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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-27 · Heft 4 (27.1.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 4 (27.1.1880)
Date
1880-01-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zeitung des Zudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeit»»» ersLeink wöchentlich einmal in S di» L'/r Bogen. Preis BierreljähriA g Mark. Inserate werde» l mit 20 Pf. für die Perirzeile oder deren : I Äianm berechnet. l Alle Postämter und Buchhandlungen > nehmen Bestellungen an. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mil 12 Mark berechnet. In redaclionellen Angelegenbeilen :>.ende man sich an I«,. Q v»i>ivvi»n i» Bon»: binnchtlich der Inserate an A. Masse in VeiNrig und dessen Ailialeu . in Berlin. Breslau :c. Iusiralt, welche biSvonilerilLgeingeheri, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung.; 44. Jahrgang. Leipzig, den 27. Januar 1880. Jß 4. Inhnü. Leitende Artikel: Ein spanischer Roman. — Tie getauften Juden. (Schluß.) — Zur Wncherfrage. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bremen, Berlin, Karlsruhe, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg.—Frankreich: Paris. — Schwei*: St. Gallen. — Rumänien: Wien. — Feuilleton: Antipessimistische Denksprüche. (Forts.) Bonn, 21. Januar. Eia spanischer Roman. Wenn irgend Etwas die volle Lebenskraft des Judenthnms auch in unserer Gegenwart erweist, so ist es die ausgedehnte Weise, in der man sich von allen Seiten mit ihm beschäftigt. Wir meinen hiermit allerdings nicht jenen Schwindel mit Judenhaß, der sich augenblicklich in Deutschland geltend macht, sondern daß man die Existenz des Judenthums, seine Bedeutung im Kreise der weltgeschichtlichen, religiösen Erscheinungen und welche Zukunft demselben im Entivicklungsproceß der Menschheit bestimmt sei, zu den höchsten Problemen gesellt, welche der Menschengeist zu lösen sich bemüht. In Deutschland war es Lessing, der in seinem „Nathan" diese Frage zuerst aufgeworfen hat, und sie so faßte, daß er mit ihm ^zugleich die beiden anderen positiven Religionen auf ein und dasselbe Niveau stellte, die metaphysische Frage völlig aus dem Spiele ließ und die praktische Lösung in der wahrhaften gegenseitigen Duldung und Achtung fand. Man sieht, er hatte hiermit nicht sowohl die Religionen selbst, als vielmehr die Menschen im Auge, die er außerhalb jedes religiösen Sonstiges zum thatsächlichen Frieden mit einander führen wollte, diesen Frieden zugleich als die höchste Religiosität kennzeichnend. Es ist seitdem in Deutschland selbst kein Lessing wiedergekehrt. Unserer Zeit war es Vorbehalten, auch in anderen Ländern dieselbe Frage aufgeworfen und in Dichtungen behandelt zu sehen. Zunächst in England, wo vor einigen Jahren der Roman „Daniel Deronda“ von George Eliot ein so großes Aussehen machte und auch in deutscher Uebersetzung erschien. Wir erlauben uns, aus unsere Besprechung desielben in Nr. öl, 1876, hinzuweisen. Wie anders aber als der deutsche Dramatiker faßte die englische Dichterin den Gegenstand auf! : Auch sie sah von jedenr Conslict des Judenthums und des Christenthums ab, stellte auch keinen Widerstreit zwischen i Juden und Christen dar; aber sie griff am Judenthume vorzugsweise das nationale Element auf, die Race als Trägerin? des Judenthums. Jetzt, wo in allen civilisirten Staaten die! Juden in das bürgerliche und staatliche Leben ausgehen, wie ^st da der Fortbestand des Judenthums möglich? Diese Mögi lichkeit erschien ihr in dem Wiedererstehen eines nationalen Mittelpunktes, eines jüdischen Staates in Palästina, auf welches die Juden aller Länder Hinblicken könnten, ohne damit aus dem staatlichen Verbände ihrer Heimath zu treten, wie die Briten in allen Gegenden der Erde aus ihren europäischen Staat schauen, dennoch da vollkräftig wirkend, wo sie ihren Heerd aufgeschlagen haben. Hierzu gesellte sich nun auch Spanien. Im Jahre 1878 erschien in Madrid ein Roman „Gloria" von B. Perez Gal dös, der eine nicht geringe Bedeutung besitzt. Galdos, früher schon als Schriftsteller und Historiker in seinem Vaterlande geachtet, hat durch einige Romane sich schnell den Ruhm des besten Romandichters in der neueren spanischen Literatur erworben, der die

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