Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1880)
- Date
- 1880-01-13
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 auferlegt. Wem von diesen seine Mittel es nicht erlauben, sich! die Mitgliedschaft zu erkaufen, der kann dies Unterlasten, wird ' aber gleichwohl ausgenommen, noch dazu mit einer Auszeichnung, die noch mehr den Verein ehrt, als den Betreffenden. Mit dem Zeremonie!, wie wir es hier kurz angedeutet haben, sind in den zehn Tagen vom 9. d. M. Vormittags bis! 17. d. 6 Uhr Abends, 492 Mitglieder in den Verband des „Heiligen Vereins" ausgenommen worden, und zwar 27 Doctoren und andere Personen, die besondere Berücksichtigung verdienen, ohne Aufnahmegebühren: die Uebrigen spendeten für den Fond des Vereins und für das Siechenhaus zusammen 20,542 fl., 120 Francs und 5 Ducaten. Nachdem dieses Resultat verkündet war, hielt der Prediger Or. Kayserling zum Beschluß eine Ansprache, in der er den Eifer des Vereins in der Ausübung der Wohlthätigkeit mit schönen schwungvollen Worten feierte. Dr. Adolf Dux. Budapest, 23. December. (.Privatmitth.) Aus Anlaß der jüngst veranstalteten Aufnahme neuer Vereinsmitglieder wurde in der vorgestern abgehaltenen Ausschuß-Sitzung der Chevra-Kadischa beschlosien, nach der bisher üblichen Gepflogenheit von den eingeflosienen Aufnahmegebühren außer den bereits gespendeten 209 fl. zur Errichtung der Wärmstuben und des Asyls für Obdachlose noch folgende Spenden zu widmen: an das Pensions-Institut für Angestellte der Religionsgemeinde, und der Ehevra-Kadischa 500 fl., an das israelitische Taub-; stummen-Jnstitut 500 fl., an das israelitische Knaben-Waisen- - Haus 200 fl., an das israelitische Mädchen-Waisenhaus 200 fl.,! an die israelitische Speise-Anstalt 200 fl., an den israelitischen! Handwerkerverein 337 fl., zusammen 1937 st. Ferner wurde' beschlossen, angesichts der gegenwärtig herrschenden außerordent-! lichen Roth zweitausend Gulden zur Dertheilung an! dürftige Familien zu votiren. j Frankreich. Paris, 18. December. DieA^istunc-e publique (das allgemeine WohlthätigkeitscomitO) von Paris, der jetzt bekanntlich die clericale Partei alle ihre Beiträge entzogen hat, weil sie sich von ihr nicht beherrschen lasten will, macht die ihr jetzt zufließenden Beiträge zur Linderung der Roth in Paris bekannt. Sie hatte in 24 Stunden 178,000 Francs erhalten, darunter waren 172,500 Francs von Juden, wie die Liste erweist. Nach dieser ersten Liste folgten noch andere, die aber sämmtlich den Wohlthätigkeitssinn der Juden in's hellste Licht stellen, da diese einen sehr bedeutenden Theil zusteuerten. — Auf Kosten einiger jüdischer Familien ist eine gute koschere Volksküche eröffnet worden, in der aber alle Hungrigen ohne Unterschied der Cvnfession gespeist werden. — Dagegen hat der „Figaro" aus seiner Sammlung für die Armen 25,000 Francs an den Großrabb. Zadok Cahn für die israel. Armen geschickt. und zwar in Anerkennung der großen Betheiligung der Israeliten an seiner Sammlung. — (Nach den Arch. isr.) Paris, 26. December. lPrivatmitth.) Der General Lambert Israelit) ist durch Decret des Präsidenten der Republik zum Platzcommandanten von Paris ernannt worden. Dieses Amt hat ebensoviele politische wie militärische Wichtigkeit. — In dem '1'b4ütr6-c1u-L'büt6Lu-ck'L3.u wird jetzt ein Drama „Israel" gegeben, und dies bot mehreren Pariser Journalen die Veranlastung über die Juden, ihre Geschichte und gegenwärtige Situation Artikel zu schreiben. Einen höchst perfiden brachte der grundsatzlose und nur nach Pikantem suchende „Figaro," was um so mehr zu verwundern, als derselbe 4 jüdische! Mitarbeiter, Marx, Millaud, Mortier und Wolf, hat. Haben denn diese Männer kein Ehrgefühl im Leibe? Ihm nahe kommt j der bonapartistische „Gaulois." Dagegen enthält die „Liberts" vom 22. December einen sehr würdigen Artikel, aus welchem j wir vielleicht in nächster Nummer einige Auszüge bringen! werden. Großbritannien. London, 20. December. Bekanntlich hat der Expremier > Gladstone, der ehemalige Führer der Liberalen in England, weil ihm die liberalen Juden in seinem Zelotismus gegen die Türkei nicht folgten, gegen jene und das Judenthum selbst seine Zornausbrüche ergoffen. Von unsern heutigen Staatsmännern kann man aber am wenigstens Confequenz erwarten. Gladstone hat die Bitte eines Schefsielder Juden, sich der Rechte seiner Glaubensgenosten im Osten Europas anzunehmen, zu einem Versuch der Beeinflussung der jüdischen Stimmen bei der Schefsielder Wahl benutzt. Der Versuch isr nicht sehr geschickt angestellt, und es ist sehr ftaglich, ob er den gewünschten Zweck erzielt. Gladstone macht den Juden, und zwar nicht allein in England, sondern auch namentlich in Deutschland und Oesterreich, einen Vorwurf daraus, daß sie sich der toleranten Türkei sympathisch gezeigt haben, während sie für die Rüsten, welche ihre Glaubensgenosten bedrücken, und die Serben und Rumänen, welche jedenfalls für die Juden kein sehr warmes Herz haben, wenig Theilnahme an den Tag legen. Soll ich euch im Orient helfen, sagt nun Gladstone, so müßt ihr Juden mir auch hier in England helfen, sonst benehmt ihr mir die Fähigkeit, für euch etwas zu thun. Das kommt also auf einen Handel hin, den Gladstone vorschlägt, aber — das Vertrauen fthlt. Rumänien. Bonn, 25. December. Man schreibt aus W ash ington Der Staatssecretär Evarts hat den amerikanischen Gesandten in Wien angewiesen, den Abschluß eines Handelsvertrages mit Rumänien zu verschieben, bis das Fürstenthum die Bestimmungen des Berliner Vertrages, welche sämmtlichen rumänischen Unter-