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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-20 · Heft 3 (20.1.1880) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 3 (20.1.1880)
Date
1880-01-20
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 welcher drei Tage lang zur Besichtigung im Palais des Erzj welche vom Reichsrathe eine neue Ordnung der jüdischen Herzogs Albrecht ausgestellt war und speciell die Bewunderung Gemeindeverhältniffe und des Rabbinats in Galizien in der der hiesigen Damenwelt erregte, wurde von einem Confections-! Weise verlangte, wie sie für die katholischen Gemeinden und geschäfte, desien Chef ein Israelit ist, Herr Spitzer, besorgt. Geistlichen gesetzlich besteht. Als Gesuch eines Einzelnen, der Selbstverständlich war dies dem hier erscheinenden clerical- Verfasser ist ein Christ, konnte die Petition auf Berücksich feudalen Journal: „Das Vaterland" nicht recht; doch kann tigung kaum hoffen. Jetzt hat aber die Lemberger Bezirksman sich das ruhig gefallen laffen. Vertretung an den Polenclub eine Petition gerichtet, in welcher Wie Sie bereits berichteten, wurde Herr Baron Moritz die polnischen Abgeordneten ersucht werden, im Reichsrathe von Königswarter zum Mitgliede des Herrenhauses ernannt. Anträge auf gesetzliche Regelung der Verhältniffe zwischen der In letzter Zeit hatte das Herrenhaus die Mitglieder für die, jüdischen und christlichen Bevölkerung, namentlich jener Ver- Delegation, in deren Reffort die cis- und transleithanischenhältnifse, „welche der nichtjüdischen Einwohnerschaft Anlaß zu Reichsangelegenheiten gehören, zu wählen. Unter den zwanzig Klagen bieten", einzubringen. Zur Begründung dieser Petition Mitgliedern, die er in die genannte Körperschaft entsendete, wird Folgendes angeführt: Die christliche Bevölkerung erachtet befinden sich zwei Juden, der genannte Baron Königswarter sich dadurch benachtheiligt, daß die Vorstände der jüdischen und Baron Winterstein. Wenn man weiß, daß die Mitglieder > Cultusgemeinden nicht nur eine rein religiöse Bedeutung wie des österreichischen Herrenhauses auf der Höhe des englischen die christlichen Pfarr Obrigkeiten, sondern auch eine weit- Oberhauses stehen, wird man dieses Moment und das Verreichende politische Bedeutung haben; daß das Eigenthum trauen, das dem jüngsten Mitgliede dieser illuftren Körper-; dieser Cultusgemeinden fast gar keiner Controls unterliegt und schüft entgegengebracht wurde, Wohl zu würdigen wiffen. Nicht übergehen will ich auch Folgendes. Es wird ern daß keine Behörde ein Inventar des Vermögens derselben besitzt, während das Kirchenvermögen anderer Religions- Werk unter dem Titel: „Die Völker Oesterreichs" vorbereitet, genossenschasten streng beaufsichtigt wird. Eine weitere Be Der Herausgeber deffelben ist Se. Excellenz Freiherr von nachtheiligung der christlichen Bevölkerung finden die Petenten Helfert. Dieser war seiner Zeit Unterstaatssecretär im Ministerium für Cultus und Unterricht, als Graf Leo Thun Minister war, und war dann selbst eine Zeit lang Leiter dieser Ccntralstelle. Er hat sich als Schriftsteller durch mehrere hervorragende Werke einen Namen erworben. Seiner Gesindarin, daß die jüdische Geistlichkeit, die sich keinen Staatsprüfungen unterzieht, in ihren bürgerlichen Rechten auf vollkommen gleicher Stufe mit dem christlichen Clerus steht, nach dem Gemeindegesetze im ersten Wahlkörper wählt und das Recht besitzt, Surrenden an ihre Glaubensgenoffen ohne staatnung nach gehört er zur czechischen clerical-feudalen Partei \ liche Aufsicht zu erlaffen — kurz, daß das Verhältniß des und würde er jüngst in den Reichsrath gewählt worden sein, doch vereitelten die kirchlich liberalen Czechen diese Wahl, da Helfert eine Schrift gegen Huß veröffentlicht hat. Eine Abtheilung des projectirten Werkes bilden die Semiten. Er wendete sich an den bekannten Historiker G. Wolf, diese jüdischen Cultus zum Staate fast durch gar kein Gesetz geregelt ist, während der Reichsrath das Verhältniß der katholischen Kirche zum Staate mit so großer Eile durch das Gesetz!vom 7. Mai 1874 geregelt hat. i Selbstverständlich wurden die übrigen galizischen Bezirks- Abtheilung zu übernehmen. In Preußen-Deutschland wäre ein Vertretungen unter dem Schlagworte „Gleichberechtigung mit solcher Fall, wie ich glaube, undenkbar. Wie ich höre, hat Herr Wolf diese Arbeit übernommen, jedoch soll der Titel nicht „Semiten", sondern „Juden" lauten, und gedenkt sich letzterer dagegen zu verwahren, als ob die Juden jetzt ein Volk bildeten. Vor einigen Wochen fand die Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender statt, bei welcher auch der vielverehrte Mann Joseph Ritter von Wertheimer anwesend war. Bei Gelegenheit eines Antrags, den er stellte, gab er eine Reminiscenz zum Besten, die ich hier reproduciren will. In den zwanziger Jahren war hier ein „Judenamt" mit einem Beamten, Namens Deifuß, der die Lichterstümpchen sammelte und sie armen jüdischen Studirenden schenkte. Ehre seinem Andenken! Lcmberg, 26. December. (Privatmitth.) Wir haben jüngst der Petition eines Merunowicz (1879 Nr. 49) erwähnt. den Israeliten" zur Mitunterzeichnung der Petition aufgefordert. Es ist nicht zu verkennen, daß es für die Juden unsres Kronlandes sehr zuträglich sein würde, wenn die Gemeindeorganisation einer strafferen und gesetzlicheren Regelung unterworfen wäre und die zukünftig anzustellenden Rabbiner einer Staatsprüfung sich unterziehen müßten. Nur ist nicht abzusehen, daß dies in einem besonderen Jntereffe der christlichen Bevölkerung läge. Es sind daher politische Motive, die der Petition zu Grunde liegen Man glaubt, daß die Vorstände bei vorkommenden Fällen, z. B. bei Landtagswahlen, für die Juden einen gewissen Mittelpunkt abgeben und ebenso die Rabbiner eine gewisse Thätigkeit bei solcher Gelegenheit entwickeln. Da dies den Polen oft widerstrebend erscheint, so möchten sie, denen jedes Zusammenfaffen der Wähler verhaßt i ist, wenn es ihnen ungünstig ist, den Juden jedes Mittel der

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