscos und der Juden, vom Lande der drittehalb hundert-> Spanierin trifft mit einem strenggläubigen Juden zusammen; jährigen Herrschaft der Inquisition, wo erst jetzt wieder die! Beide entbrennen in Liebe zu einander und geben sich dieser in Protestanten verfolgt und die Juden nur gewiffermaßen in i einem Momente der Schwäche hin. Die Heirath wird durch öffentlichem Geheimniß geduldet werden, unsre Vorstellungen j die Verschiedenheit des Religionsbekenntniffes unmöglich. So von Spanien setzen sich noch aus diesen Geschichtsbildern zu-1 sehr sie sich auch geistig einander zu nähern versuchen, die sammen. Sind deshalb die allgemeinen Wünsche um so mehr, Wahrhaftigkeit ihrer höchsten Ueberzeugung reißt sie ausdarauf gerichtet, Spanien endlich von diesem erdrückenden Alp i einander. In diesem Kampfe gehen Beide unter; aber indem befteit zu sehen, so ist doch die Hoffnung hierauf außerhalb j Knaben, der ihrer Liebe entsproffen, wird sich die zukünftige Spaniens nur gering. Um so mehr frappirt uns dieses Werk Einheit entwickeln. Man sieht. Galdos begnügt sich mit einer eines der hervorragendsten spanischen Schriftsteller, und zwar um so nachdrücklicher, als wir es in Spanien, selbst nicht verurtheilt und unterdrückt, sondern schnell verbreitet und hoch dämmerungsvollen Zukunft, wie sich Eliot begnügte, Deronda nach dem Oriente abreisen zu lasten, um sich Land und Leute anzusehen. Wie er diese für seine Pläne ungünstig, ja sie gelobt sehen. Es muß also einer vorhandenen Geistesströmung vernichtend finden werde, sagt uns die englische Dichterin nicht, in dieser Nation entsprechen; es muß aus den Regungen und | und ebenso wenig der Spanier von der wirklichen Zukunft des Gesinnungen destelben herausgewachsen sein; es ist so von! Knaben. Steht der deutsche Dichter, da er sich auf die wahre einem großen Theile der spanischen Nation gebilligt worden.; Humanität stützt, auf festerem Boden? Thatsächlich wohl Wie faßt nun Galdüs den von ihm erwählten Gegenstand auf? Auch er macht die Existenz des Judenthums neben dem Christenthume zu seinem Problem. Aber er löst es, nicht indem er auf das Verhalten der Menschen, wie Lessing, nicht auf die Race, wie Eliot, sondern auf die Religion als solche selbst sieht. Wir bemerken schon hier, daß Galdüs das Juden, thum als vollberechtigt, beide Religionen nicht als Gegensätze, wohl aber in tief gehender Verschiedenheit anschaut. Er giebt zu verstehen, daß das Christenthum, in welchem die Chriftuslehre das Hauptelement bilde, mehr an die Einbildung und das Herz, das Judenthum in seinem strengen Monotheismus mehr an den Verstand gehe und dabei auf einer ununterbrochenen Tradition und Geschichte beruhe. Ebenso betrachtet er die Juden ebenbürtig neben den Christen, und wenn er seine Spanierin in der höchsten nationalen Schönheit zeichnet, so thut er daffelbe mit dem Juden in typischer Weise. Als kaum und er verweist daher auf einen Richter nach tausend Jahren; hingegen der Idee nach sicherlich, denn er sagt uns mit festem Worte, worauf es ankomme. Lasten wir aber die Lösung des Problems bei Seite, so drängt sich uns die Frage auf: wie kommt ein Spanier dazu, sich ein solches Problem zu stellen und es in dieser Weise zu lösen? Und da kommen wir denn auf die eigentlichen Charakterzüge des spanischen Dichters. Ihm ist es am allermeisten darum zu thun, ein Zeitbild zu entwerfen, und zwar ein Bild der spanischen Jetztzeit. Galdos verhält sich durchaus objectiv; er spricht kein Urtheil aus; er zeichnet die Menschen und Dinge, wie sie sind; er sucht allen Erscheinungen gerecht zu werden, ohne ihre wahren Züge zu verwischen. Er zeigt uns, daß von 100 spanischen Männern jetzt keine 90 mehr dem Katholicismus, wie er ist, wirklich anhängen, sondern durchaus laxer Gesinnung, ja auch laxen Verhaltens gegen die Kirche und die kirchlichen

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