Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1880)
- Date
- 1880-01-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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lassen ihn nicht gelten, denn Sie meinen, dies sei gleichgültig, denn die Juden hätten das Geld und dominirten dadurch in Deutschland. Sie sagen damit nur, daß bei Ihnen und Ihren Genoffen Geld Alles sei und Alles ausmache. Die deutsche Nation wird sich hiergegen verwahren. Cie wird sagen: Kaiser und Reich, Gesetz und Regierung, Justiz und Schule, Polizei und Militär, Religion, Wissenschaft und Kunst, s i e sind es, welche das Leben der Nation ausmachen und dominiren, der deutsche Genius und die deutsche Kraft sind es, welche die Nation erfüllen und leiten'. Aber freilich, wer ein Volk von 50 Millionen durch ein Häuflein von einer halben Million, das erst seit zehn Jahren das volle bürgerliche Recht besitzt, wer ein deutsches Parlament in seinen 450 Mitgliedern von 4 oder 5 jüdischen Abgeordneten, die aber das deutsche Volk selbst gewählt hat, wer eine Tagespreise, die aus vielen tausenden Organen besteht, von 6 unter jüdischer Redaction stehenden, meist geringe politische Bedeutung besitzenden Zeitungen, wer den ungeheuren Besitzstand eines großen Volkes in Grundbesitz, Capital, Industrie und Landbau als von einer kleinen Anzahl Finanziers, von denen doch die eigentlichen Beherrscher des Geldmarktes, die Reichs- und Nationalbanken zu Berlin, Paris, London u. s. w., ganz unabhängig sind, und zu denen ein Langrand, de Kint, Philippart, Adele Spitzeder u. s. w. nicht gehören, beherrscht, überwunden, geknechtet ausgiebt, der hat eine sehr geringe Meinung von diesem Volke, eine Anschauung, welche die Nation auf's Tieft'te heruntersetzt und demüthigt. — Für die Behauptungen, die Sie aufstellen, die Anschwärzungen, die Sie in ihren Schilderungen der deutschen Juden anbringen, wisien Sie nur eine Quelle anzugeben, die Schriften des Herrn Otto Glagau. Was würden Sie sagen, wenn wir über Rom, den Papst, den Katholicismus nur Stellen aus Luther, den Reformatoren und ihren Nachfolgern, wenn wir über die Jesuiten nur Stellen aus den bekannten Schriften über die jesuitische' Moral anführten und zusammenstellten? Sie würden sagen: Das find unsre Feinde und der Haß verblendet den Geist, verdunkelt das Urtheil, verdreht die Thatsachen, läßt keine Widerlegung gelten und wühlt nur Staub und Unrath aus. Nun, das ist der Charakter unsrer Gegner, dies ihr Thun und Verfahren. Dies ist so offenbar, daß Jeder, der noch etwas Gerechtigkeit, Unbefangenheit und Einsicht sich bewahrt hat, diese schrankenlose Heftigkeit, diese geradezu wilde Leidenschaft unserer Gegner, der inneren angehäuften Wuth über die bekannten kirchen-politischen Zustände und Vorgänge in Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg zuschreiben wird, welche Wuth sie nun an den für wehrlos gehaltenen Juden auslasien. In weitere Einzelheiten einzugehen, gestattet der Raum nicht, den ich in Ihrem Blatte beanspruchen darf. Dr. Ludwig Philippson. Landsbcrg a. Ä. Warthe, 14. Dec. Die hiesige Stadt hat einen fühlbaren Verlust durch den Tod ihres Ehrenbürgers, Herrn Adolf Boas erlitten. Am 11. d. wurde er unter großer Betheiligung aus allen Ständen und Consessionen zur Erde bestattet. In der Zeit, welche wir eben in Deutschland durchmachen, gestaltet sich wie von selbst jeder öffentliche Akt zu einer absichtslosen Demonstration und darum mögen wir wohl ausnahmsweise die von Herrn Rabbiner Dr. Klemperer gehaltene Leichenrede hier skizziren. Es sei ihm — so begann Dr. Klemperer — seine Ausgabe erschwert, dadurch daß der Verklärte nach seinem Tode ausdrücklich so behandelt werden wollte, wie er bei Lebzeiten zu handeln gewohnt war, schlicht und ohne jeden Prunk und Pomp. Er wolle — dies seien seine oft wiederholten Wünsche gewesen — nicht gerühmt fein um Dinge, in denen er nur seine einfache Menschenpflicht erblicke, eine Aeußerung, in der wie in Thautropfen die Sonne das innere Wesen des trefflichen Mannes klar sich abspiegele. Nehme der Redner auch hier das Wort, so geschehe cs um einer religiösen Forderung zu genügen. Das Judenthum verlange, daß der Tod wie in der Natur, so auch für Geist und Gemüth als eine lebenweckende Kraft sich bewähre, daß wir nie von der entseelten Hülle eines Erlösten scheiden, ohne die Seele zu füllen und zu durchdringen mit den ewigen Wahrheiten. Und aus der Fülle des Köstlichen und Schönen, was dieser Todte uns lehre, se'en nur drei Momente herausgehoben. Lernen könnten und sollten wir von ihm, das rechte Verhältniß uns geben zu unserem Besitze. Wann dürfen wir denn von einem „Besitzt reden im höheren religiösen Sinne? — Etwa schon allein, wenn die Art, wie wir ihn erworben, eine sittlich unanfechtbare — gewiß, das Judenthum gebiete in erster Reihe d'e strengste und gewiffenhafteste Redlichkeit und Treue in Handel und Wandel und gegen Jedermann, damit aber allein sei nach der jüdischen Religions-Anschauung kein Anrecht erworben auf Besitz und Genuß irdischer Güter. Gott, so sagt der Psalmist, gehört die Erde und Alles, was sie füllt — und an anderer Stelle: die Himmel sind des Herrn Himmel — die Erde hat er den Menschen gegeben. Wie löst sich dieser scheinbare Widerspruch? Und die Weisen antworteten: Beides ist wahr. Gott gehört und nicht uns, was wir errungen, so lange wir es lediglich für uns, im Dien':e unserer eigenen Jntereffen, unserer Selbst- und Genußsucht verwenden, uns aber sei es von Gott erst dann ganz zu eigen gegeben, wenn alle Habe das wird in unseren Händen, wozu sie uns verliehen, eine Leuchte, mit der wir das Dunkel der Armuth und die Nacht ihrer Leiden erhellen. Und ein zweites könne das vollendete Leben des Edlen uns lehren, w i e wir geben und spenden sollen. So, daß wir auch hierin der Natur nachahmen, die nach dem Ausspruche eines der größten deutschen Dichter, der mit Recht „der Sänger der Annen" genannt wurde, laut nur sei, wo sie zeneißt und zerstört, still stets da, wo sie erschafft und erbaut. So sollten auch wir echt menschlich gesinnt, was wir von ihr gewonnen, still d?n Turf-