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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-06 · Heft 1 (6.1.1880) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 1 (6.1.1880)
Date
1880-01-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Ligen reichen, ohne Ge rausch und Getöse — solche Dohlthaten, 1 Lehrer evangelischen Religionsunterricht ertheilt hätten. (Bestill und rein gegeben, find Todte, die im Grabe leben. Ein! wegung). In einem Falle wußte der betr. Hauptlehrer nicht, drittes endlich — und hier gerieth der Redner in sichtlich tiese! daß die Lehrkraft jüdisch war. (Heiterkeit). Im anderen Falle Bewegung — möge ein Jeder von diesem Todtcn lernen: wem! wußte er es, sagte aber, es komme darauf nichts an, da der gegeben werden solle? Jedem — antworte das Juden-i Unterricht in jener Stunde nur über das Alte Testament gethum, ohne Unterschied des Bekenntnisses, der das Siegel der Gottesebcnbildlichkeit an seiner Stirn trage, jedem der der Hilfe bedarf und der Förderung, jedem deffen Lage sich darstelle als eine traurige und elende, gleichviel wie er sich auch vor stelle das Verhältniß Gottes zur Welt und alle tieferen Geistesfragen und Probleme. Dafür dankte Dr. Klempner dem Entschlummerten in warmen, tief zu Herzen gehenden Worten, handelt. (Stürmische Heiterkeit)." Die Heiterkeit des Hauses kann nicht aus diesen Worten erklärt werden, sondern muß wohl aus der Vortragsweise des Redners erstanden sein. Denn daß die gedachten beiden Fälle wirkliche Unzukömmlichkeiten sowohl von Seiten des beauftragenden Hauptlehrers, als auch von Seiten der jüdischen Lehrer enthalten, ist offenbar. Selbst der Unterricht im „Alten Testament" wird von der christlichen daß er Geist und Wesen des Judenthums, dessen Kern und 1 Kirche in vielen Punkten so ausgeführt, daß die jüdische Unter- Stern diese ausnahmslos allen Menschen zugewendete Weisung nicht damit übereinstimmen kann. Die Sache ist noch Liebe sei — zu Ehren und zur Geltung gebracht. Sicherlich in Untersuchung, aber so viel geht aus den Worten Stöcker's habe auch den Verblichenen manches Wort in Rede und Schrift hervor, daß es sich nur gelegentlich um eine Stunde gehandelt, geschmerzt, das er über Juden und Judenthum gehört und1 in welcher der eigentliche Religionslehrer plötzlich verhindert gelesen, manche Aeußerung ihn, wie uns Alle, empfindlich war. Wenn übrigens der Abg. Stöcker vom veränderten getroffen, die immer von Neuem zeigen, wie selbst solche, die Geiste des Volkes sprach, so hat er Grund dazu, da seine Anzur Mündigkeit herangereift, voll Geistes Kraft und Klarheit über ererbte und anerzogene Vorurtheile sich erheben, wo es uns Juden gelte, in ihren Voreingenommenheiten verharren Wesenheit im Hause einen vollen Beweis liefert. Wenn ein Wahlkreis, der so lange Zeit durch einen Wal deck, und dann durch den wackeren Windt horst-Bielefeld vertreten war, sich dem gegenüber — das erkannte der Heimgegangene und dafür; Stöcker auserkoren hat, so muß wohl eine Veränderung in gebühre ihm unser inniger Dank — gebe es nur ein Mitder Gesinnung der Wähler eingetreten sein. Nur muß es tel — die lebendige That. die Führung und Gestaltung unseres ihm dann zum Bewußtsein kommen, daß eine solche Veränder- Wandels. 1 lichkeit wenig Bürgschaft für die Dauer bietet, sondern auch Berlin, 16. Dec. (Privatmitth.) In der gestrigen wieder einen Umschlag ins Gegentheil möglich macht. Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welcher die Elbinger Petition gegen die, durch den Minister von Puttkammer erfolgte Aufhebung der Simultanschule zur Debatte stand, nahm Die heutige Abstimmung im Abgeordnetenhause ist von besonderer Bedeutung, weniger in sachlicher Beziehung, daß über die Elbinger Petition zur Tagesordnung übergeauch der Abg. Stöcker das Wort, selbstverständlich gegen die gangen wurde, sondern weil sie zum ersten Male die Stärke Simultanschule. In seiner Redseligkeit entfuhr dem Manne! der reaktionären Parteien, wenn sie geschloffen stimmen, und manches Wort, das in seinem Munde wie eine Selbstverurdie Schwäche der liberalen Partei erwies. Die vereinigten theilung lautet. Unter Anderem sagte er: „Toleranz darf i Conservativen mit dem größten Theile der Freiconservativen, man nicht auf intolerante Weise den Leuten beibringen wollen, das Centrum und die Polen, hatten 245 Stimmen, während das ist das Grab aller Toleranz." Nun, dann ist er ein eifj die National-Liberalen und der Fortschritt nur 147 zählten, riger Todtengräber der Toleranz, die jedoch glücklicher Weise'Es ist also sicher, daß d i es es Abgeordnetenhaus Alles durchnicht todt ist und sich von solchen Leuten nicht bestatten läßt, j zusetzen vermag, worüber die Conservativen und das Centrum Ferner sagte er: „Gewiß solle man sich vor Zelotismus hüeinig find. ten, aber es gebe nicht nur Zeloten der Religion, sondern auch : Berlin, 19. Dec. (Privatmitth.) Die Judenhetzen können Zeloten des Fortschritts, und diese seien auch gefährlich." Er j als vorüber angesehen werden. Vergebens suchen der „christlichgiebt also jedenfalls zu, daß die Zeloten eine gefährliche Sorte sociale" Verein und die „antisemitische Liga" das erlöschende von Leuten sind, und Stöcker hat bekanntlich nicht wenigen Feuer wieder anzublasen. Die Welt hat bereits ihre Ohndie Meinung beigebracht, daß auch er dahin gehöre. Glückmacht erkannt, und solchen Falles geht sie kalt vor verpufften licher Weise kommt es auf die Zeloten selbst nicht allein an, i Feuerwerken vorbei. Das sicherste Zeichen übrigens, daß es gefährlich zu sein, sondern mehr noch auf die Kräfte, die ihnen j mit den Hetzereien allhier zu Ende ist, geben Herr v. Treitschke, zu Gebote stehen. Uebrigens wurde dem Abg. Stöcker diese'„Im neuen Reich", u. s. w. Denn diese Herren kommen stets — Phrase von Seiten des Hauses mit allgemeiner „Heiterkeit" zu spät. Da sie sich ihre Anregungen erst von außen holen, beantwortet. Endlich berichtet er: „In Berlin sei es sogar! so hinken sie stets hinterdrein. Dann freilich glauben sie, aorgekonnnen, in der 79. und 76 Gemeindeschule, daß jüdische den rechten Senf zu bringen — aber die Speise ist unter-

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