Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1880)
- Date
- 1880-01-06
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Feuilleton. Die deutsche« Soldaten jüdischer Religion im deutsch-! ‘m benen bie betreffenden Persönlichkeiten keinen Sinn für allfrauzöfischen Kriege 187V_71.! gemeine Interessen haben und deshalb für solche eine Mühe- Jn jüngster Zeit haben die judenfeindlichen Blätter und Pamphlete die Behauptung aufzustellen gewagt, daß die Juden in nur geringer Anzahl den Militärdienst leisteten, stch demselben zu entziehen wüßten, so daß die Zahl der jüdischen Soldaten eine sehr geringe wäre, was auch im deutsch-französischen Kriege der Fall gewesen, so daß damals kaum 1000 in den deutschen Heeren gedient hätten. Man fordette uns von verschiedenen Seiten auf, dem entgegenzutteten. Hierzu wird Folgendes am besten dienen. Durch die Erfahrung belehrt, setzten wir eine künftige derattige Behauptung schon 1S7<) während des Krieges voraus, und um eine thatsächliche Widerlegung für alle Zeit möglich zu machen, veröffentlichten wir 1871 das „Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 für die deutschen Israeliten" (Bonn, Selbstverlag der Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judenthums 1871). Wir erließen nämlich noch während des Krieges eine Aufforderung an die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland, uns die Verzeichniffe der aus ihren Gemeinden im Heere dienenden Soldaten zuzusenden, und richteten, wo die Vorstände dies unterließen, daffelbe Gesuch an die Rabbiner und Lehrer. Wir versandten eine große Anzahl desfallsiger Cirkulare und wiederholten unseren Aufruf in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums." Dennoch konnten wir nicht auf eine nur annähernd vollständige Erfüllung unseres Gesuches rechnen. Was wir an Verzeichniffen erhielten, veröffentlichten wir in dem „Gedenkbuch." Es heißt daselbst S. 130. „Dieses Verzeichniß der in den deutschen Heeren dienenden Soldaten jüdischer Religion während des eben beendeten Krieges ist also wohl hinsichtlich der Angaben aus den Orten, aus welchen wir Listen erhielten, als vollständig zu betrachten, aber da dies eben aus einer großen Zahl von Orten nicht geschehen, in der Gesammtheit als durchaus unvollständig zu betrachten. Zuerst sind es gerade die größten Gemeinden, aus welchen wir die Listen nicht erhalten konnten, wie Berlin, Breslau, Posen, Frankfurt am Main. Mehrere dieser Vorstände erklärten sich ganz außer Stande, die nothwendigen Notizen in irgend einer Vollständigkeit, in welcher allein sie doch Werth hätten, zusammenzubringen, da ihnen alle Mittel, dies zu bewerkstelligen, bei der Ausdehnung der Stadt und bei der Menge der Familien fehlten, und dadurch, daß eine Menge Unangeseffener aus andern Orten sich daselbst bcsindet, die Angaben unzuverlässig sein würden. Andrerseits sind es sehr viele kleinere, namentlich Landgemeinden, zu welchen unsere Aufforderung gar nicht gelangt ist, da ein Register derselben nicht cxistirt. Endlich giebt es nicht wenige, > waltung zu übernehmen nicht geneigt sind. Wenn demnach unsere Verzeichnisse nicht befähigen, Gesammtzahlen aufzustellen und einen vollständigen Ueberblick zu verschaffen, so vermögen sie doch bei sorgfältiger Prüfung einige genügende Resultate zu bieten. Hierbei ist aber zu berücksichtigen: 1) daß bekanntlich die städtische Bevölkerung stets einen geringeren Prozentsatz an Kombattanten liefert, als die ländliche, die Juden aber in ihrer großen Mehrheit der erstcren angehören; 2) daß die allgemeine Wehrpflicht seit längerer Zeit nur in den älteren preußischen Provinzen durchgesührt ist, in den annectirten Provinzen und den übrigen Ländern des norddeutschen Bundes erst seit 1867, zum Theil erst seit 1860, und ebenso in den deutschen Südstaaten. In allen diesen Ländern sind daher Reserve und Landwehr nur sehr schwach vertteten, nämlich nicht soweit sie aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgehen. Wenn daher im norddeutschen Bund die Friedensstärke auf 1 Procent der gesammten Bevölkerung sich belief, so war die volle Kriegsstärke mit Reserve und Landwehr bis zu 3 Procent nur aus den älteren preußischen Provinzen gezogen. Wir sehen daher auch die Zahl der jüdischen Soldaten an bedeutender Stärke aus diesen Provinzen hervorgegangen, aus den übrigen Ländern in schwächerem Maße, wie dies eben mit der christlichen städtischen Bevölkerung gleichermaßen der Fall war; endlich ist nicht zu übersehen, daß 3) jeder Procentsatz sich erst bei einer größeren Bevölkerunng herausstellt, weil bei kleineren Zahlen der Zufall zu einer Zeit an dem einen Orte viel, am anderen wenig junge Mannschaft bestehen läßt. Dies ist namentlich vermöge ihrer großen Zersplitterung bei den Juden der Fall, die in Gruppen von weniger als Hundert oder von einem oder einigen Hunderten an den einzelnen Orten zu verschiedenen Zeiten bald hier einen übergroßen, bald dort einen sehr kleinen Procentsatz an junger Mannschaft liefern, wie gerade an einem Orte jüngere oder ältere Familien sich befinden. Auch über die Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung konnten wir nicht aus allen Orten genügende Notiz erhalten, während diese doch nothwendig ist, um den Prozentsatz bestimmen zu können. Was wir jedoch in diesen Verzeichnissen geben, ist als völlig authentisch und sicher anzusehen, folglich eine feste Grundlage für unsere Berechnungen. Es sind überall bei jedem Einzelnen Waffe und Regiment angegeben. Die Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung in den Städten, welche mehr als 20,000 Einwohner zählen, haben wir nach den offiziellen Mittheilungen des statistischen Bureaus über die letzte Volkszählung angegeben. (Schluß folgt.)