Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1880)
- Date
- 1880-01-20
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
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41 X«e;nbcrfycft der „Pr. I." brachte. Die „Schles. Presse" vom 2<-\ December veröffentlichte nun die zweite Erwiderung des Prof. Grätz, in welcher einzelne Behauptungen Treitschke's zurück;-,ewiesen, dann aber vorzugsweise die Anklagen Tr.'s gegen Grätz vom Standpunkte des letzteren, und mehrfach mit Glück, zurückgewiesen worden. Zum Schluß sagt Grätz: „Ich bin fertig. Sollte Sie die Lust auwandeln, noch weiter gegen mich zu polemisiren, so schmähen und verdächtigen Sie nur weidlich. Ich werde Ihnen nicht mehr antworten. Nur um Eins bitte ich Sie, wenn Sie einen Funken Gewiffen haben, machen Sie meine Religions- und Stammesgenoffen nicht für das verantwortlich, was ich geschrieben habe. Habe ich gefehlt, so will ich es allein büßen." Die „Schles. Zeitung" nennt freilich jede Abwehr von jüdischer Seite einen „maßlosen Angriff" auf Treitschke und beklagt es bitter, daß die conservativcn Blätter, überhaupt Niemand, für Treitschke vor die Oeffentlichkeit getreten. Dieses Eingeständniß wollen wir ad acta nehmen. Die gedachte Nummer der „Schles. Preffe" enthält auch einen selbstständigen Artikel „Anti-Treitschke", der sich insonders mit den statistischen Angaben Treitschke's beschäftigt, und diese, „was namentlich die Vermehrung der Juden im preußischen Staate betrifft, als durchaus nichtig und erkünstelt nachweist. Dies sind so einige Charaktcristica. Hoffen wir, daß diese Rubrik baldmöglichst auch aus den hiesigen Zeitungen wieder verschwindet. Wir wollen gern das pro aufgeben, wenn man uns das contra erläßt. — Aus Württemberg. 31. December. (Privatmitth.) Noch vor Jahresschluß hat auch der Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer isr. Lehrer und Vorsänger in Württemberg seinen Bericht pro 1878/79 veröffentlicht. Der Verein darf mit dankbarer Freude anerkennen, daß ihm fort und fort Herzen und Hände sich zuwenden, so daß es ihm auch im verfloffenen Jahre möglich geworden ist, seiner Aufgabe gerecht zu werden, wieder ansehnliche Unterstützungen (980 M. in 10 Portionen) zu verabreichen und das jetzt 17,746 M. betragende Vereinsvermögen um 1100 M. zu vergrößern. Die Einnahmen betrugen 3107 M., darunter 697 M. Zinsen, 1478 M. Spenden, (von Ihrer Maj. der Königin 40 M., vom isr. Gemeindebunde 30 MD, die Ausgaben, incl. v. 2067 zum Grundstück angelegten, im Ganzen 3107 M. Hofrath I)r. A. Levi in Stuttgart, der Förderer aller philanthropischen Zwecke, nimmt sich auch dieses Vereins sehr thätig an. Möge der Verein auch ferner blühen und wachsen und ihm die Gunst seiner Gönner erhallen bleiben. Hamburg. 1. Januar. (Privatmitth? Wir leben ja nun einmal im Zeitalter der Compromiffe, warum sollten denn nun nicht die Anhänger des hiesigen Oberrabbiners Stern ein Compromiß schließen, und wenn denn ein solcher geschloffen werden soll, warum denn nicht mit den sonst nicht gerade von den hiesigen Hyperorthodoxen besonders geliebten Anhängern des Tempels? — Im Laufe des letzten Monats fand nämlich die Repräsentantenwahl der hiesigen Hauptgemeinde statt. Wie bereits in diesen Blättern berichtet, bildete sich vor Kurzem Hierselbst eine neue Gemeinde unter der Aegide des Oberrabbiners Dr. Jsaacsohn. Diese strebt nunmehr Autonomie an und setzte daher bei der gegenwärtigen Wahl alle Hebel in Bewegung, nur solche Männer in das erwähnte Collegium zu bekommen, welche der Autonomie der Gemeinde .,X\\-»' Scholaum“ innerhalb der Hauptgemeinde günstig gestimmt sind. Da nun aber der Partei des Oberrabbiners Stern die Jsaacsohn'sche Partei mit ihren zeitgemäßen Bestrebungen ein Dorn im Äuge ist, so geschah das Unerhörte, die „Sternianer" alliirten sich mit den „Tempelianern", da auch die letzteren den Bestrebungen der Jsaacsohn'schen Partei nicht ganz hold sind. Also hieß denn die Parole: „Lieber einen Tempelritter, als einen Jsaacsohn'schen." Soll doch hier sogar ein Satellite Stern's, der sonst ein ganz gebildeter Mann und Dr. phil. ist, behauptet haben: Dr. Jsaacsohn hätte sein Anrecht auf Chelek l’olam haba durch die Creirung dieser neuen Gemeinde verwirkt. Aber die Vorträge, die Dr. Jsaacsohn allsonnabendlich hält, erfreuen sich noch immer der größten Beliebtheit bei Jung und Alt, Orthodoxen, Reformern und Farblosen: seine populär-wiffenschaftlichen Vorträge im Anschluffe an Cusari, die er jeden Dienstag Abend in der Synagoge seiner Gemeinde hält, werden so stark frequentirt und zwar von dem feinsten jüdischen Publicum, daß das Local nunmehr kaum noch die Menge der Zuhörer faffen kann, die Plätze in der Synagoge sind sämmtlich vermiethet, während die Sterngemeinde in diesem Jahre trotz ermäßigter Preise viel mehr Sitze als sonst in ihren Synagogen unvermiethet behielt. — Das Wahlresultat ergab sechs Reformer, fünf Hyperorthodore, drei von der Fraction Jsaacsohn und einen angebl. Wilden. Oesterreich-Ungarn. Wien. 28. December. Herr Hirsch-Kollisch war der Gründer des ersten israelitischen Taubstummeninstituts in der österreichischen Monarchie. Um das Andenken des Mannes zu ehren, hat sich ein aus ehemaligen Zöglingen des Instituts zusammengesetztes Gomit»* gebildet, welches den im Jahre 1880 i zu begebenden hundertjährigen Geburtstag des Verstorbenen durch Aufstellung einer Büste im Jnstitutslocale feiern will.! Das Coinit«'- erläßt einen Ausruf an alle ehemaligen Zöglinge des erwähnten Instituts, um dieselben zur Mitwirkung an > diesem Acte der Dankbarkeit aufzufordern. Wien, 31. December. (Privatmitth.) Ich halte es nicht für überflüssig. Ihnen folgende Notizen mitzutheilen. Wie ' bekannt, hcirathete jüngst die Erzherzogin Christine von Oesterj reich den König von Spanien. Der Trousseau derselben.