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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-20 · Heft 3 (20.1.1880) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 3 (20.1.1880)
Date
1880-01-20
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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ein Schandfleck ist für die Zeit und die Stadt, in der wir leben, Front zu machen", und endet: „Schon regt sich eine vielverheißende Agitation zur Umkehr durch die bedeutsamen Vorgänge in der Berliner Kreissynode. Hoffen wir, daß auch die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses noch Anlaß geben zu einem Protest gegen den Versuch der schamlosen Judenhetzen, zu einem Protest, der nicht Sache einer politischen Partei, sondern des Zusammenwirkens aller Besonnenen ist, welche ein Herz haben für die Gerechtigkeit und für den so schwer geschädigten Ruf Preußens, als des Führers der Cultur und der Intelligenz Deutschlands." Berlin. 6. Januar. Die bekannt gewordenen Aeußerungen des Kronprinzen kamen den Ultramontanen und Reactionären sehr ungelegen, und ihre Organe verschweigen oder bezweifeln sie und fordern ein osficielles oder ofsiciöses Dementi, worauf sie aber bis jetzt vergebens hoffen. Die „Franks. Zig." schreibt: Die jüngsten Aeußerungen des Kronprinzen, welche derselbe einem hervorragenden Vorstandsmitgliede der hiesigen Synagogengemeinde und an anderer Stelle gemacht, und die sich auf das Schärfste gegen die in letzter Zeit von gewiffer Seite inscenirte Judenhetze wenden, werden vielfach besprochen. Der Kronprinz hat zu verstehen gegeben, wie es in erster Linie nicht statthast sei, daß Männer, welche berufen find, das Evangelium zu predigen, in solcher Weise, wie es geschehen, zu confessionellem Hader Anlaß geben. Daß der Kronprinz ein Gegner der extremen kirchlichen Richtung ist, war längst bekannt und hat er aus diesen seinen Anschauungen auch niemals ein Hehl gemacht. Zn den ihm näher Stehenden gehört das bekannte und einflußreiche Mitglied des Protestantenvereins, Prediger Schiffmann aus Stettin, der in kirchlichen Dingen mit unter die Berather des Kronprinzen zählt. Der frühere Cultusminister Dr. Falk war besonders persona, grata im kronprinzlichen Palais und hat oft genug die Anerkennung des Kronprinzen gefunden. — Jetzt bestätigt selbst die ,^reuzz." die Aeußerungen des Kronprinzen, und die „Nat.-Ztg." schreibt: „Wie wir von durchaus zuverlässiger Seite erfahren, hat der Kronprinz zu Herren seiner Umgebung seine Bestiedigung darüber ausgesprochen, daß die von ihm geäußerten, von der „Rational-Zeitung" zuerst mitgetheilten Anschauungen über die antisemitischen Bestrebungen in correcter Form an die Oeffentlichkeit gelangt sind." Berlin, 9. Januar. (Privatmitth.) Aus den heutigen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses sind wohl einige Vorkommniffe zu erwähnen. Zunächst war es bezeichnend, daß der Abgeordnete Cremer, derselbe, der in voriger Session die Juden zu beschimpfen die Tribüne der Volksvertretung mißbrauchte, sich dahin äußerte, daß die Sedanfeier „eine Demonstration gegen die Katholiken" sei, und deshalb dürften die Kirchenglocken an diesem Tage nichts geläutet werden. Allgemeine Entrüstung und spätere Versuche aus dem Centrum, die charakteristische Aeußerung Cremer's abzuschwächen. Später gestattete sich der Abgeordnete Gefängnißdirector Stroffer, da er durch Zurufe unterbrochen wurde, zu sagen: „Nur in einer Judenschule sprächen 20 zu gleicher Zeit'." Ihm antwortete der Abgeordnete Richter: „Der Abgeordnete gefällt sich in einem Ton, der vielleicht für Sträflinge oder auf einem Casernenhof paßt rechts Lärm; links Ruf: Sehr wahr! Judenschule!), aber nicht in dem Saal einer Volksvertretung." — Der Kronprinz hat dem Vorstande als Beitrag zum Ergebniß des Concerts in der Synagoge 100 Mark übersandt. Die „Nat-Ztg." schreibt noch: Die Aeußerungen des Kronprinzen gegen die „antisemitische Bewegung" haben einen außerordentlichen Widerhall gefunden. Das Gewissen der Nation gegenüber dieser Religionsversolgung ist nach allgemeinem Gefühl in jenen Worten in besteiender Weise zum Ausdruck gekommen und man darf diese Worte als abschließend betrachten. Die „Danziger Zeitung" bemerkt: „Die bedeutungsvollen Worte des Kronprinzen haben auch in der außerpreußischen Presse Aufnahme und laute Zustimmung gefunden. Wie in Preußen, so ist man auch im übrigen Deutschland hoch erstellt darüber, daß der zukünftige Träger der deutschen Kaiserkrone ein so bestimmtes und unzweideutiges Verdict über Bestrebungen abgegeben hat, welche unserer Nation wahrhaftig nicht zur Ehre gereichen und welche in dem Staate Friedrichs II. heute keinen Platz mehr haben sollten." Breslau, 31. December. (Privatmitth.) Außer Berlin bietet wohl unser Breslau das Bild eines lebhaften Kampfes gegen die Judenfresser dar, und sind deshalb wohl einige Züge aus demselben am Platze. Am meisten wird er zwischen der „Schlesischen Zeitung" und der „Schlesischen Presse" geführt. Die erstere'hatte gleich nach dem Erscheinen des bekannten Artikels des Herrn v. Treitschke im Novemberheft der „Preußischen Jahrbücher" nicht blos einen langen Auszug aus demselben gebracht, sondern ihn auch noch tendenziös zum Nachtheil der Juden geändert. Sie hob nicht allein einzelne Sätze durch gesperrten Druck hervor, sondern sie schied auch die gewichtigsten Stellen, in welchen Treitschke den Juden irgendwie gerecht wird, aus, ja einzelne Worte mitten im Zusammenhang, ohne dies auch nur anzudeuten. In der Nummer der „Schles. Presse vom 7. December wurde dieses kaum zu qualifizirende Verfahren, über welches sich schließlich Treitschke ebenso wie die Juden zu beklagen hätte, ausführlich nachgewiesen. In derselben Nummer der „Schles. Presse" findet sich auch die Erwiderung des Prof. Dr. Grätz an Treitschke. Es wird nun nicht auffallen, daß die „Schles. Zeitung", die auf jenen Nachweis nichts zu erwidern fand, schon am 23. December einen ausführlichen Auszug aus dem zweiten Artikel Treitschke's im

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