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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-24 · Heft 52 (24.12.1878) · p. Seite 822

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 52 (24.12.1878)
Date
1878-12-24
Page
Seite 822 (sequence 6)
Language
German
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822 Zeitung ist diese Notiz dann in viele andere Blätter übergegangen, so daß Dr. L. überall als der Entdecker des Ursprungs jenes epochemachenden Märchens gepriesen wurde. In Wirklichkeit aber ist diese Entdeckung bereits vor 22 Jahren von Dr. Wiener Hierselbst gemacht und in einem im dritten Jahrgange von Joseph Wertheimer's Jahrbuch sür Israeliten unter der Ueberschrift: „Das Märchen von den drei Ringen auf seinen Ursprung zurückgeführt und in seinen verschiedenen Relationen gewürdigt" enthaltenen Aufsätze veröffentlicht worden, in welchem nicht allein auf die verschiedenen Relationen des mehrgedachten Märchens hingewiescn wurde, welche sich in dem Decamerone von Boccaccio, in der unter dem Namen Onto novelle antiche bekannten italienischen Novellensammlung, in den Gesta Komanorum in dem Fortunatus Siculus von Bussone da Gubbio und im Schewet Jehuda finden, sondern auch der Nachweis gegeben ist, daß die letztere, wie sie die älteste und ursprüngliche ist, auch die meiste historische Glaubwürdigkeit und den größten ethischen Werth hat, so daß wir in der geistreichen Weise, mit welcher der Jude die ihm vorgelegte, so verfängliche Frage beantwortet, ein Product jüdischen Scharfsinnes zu erblicken haben. In Hamburg bat die Frage über die Verwaltung der Fnedhöse, ob dieselbe kirchlichen oder coinmunalen Characters sein soll, nach langen Verhandlungen dadurch einen endgiltigcn Abschluß gefunden, daß bereits im vorigen Jahre ein Theil des Centralfriedhofes bei Ohlsdorff, eine Stunde von Hamburg, eröffnet und durch einen Redeact des Senators Dr. Versmann cingeweiht wurde. Damit war der communale Character im Voraus angedeutet. Nach den mit den Kirchenbehörden, den katholischen, reformirten und israelitischen Gemeinden geführten Verhandlungen haben dieselben das Zugeständniß machen müssen, daß lediglich der Staat dir Verwaltung besorge und die Geistlichen nur wie bisher die kirchlichen Functionen an den einzelnen Gräbern auszuüben haben. Alle Einnahmen und Ausgaben gehen für Rechnung des Staats. Dagegen hat der Staat seine Absicht, für alle Confessio nen nur eine gemeinsame Grabstätte festzustellen, nicht durchzuführen vermocht. Die Katholiken machten die exorbitantesten Ansprüche, die der Senat ohne Weiteres von der Hand wies und die Israeliten verlangten einen Friedhof auf ewige Zeiten, weil nach jüdischem Ritus das Grab eines Todten nie wieder umgcgrabcn werden dürfe. Sie wollten sich schließlich mit ihrem Friedhofe auf das benachbarte Gebiet Preußens flüchten. Nunmehr aber ist der Centralfriedhof in Ohlsdorff so eingetheilt: l. eine Abtheilung für die evangelische Gemeinde; 2. dergleichen für die Katholiken; ■). für die Juden und 4. eine confefsionslose Abtheilung. Die bestehenden sieben alten Friedhöfe in und um Hamburg werden nach einem noch zu bestimmenden kurzen Tennine für Beerdigungen geschloffen. — Auch in München hat sich unlängst der Magistrat mit der Bestattung der Leichen und zwar durch Verbrennung beschäftigt und zu diesem Zwecke die Gutachten und Anträge der Pfarrämter, der Cultusverwaltung und des Gesundheitsraths eingeholt. D ie katholischen Pfarrämter verhielten sich abablehnend; das protestantische Pfarramt erklärte, die Verbrennung hätte für den liturgischen Act der Bestattung nur die Veränderung im Gefolge, daß dieselbe vom Grabe in die Verbrennungshalle verlegt würde und auch die israelitische Gemeinde fand sich zu keiner Erinnerung veranlaßt. Auf das Gutachten des Gesundheitsraths gestützt, in welchem die Verbrennung in vier Fällen empfohlen wurde', beantragten hierauf zwei Magistratsmitglieder, zum Bau einer Verbrennungshalle 15,000 M. in den Etat einzusetzen; indessen entschied sich das Collegium für den Antrag des Referenten, dem Gesuche wegen nicht dringlichen Bedürfnisses nicht stattzugeben. Den vielen jüdischen Reisenden, welche im Sommer das Seebad Norderney zu besuchen beabsichtigen, wird es interessant sein zu erfahren, daß Fräulein v. d. Wall in Norden das frühere Kroll'sche Etablissement in Norderney käuflich erworben hat und darin ein jüdisches Hotel mit Restauration zu errichten beabsichtigt. Aus der Landdrostci Stadc. im Dec. (Privatmitth.) Das tolerante, dem Geiste des Judenthums entsprechende Benehmen des Predigers Herrn Wolff in Sarkoms, welcher, wie in Nr. 48 der Zeitung des Judenthums berichtet wird, am Grabe einer an einen Christen verheirathet gewesenen Jüdin sich der Pflichten eines jüdischen Seelsorgers so glänzend entledigte und kein Bedenken trug, auch dem christlichen Gatten Trost zu spenden, ruft mir ein in der Nähe zwar schon vor längerer Zeit stattgehabtes, in seinen Folgen jedoch noch fortwährend sich äußerndes Erreigniß entgegengesetzter Art ins 0)edächtniß, das ohnehin in seinem Verlaufe so interessant ist, daß es heute noch in diesen Blättern zur Sprache gebracht zu werden verdient. Die Tochter des allgemein geachteten Gemeindevorstehers Herrn Thorner in Geestemünde hatte einen Katholiken geheirathet, war aber selbst Jüdin geblieben. Herr Thorner als religiöser Mann hatte zwar Anfangs seine Zustimmung zu dieser Verbindung verweigert, dieselbe indeß später, da die Tochter von dem Manne ihrer Wahl nicht lassen wollte, ertheilt, und es blieb ihm wenigstens der Trost, daß seine Tochter auch ferner dem Glauben ihrer Eltern angehören werde und die aus dieser Ehe etwa ersprießenden Kinder, wie vereinbart wurde, als Juden erzogen werden sollten. Der Schwiegersohn des Herrn Thorner war auch tolerant genug, seiner Frau bei ihren religiösen Observanzen kein Hinderniß in den Weg zu legen und letztere besuchte nach wie vor die Synagoge, wo sie regelmäßig ihre Andacht verrichtete. Nachdem dieselbe später von einer Tochter entbunden worden war, zeigte ihr Gatte dies seinein Freunde, dem toleranten evangelischen Pastor Wolff, an und erwiederte auf dessen Frage, in welcher Religion das Kind erzogen werden sollte: „In der

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