Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1880)
- Date
- 1880-01-20
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227289--37755-3306923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
38 oder au<$ wiederholte mißlungene Versuche können hier nichts j beweisen — derselbe den Synagogenbesuchern so lieb geworden I ist, daß sie ihn durchaus nicht wieder missen möchten und mit demselben Eifer für ihn eintreten würden, der anderswo berj Erhaltung eines N22 oder pipa zugewendet wird. In der hiesigen Gemeinde, wo der einstimmige Choral mit Orgelbegleitung seit länger als 35 Jahren eingeführt ist, würde, wenn es sich etwa um Wiederbeseitigung desielben handeln sollte, gerade der orthodoxere Theil der Gemeinde, der seiner Zeit der Einführung großen Widerstand entgegengesetzt hatte, sich jetzt gewiß entschieden für die Beibehaltung aussprechen. „Greift die Gemeinde nicht mit ein" — ja dann ist es freilich nichts mit der Sache. Aber die Gemeinde soll ja eingreifen und wird eingreifen, wenn jedes Mitglied den Text der Gesänge in Händen hat, und eine einfache Choralmelodie — das steht erfahrungsmäßig fest — braucht nur zwei bis drei Mal unter Orgelbegleitung gesungen zu werden, um jeden Synagogenbesucher in den Stand zu setzen, mitzusingen. Auch ist von einsichtigen und erfahrenen Herausgebern deutscher gottesdienstlicher Gesänge die Berechtigung des Chorals durch Aufnahme solcher in ihre Sammlungen stillschweigend anerkannt worden'), obgleich auch diese Männer vielleicht anfangs Gegner des Chorals in der Synagoge gewesen sein mögen, wie Schreiber der gegenwärtigen Zeilen dieses von sich offen eingesteht. Zu bedauern ist nur, daß so wenige Originalcompositionen zur Verfügung stehen und man — wie in der Johlson'schen Sammlung und dem Württembergischen Gesangbuch fast ausschließlich und in dem Hamburger Tempelgesangbuch zum großen Theile — auf die Choralmelodien der evangelischen Kirche angewiesen bleibt. Hier eröffnet sich für jüdische Componisten ein schönes Feld der Thätigkeit, das bereits von verschiedenen mit gutem Erfolge angebaut wird. Wir muffen also auf Grund unserer Ausführungen dem Ausspruche: „Der Choral ist in der Synagoge unbedingt zu verwerfen", nicht nur unsere Zustimmung versagen, sondern glauben vielmehr, daß da, wo man dem deutschen Gesänge überhaupt Eingang in die Synagoge verstattet, dem einstimmigen Choräle, von der ganzen Gemeinde mit Orgelbegleitung gesungen, eine bevorzugte Stellung gebührt und diese ihm mit der Zeit jedenfalls werden muß. 1) Beispielsweise enthält das vortreffliche „Kleine israelitische Gesangbuch" von vr. Ludwig Philippson unter 20 Melodien deren 8, die im strengen Chocalftile gehalten sind und nach welchen 18 von den 52 Liedern der Sammlung gesungen werden sollen. Corresp. 'ettuucj 6ll etc ßticfat CU Deutschland. Berlin, I. Januar. iPrivatmitth.) Aus dem ofsiciellen gestellte Frage, ob die 70. Gemeindeschule, wo der Fall vorgekommen, eine confessionelle oder eine Simultan-Schule sei, erwiderte Stadtschulrath Dr. Bertram, daß nur bei einigen Gemeindefchulen, wegen der vorhandenen Stiftungen der Berichte, welchen der Stadtschulrath Dr. Bertram über die j evangelische Charakter und bei von der Stadt übernommenen beiden Fälle abgab, in welchen jüdische Lehrer christlichen, katholischen Gemeindeschulen der katholische Charakter gewahrt Religionsunterricht ertheilt haben sollten, heben wir folgende werden muffe, daß aber bei den meisten Gemeindeschulen die Angaben noch hervor: „Unter den bei den städtischen Gemeinde-^ Stadt vollständig freie Hand habe in der Anstellung von schulen beschäftigten 151)7 Lehrern und Lehrerinnen befinden Lehrern aller Confessionen, wie ja auch darin Kinder aller sich 2 jüdische Lehrer und 12 jüdische Lehrerinnen. Die Confessionen unterrichtet werden können. Die Kinder der hiesigen städtischen Gemeindeschulen besuchen ca. 000 jüdische j jüdischen Confession bilden jedoch nur einen kleinen Bruchtheil Kinder und wenn man auf 50 bis > Kinder eine Lehrkraft; gegen die evangelischen und katholischen Kinder." rechnen nruß, so ist das hier geschilderte Lerhältniß der Lehrer i Berlin, 2. Januar. (Privatmitth.) Meiner Zusage zu- und Lehrerinnen jüdischer Religion keinesw.'gs ein übertriebenes, folge gebe ich hier eine kurze Analyse des in der „Voff. Z." Von den beiden angestcllten jüdischen Lehrern ertheilt der eine vom 24. v. M. enthaltenen Artikels „eines unbefangenen christan der 84. Gemeindeschule den jüdischen Mädchen, der andere; lichen Beobachters." Der Verf. kommt nach einem längerem an der 80. Gemeindeschule jüdischen Knaben Religionsunter-' Aufenthalte im Auslande nach Berlin zurück und ist erstaunt richt. Die 12 Lehrerinnen sind an verschiedenen Schulen be-! über die Stimmung, die er daselbst vorfindet. Ein Freund schäftigt, doch kann mit Bestimmtheit erklärt werden, daß kein! sagt zu ihm: Lehrer und keine Lehrerin jüdischer Confession beauf- „Wir leben hier seit Wochen und Monate in der tollsten tragt oder aufgesordert worden ist, christlichen! Judenhetze. Man sollte Dinge, wie sie hier alltäglich Vorfällen, Religions-Unterricht zu ertbeilen, da dies auch gegen > kaum für denkbar halten am Ausgange des neunzehnten Jahrdie bestehende Vorschrift verstoßen würde." -! Hunderts in der Reichshauptstadt, im Mittelpunkte Preußens, Ferner: „Auf die vom Stadtverordneten 0r. Langenbans | welches man mit Stolz den Staat der Intelligenz nennt, und