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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-06 · Heft 1 (6.1.1880) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 1 (6.1.1880)
Date
1880-01-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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leiten, oder die Thorah sei nicht von Gott gegeben, oder ein Epikuros." Der Zusammenhang lehrt, daß hier von einem jüdischen Epikuros die Rede ist. Wir haben hier offenbar drei aufsteigende Kategorien; die erste, welche die Herleitung des Auferstehungsdogma aus der Thorah selbst verneint, und dies thaten die Sadducäer; die zweite derer, welche die göttliche Offenbarung leugnen, also eine geradezu als ketzerisch betrachtete Klaffe, und endlich die der Epikorßim, worunter hiernach nur ausgesprochene Gottesleugner verstanden werden können. Jndeß mit der Zeit mochte wohl eine solche extreme Opposition gegen das Fundament des Judenthums immer mehr verschwunden sein, so daß in Folge deffen auch der Sinn der Bezeichnung Epikuros sich zu dem des Verächters des Gesetzes, ja nur der traditionellen Auslegung zusammenzog Denn im jerus. Talmud Sanhedr. 1l, 27 wird Epikuros dahin erklärt: „Wie Jemand, der verächtlich spricht: jenes Buch! oder jene Rabbinen."*) Ja, der Ausdruck: „das sieht, wie Epikuräismus'" oder die Frage: „Sieht dies nach Epikuräismus aus?" wurde von ganz einzelnen Dingen gebraucht und z. B. eine Aeußerung gegen die Aufnahme des Buches Esther in den Kanon der heil. Schrift für epikuräisch angesehen ^). Legen wir uns dies geschichtlich zurecht. Die traditionelle Entwickelung der Lehre und des Gesetzes mußte auf ihrem Wege naturgemäß Gegner finden, und zwar zunächst solche, welche auf dem Fundamente des Judenthums, der Thorah, standen, aber die traditionelle Auslegung nicht annahmen, indem 1) Talm. jerus. Lrmbeär. 27. 4- 171 ITyb '211 J2nV 1 p21 1281 \712 128 .171711 8122 si18 1281 j7l2 128 2) SLndeär. 100, 1; Erub. 63, l: n77in2 12 872 '871 '2 8.111^282 und 'ni1p28 '2 17V2 122 8212 '81 '2. sie sich an den Buchstaben und buchstäblichen Sinn der Schrift hielten. So entstanden die aristokratische Sekte der Sadducäer und die demokratische der Pharisäer, denen sich alsbald auch i politische Momente einmischten. Daß neben ihnen auch der Orden der Effäer bestand, war gleichgültig. Mit dem Falle der Nation und dem Verschwinden der politischen Unterlage verloren diese Sekten ihren Bestand, da das traditionelle Gesetz immer mehr in das Volk eindrang und es vollständig zu beherrschen begann. Unter der Einwirkung der Fremdherrschaft und dem Einfluß ftemder Bildung hatte aber auch der heidnische Atheismus und Materialismus seinen Einzug gehalten, konnte aber innerhalb des jüdischen Stammes nur vereinzelte Anhänger finden, deren Zahl nach Zeit und Umständen wuchs und abnahm, eine Zeit lang fast bedrohlich wurde, dann aber, je mehr die Juden vor der heidnischen Macht und der Ausbreitung des Cbristenthums sich zurückzogen, gänzlich verschwand. Der Skeptizismus athmete nur noch in einem Gegensätze zur Tradition, nicht aber mehr in atheistischer Anschauung — bis dieser Gegensatz später, nachdem der Talmud längst abgeschloffen, in den Karäern auferstand und sich zu einer immerhin verhältnißmäßig kleinen, aber dauerhaften Sekte systematisch ausbildete *). Von atheistischen Regungen war fortan im Schoße des jüdischen Stammes keine Spur mehr, wie wir weiterhin sehen werden. Jndeß war das Judenthum zu einem neuen Kampfe nach Außen herausgefordert. ' (Fortsetzung folgt.) l) 760 durch An an. Daß dieser nicht wenige Vorgänger gehabt, können wir hier nicht verfolgen; f. Fürst, Gesch. des Karäerthums I. Abschn. 1. 6u,occßtidateit. Deutschland.; wir uns um so eher bestimmen ließen, als unsre dortigen! Glaubensgenoffen es wünschten. Sie lautet folgendermaßen: Bonn, 19. December. (Privatmitth.) „So weit die deutsche Zunge klingt," bis an die letzten Grenzen des deutschen Wortes, haben es die ultramontanen Preßorgane zu ihrem täglichen Geschäfte gemacht, die schmählichsten Angriffe gegen die Juden zu erbeben und diese Manifestationen eines geradezu unerklärlichen Ingrimmes überall und immerfort zu häufen. So brachte jüngst das „Luxemburger Wort," ein Tageblatt, wie alle ultramontanen „für Wahrheit und Recht" (lll), drei Artikel von der schlimmsten Sorte gegen die Juden. Im dritten Artikel beliebte es dem Scribenten, unsren Artikel in Nr. 12 „wider Marr" zu citiren und eine Stelle daraus anzuführen. Dies gab uns die gesetzliche Handhabe, um in dem Blatte selbst (vom l 8. b.; eine Entgegnung abgedruckt zu verlangen, wozu Entgegnung. Herr Redacteur! In Nr. 269 Ihres Blattes richten Sie einen Angriff gegen mich, und auf Grund des Gesetzes fordere ich daher den Abdruck folgender Erklärung. Sie citiren' einen Satz aus einem meiner Artikel und nennen den letzteren „sehr seicht". Sie mögen hierin Recht haben, wenn man ihn mit der tiefen, tiefen schwarzen Fluth der gehässigsten Schmähungen, Verleumdungen, Verdrehungen, Uebertreibungen vergleicht, welche über die deutschen Juden und I die deutsche Nation zugleich — ich werde dies letztere erweisen — ^ausgegoffen wird. Meinen Nachweis, daß in allen deutschen! Staatsregierungen, mit einer einzigen Ausnahme, kein Jude angestellt sei, muffen Sie zwar als richtig anerkennen, aber Sie

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