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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-20 · Heft 3 (20.1.1880) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 3 (20.1.1880)
Date
1880-01-20
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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43 Verständigung unter einander entziehen. Sie irren sich hier' nur in den Mitteln, da eine der staatlichen Controls mehr unterworfene Gemeindeverwaltung die Mitglieder derselben doch nicht verhindern könnte, als Bürger ihren politischen Ansichten und was sie als Bürgerpflicht ansehen, nachzustreben. Daß jüdische Gemeindcgelder zu politischen Zwecken verwendet würden, dafür kann schwerlich ein Beweis geführt werden. Frankreich. i Paris, 30. December. Ich komme meinem Versprechen gemäß auf den Artikel der „Inborto" vom 22. December zurück,. weil er uns zeigt, auf welche Weise in Frankreich die söge-, nannte „Judenfrage" behandelt wird. Das Drama, welches die Veranlassung dazu gab, hat die Makkabäerzeit mit ihren Opfern und Siegen zum Gegenstand. Der Artikel erkennt an, daß die Juden seit der Revolution von 1780 eine achtenswerthe Stellung in der modernen Welt einnehmen. „Welche Lebenskraft, ruft er aus, welche Tüchtigkeit, welche Ausdauer in diesem jüdischen Stamme, den der Sturmwind des Exils nach den vier Winkeln der Erde zerstreut hat, ohne ihn vernichten zu können!" Der Verf. fragt nun nach der Idee, die in diesem unverwüstlichen Stamme lebe. Er sagt: „Die Idee gipfelt sich in zwei Grundgedanken, die sie ganz umfassen: die Einheit Gottes und die Einheit des Menschengeschlechts. Der erstere verdammt das Heidenthum in all' seinen Kundgebungen, das zweite verurtheilt den Krieg unter all' seinen Formen. Der jüdische Messianismus ist nichts Anderes als der universelle Triumph des Monotheismus und die Verwirklichung einer Epoche des Friedens und der Harmonie, in welcher die versöhnten Völker nur einen einzigen Gott, ein Gesetz, eine Sprache haben werden nach dem Prophetenworte: ,sie schmieden ihre Schwerter zu Sensen und ihre Speere zu Winzermessern ff/ Zu diesem Glauben und dieser Hoffnung bekennt sich das jüdische Volk ohne Rückhalt." Deshalb, meint der Verfasser, haben sich die Juden den Grundsätzen von 1780, ebenso der St.-Simonistischen Bewegung angeschlossen und sind sie durch Temperament, wie Tradition, demokratisch. Den Beschuldigungen der jüdischen Finanziers gegenüber hebt er hervor, daß gerade die, welche in der Finanzwelt einen vorwiegenden Einfluß üben, sich bei allen großen Unternehmungen von allgemeinem Nutzen, welche das Vaterland bereichert, fruchtbar gemacht, verschönert haben, betheiligten. Sie haben keine Geldaristokratie gebildet, sondern gerade im Gegentheil die Demokratisirung des Credits auf der Basis der Capital-Association erwirkt. „Der Jude, wie gesagt, ist demokratisch gesinnt. Seine lange Knechtschaft hat ihm eine unermeßliche Liebe zur Freiheit eingeflößt. In den Ländern, wo man ihm gleiche Rechte verliehen hat, steht er auf der liberalen Seite. Seit ihrer Befreiung haben sie sich nach allen Geistesrichtungen hin verbreitet. Niemand wird ihre eigenthümliche Begabung für die Kunst, namentlich für die Musik und das Theater, verkennen. Wenn man nach Verhältnis der anderen Confessionen rechnet, müßte man sie nach dem Platz, den sie in den schönen Künsten, in der Advocatur, in der Medicin, im Richteramte, an der Universität, in der Armee, in den Academien, in der Literatur, in den Wissenschaften einnehmcn, für eine zehnmal größere Bevölkerung, als sie wirklich ausmachen, halten. Sie sind überhaupt eine überaus arbeitsame und practische Bevölkernngsclasse, die mitten in den gelockerten Sitten unserer Zeit die Uebung der Familienliebe in hohem Grade conservirt." Er fährt fort: „Ta ist in schneller Skizzirung dieser Volksstamm, dessen Schicksale so eigenthümlich sind und dessen Zukunft so mysteriös ist. Er hat der Welt so große Dienste geleistet, und leistet sie noch heutigen Tages, als daß man sich einen richtigen und würdigen Begriff davon machen könnte. Außerdem, so kosmopolitisch man ihn auch glaubt, hat er niemals uns Veranlassung gegeben, an seinem Patriotismus und seiner Hingabe an Frankreich zu zweifeln." — Es wäre wünschensioerth, daß man sich in Deutschland einen gleich gerechten Sinn, eine gleich vorurtheilslose Anschauung erwerbe. Rußland. Petersburg, 24. December. i Privatmitth/ Die Sucht, alle Uebel und Schäden im Staate und in der Gesellschaft, deren Ursachen durchaus nicht verborgen liegen, und deren wirkliche Träger allgemein bekannt sind, auf die Juden als Urheber und Förderer zu wälzen, ist in Rußland ebenso wenig neu wie in Deutschland, grassirt aber gegenwärtig wieder in ungeheuerlichem Maßstabe. Doch sollten die deutschen Judenftesser nicht darüber triumphiren oder sich darauf berufen. Denn dieselben russischen Blätter haben jüngst noch im abenteuerlichsten Deutschenhaß gemacht und suchten energisch, Deutschenhetzen zu provoziren und zwischen Rußland und Deutschland die furchtbarsten Nationalkriege hervorzurufen. Da ist es der wegen seiner Wuthausbrüche gegen Deutschland und die Deutschen suspendirte, jetzt wieder erscheinende „Rußkij Mir", welcher die blödsinnige Behauptung aufstellt, der 'Nihilismus komme lediglich von den Juden; von ihnen gehe er aus und sie gäben die Capitalien dazu Herl Wie gewöhnlich leidet der Urheber dieser lächerlichen Behauptung an Mangel jeglicher Logik und verräth dies in naivster Weise. Denn er beginnt mit: „Wie wissen, woher :c." und im folgenden Satze spricht er nur von „unsrer Vcrmuthung." Die Beweise für diese „Vermuthung" sind: weil Lafalle ein Führer des deutschen Socialismus gewesen, weil die immer noch dauernde Verborgenheit des Nihilisten Comit/'s nur durch „jüdische Schlauheit" möglich sei, und endlich weil die „Gattin Mirski's" eine Jüdin gewesen sein soll. Und auf solche Beweise hin will

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