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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-06 · Heft 1 (6.1.1880) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 1 (6.1.1880)
Date
1880-01-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 dem Götzendienst ergeben war*', und selbst Jesajas II. noch stark und mit Glück gegen Vielgötterei uud Götzenbildnerei polemisirt, so setzen sie doch voraus, daß im Ganzen das Heidenthum aus dem Volke im Exil geschwunden war. Selbst die rigorosen Maßnahmen Nehemia's zum Schutze des Sabbalhs und zur Abwehr des durch Verheirathung mit fremden Weibern geförderten Heidenthums konnten sich nur auf die Ergebenheit des gesammten Volkes für die Gotteslehre stützen. Jntereffant ist die Frage, ob innerhalb dieses Sieges der Gotteserkenntniß nicht doch innerlich die Skepsis aufgetreten und sich ein Terrain gewonnen habe. Allerdings haben wir dafür in der heiligen Schrift selbst zwei Zeugniffe. Aber diese Skepsis nagte doch durchaus nicht an der festen Grundlage der Gotteserkenntniß selbst. Im Buche Hiob findet sie einen Ausdruck für die Frage über den ethischen Inhalt der göttlichen Vergeltung; in Koheleth über den ethischen Inhalt des menschlichen Lebenswandels. In beiden wird sie überwunden, dort durch die Lehre von der höheren Zweckmäßigkeit des göttlichen Waltens in der Natur und Menschenwelt, hier durch die Lehre vom göttlichen Gericht und der Forderung des Gehorsams gegen die von Gott gegebenen Sittengesetze. Aber auch in der Zeit der ttaditionellen Entwicklung begegnen wir einigen wenigen Andeutungen des Skepticismus. Bekanntlich lehrte der griechische einer giftigen Schlange und alle ihre Worte wie brennende Kohlen." Wir erfahren hieraus, daß aus den Lehrhäusern der Weisen auch Männer hervorgegangen, welche nur das Gift der Sophistik daraus gezogen hatten und ihre Kenntniß der Lehre nur dazu anwandten, um diese zu untergraben und mit ihren dialectischen und sophistischen Künsten zu vernichten. Der eine Elieser warnte daher, aus den Worten der Weisen Zweideutigkeiten und Zweifel, hernach gar Gründe des Unglaubens zu ziehen: der andere forderte auf, auch die Einwände der Gottesleugner kennen zu lernen, um ihre Widerlegung anzutteten und sich hierzu durch einen Aufblick zu Gott, dessen Sache man vertheidigt, zu stärken.') Ja, es müssen solcher feindseligen Angreifer damals — nach dem Falle Jerusalems — recht viele gewesen sein: denn bei dem Tode eines anderen Mitschülers unsers Eliesers b. Aroch, des Josua b. Cbananja wehklagten die das Sterbelager umringenden Gelehrten: „wie wird es uns nunmehr durch die Epikuroffin ergehen!" worauf er sie auf Jerm. 49, 7 verwies.-) Der Ausdruck Epikuros war also, wie wir aus obiger Sentenz sehen, ein schon ganz gewöhnlicher, da er ohne Erklärung hinzuzufügen gebraucht wird, und man legte sich ihn zurecht, indem man ihn mit dem Worte -£2 ethymologisch verband „ein fteies sittenloses Leben führen, Bibelstellen in ketzerischer Weise erklären." Gerade aber weil in Philosoph Epicurus um 305 v. d. gew. Ztr. in Athen, daß! unserer Sentenz israelitische Gottesverächter verstanden werden, das Vergnügen das höchste Gut fei. Seine Schule, in welcher wurde später eine Erklärung derselben dahin gegeben, daß sie der ethische Gedanke, den der Urheber des Systems noch festnur hinsichtlich eines nichtisraelitischen Freidenkers gelte, während gehalten, allmälig verschwand, verbreitete sich weithin und! ein israelitischer durch Wiederlegungen nur noch schlimmer blühte Jahrhunderte lang in der griechischen und römischen werde.") Es wurde also empfohlen, sich mit einem jüdischen Welt. Noch zu des großen Hillel Zeit besaß Philodemos aus, Epikuros in keinen Stteit einzulassen, weil derselbe in seiner Gadara (um 56), von welchem wir noch 34 Epigramme be-! Verachtung des Gesetzes die ihm entgegengestellten Sätze nicht sitzen, großes Ansehen. Aber der Name Epicuräer hatte den anerkennt oder so verdreht, daß ein für ihn günstiger Sinn Sinn von Gottesleugner und Wüstling bekommen, wie ihn z. B. Seneca in dieser Bedeutung gebraucht. Nun begegnen wir in der Spruchsammlung Pirke Aboth einer Sentenz des Eleasar b. Aroch, eines Schülers des Jochanan b. Saccai, also eines Zeitgenossen der Zerstörung Jerusalems (2, 19): „Sei wachsam im Studium des Gesetzes, wisse, was Du dem Epicuros zu antworten habest, wisse, wessen Sache Du vertheidigst und daß der Herr Deiner Arbeit Dir den Lohn Deines daraus entspränge, was ihm bei seiner Sachkenntnis um so leichter gelänge. Hingegen solle man tapfer gegen den nichtisraelitischen kämpfen, da man hier mit ganzem Nachdruck die Lehre und das Gesetz entgegenstellen konnte. Und in der That war es wohl oft den unter ftemden Nationen weilenden jüdischen Gelehrten bei der weiten Verbreitung des philosophischen und populären Atheismus und der Sophistik, die diesem zu Gebote stand, eine schwere Aufgabe, den Gottesleugnern muthig Wirkens zahlet." Hier liegt die Frage nahe, was unter i entgegenzutreten, wozu sie sich durch den Aufblick zu Gott zu „Epicuros" zu verstehen und ob ein israelitischer oder ein I stärken hatten. Aber auch die angeführte Erklärung deutet ftemder Widersacher gemeint sei? Hinsichtlich des letzteren immerhin an, daß in Israel selbst der Skeptizismus seine Momentes müssen wir uns für einen solchen aus Israel selbst Anhänger gefunden hatte. Dies bestätigt eine andere bekannte erklären, wenn wir den Ausspruch seines Mitschülers, des! Mischnastelle (Sanhedr. 10, 1): „Jeder Israelit hat Antheil Eliesers b. Hyrcan, in Betracht ziehen: „Wärme Dich am an der zukünftigen Welt; keinen Antheil haben, wer behauptet, Lichte der Weisen, komme aber ihren Kohlen nicht zu nahe,! die Auferstehung der Todten sei nicht von der Thorah herzudaß Du Dich nicht verbrennest, denn ihr Biß ist der eines! - Fuchses, ihr Stich der eines Scorpions, ihr Zischen wie von! *> bie der Pirkc-Abmh, Jahrg^r- 2. 354 ff. __ r ' V -yj 2) Chag. 5, 2: pDTTIp^NO T*nn 'SO iT7 TOS 3) Sanhedr. 38, 2: TO3 DTOTOX *6» W N*? ‘ 'so -ip2tr ptr bi tow ompsK 1) Jes. Cap. 57; 66. 17.

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