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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-13 · Heft 2 (13.1.1880) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 2 (13.1.1880)
Date
1880-01-13
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 des deutschen Judenthums erwiesen und sich in heftiger, ja! Duell zwischen den beiden Herren weiter vor sich gehen: wir, sogar kränkender Weise gegen alle Schöpfungen des neueren! im Sinne der deutschen Juden, muffen uns jede Consequenz Judenthums, namentlich auch gegen jede Reform des Gottesdaraus, so weit sie uns beträfe, verbitten. Auf den statistischen dienstes ausgesprochen. Wir hatten also denselben Geist in > Theil der Entgegnung Treitschke'S kommen wir zurück, dem letzten Bande seiner Geschichte zu erwarten, hielten ihn ' für die historische Bearbeitung der Geschichte des neuern, Judenthums nach außen und nach innen, in deffen Geist und! Ueber die Schrift von Paulus Cassel erhalten wir Verhältniffen, nicht für geeignet, und sahen uns deshalb, da! folgende Zuschrift: Grätz jede Prüfung und event. Aenderung seines Manuscriptes! Berlin, 26. December. ablehnte — er wußte wohl warum— zum Abbruch der Ber-! „Schütz' mich, Gott, vor meinen Freunden, vor meinen bindung mit ihm genöthigt. Wir bestreiten Herrn Profeffor Feinden will ich mich schon selber schützen." Das war, ich i nicht das Recht, seine persönlichen Ansichten kundzugeben; gestehe es ein, meine Voreingenommenheit, mit welcher ich die kleine Schrift in die Hände nahm, in welcher Paulus Caffel aber wir bestreiten Jedermann das Recht, aus den Aeußerungen eines einzelnen Schriftstellers auf die Ansichten und sich auch berufen fühlte, mit Herrn v. Treitschke eine Lanze Gesinnungen einer Gesammtheit zu schließen, der er gerade für die Juden zu brechen, und cs haben auch die warmen angehört. Herr v. Treitschke hat wohl selbst die Erfahrung! Worte, die er zu Gunsten seiner früheren Glaubensgenossen gemacht, daß ein ziemlicher Absatz eines Buches noch lange auf den ersten Seiten seines Schristchens sagt, mein Vornicht erweist, daß die Käufer deffelben mit den darin ge-!urtheil gegen seine Vertheidigungsschrift nicht überwinden äußerten Ansichten übereinstimmen. Treitschke versteigt sich! können: denn ich habe in dem äußerlich so fromm erscheinenden daher abermals zu einer unbegründeten Behauptung, wenn er Lammfell während der Lectüre stets den Wolf zu erspähen sagt, daß das Werk von Grätz für die deutschen Juden ein Standard work sei, wobei er freilich wieder emlenkt und sagt: „leider für einen Theil der deutschen Juden." Es ist die alte machiavellistische Methode: das Werk des einzelnen Autors giebt die Gesinnung eines Theiles, dieser Theil vertritt das >nze, und die Anklage fällt auf die Gesammtheit'. geglaubt, der ihm aus den Augen guckte. Es konnte aber auch nicht anders sein. Auf der Seite 23 seiner Replik an Treitschke lüftete sich das Lammfell und der Wolf war demaskirt. — „Die Emancipation hat den Juden viele Möglichkeit gebracht, ihre Kräfte zu entwickeln", sagt Paulus Caffel, „aber zugleich auch viele Gelegenheit gegeben, ihre alten Sitten Geschichtswerk von Grätz hat bedeutende Verdienste. Wenn! der Reinheit und Frömmigkeit des Hauses zu verderben. Man es auch an streng wiffenschastlicher Haltung dem Geschichtswerke von Jost <„Geschichte des Judenthums und seiner Secten", welches ebenfalls von dem gedachten „Institut" herausgegeben worden) nachsteht, so ist es dafür lebendiger, wärmer, ausführlicher und populärer. Durch diese Eigenschaften erlangte es seine Verbreitung, und zwar nicht blos bei den Juden, denn das häusige Citiren deffelben in Werken christlicher Gelehrten, deutscher, französischer und englischer, erweist, daß es auch bei diesen Anerkennung gefunden. Dabei stützt es sich auf eigene und meist gründliche Studien und benutzt Duellen, die sich seinen Vorgängern noch nicht erschloffen hatten. Nun ist cs aber merkwürdig, wie gerade Männer von gleichen Eigenschaften am ehesten an einander die Schwächen herausfühlen. Treitschke und Grätz sind beide als Geschichtsforscher Parteigänger und Romantiker, dabei erpicht, eigenthümliche Ansichten zu haben und deshalb zu Hypothesen geneigt. Der Parteimann Treitschke fühlte an dem Geschichtsschreiber Grätz dieselben Eigenschaften heraus und klagte ihn deshalb an, sofort sich deffen bedienend, um die Juden überhaupt zu verurtheilen. Niemand wird deshalb geeigneter sein als Grätz, an Treitschke daffelbe Gericht zu Vollstrecken, nur daß er sich wohl hüten wird, aus Treitschke ein Urtheil über die ganze deutsche Nation ziehen zu »vollen. Mag nun das machte sie politisch und weil das Evangelium nicht folgte, religiös und gemüthlich leer." — Paulus Cassel in Reih' und Glied Derer zu sehen, die mit offenem Visir ihre Lanzen für die gekränkte Judenheit einlegen, muß frappiren, ja Sensation erregen. Wer aber in dem Schriflchen die angeführte Stelle auf Seite 23 mit einiger Aufmerksamkeit liest, wird bald sehen, daß der Verfaffer pro domo spricht. Jeder wahrhafte Jude wird bei Turchlesung dieser Zeilen den ihm wenig sympathischen Judenbekehrer, den Missionär von Profession wieder finden, der sich in einen Streit mischt, aus dem er seinen eigenen Vorthcil zu ziehen erhofft. — Wie denkt sich Paulus Caffel, daß das Evangelium der Emancipation der Juden folgen solltet Meint er, die Juden hätten aus Dankbarkeit für die Emancipation sofort alle in corpore sich müssen freiwillig taufen lassen? Wenn sie das gewollt, würden sie ja der Emancipation nicht bedurft haben und hätten somit für nichts zu danken. Will er aber sagen, man hätte die frei gemachten Juden unfreiwillig, also mit Gewalt zur Taufe führen sollen, wo bleibt dann die ihnen gewährte Freiheit? wo die Emancipation? Was würde zu solcher Logik der alte Jude, der Vater jenes jungen Doctors sagen den Paulus Cassel in seiner Schrift citirt? i) Ter Leiter sagt nämlich: sein Lohn näre ein Chanwr.

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