Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1878)
- Date
- 1878-12-24
- Page
- Seite 821 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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821 Dogma, alle constitutionellen Freiheiten und Volksrechte als bekannt ist, innig befreundet war. Persönlich hatten sich beide Teufelswerk verdammte, und ganz besonders die bürgerliche Gelehrte im November 1770 zuerst kennen gelernt, als Mendels- Gleichstellung aller Staatsangehörigen ohne Berücksichtigung sohn hierher nach Hannover kam, wo er der Gast des Kammerder Consession: so giebt es wohl kein flagranteres Zeugniß agenten Meyer Michel David war. nicht aber Michal Dagegen das „Hochhalten der bürgerlichen Freiheit" und gegen vid's, wie Bodemann nach Kayserling a. a. O. S. 2-'7 andre „Nichteinmischung in die innern Angelegenheiten der Staaten", giebt. Ohnehin ist es bekannt, daß Mendelssohn, so oft er Wenn, um nur ein Beispiel anzuführen, der Papst seiner hier im Hannover war, bei Meyer Michel David in dessen Zeit das österreichische Staalsgrundgesetz für ungültig erklärte, Hause vor dem Clevethore wohnte und als einst Beide sich im war dies keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Schachspiele amusirten, entspann sich unter ihnen folgendes des österreichischen Staates? Wenn ein, innerhalb seiner Par- Gespräch: „Rabbi", sagte der Kammeragent nach damaliger tei nicht unangesehenes Mitglied des Centrums die Gelegen- Sitte zu Mendelssohn, „Ihr seid ja so ein großer Lamdan, seid heit bei den Haaren herbeizicht, um die Freiheit der parlemir etwas mattir", worauf dieser erwiederte: „Nun, der Talmcntarischen Rednerbühne zu einem gehässigen Angriff gegen mud sagt «siehe Kethuboth 50a), Niemand soll mehr als den die Juden zu mißbrauchen, ist das auch ein Streit für Recht fünften Theil seiner Habe unter die Armen vcrtheilen; ich aber und Frieden? Ueberall und zu aller Zeit Sturm säen und erlaube Euch, mehr für diesen Zweck zu verwenden." Unter sich dabei in den Mantel der Friedfertigkeit hüllen, ist nicht den fünf von Bodemann publicirten Briefen unseres Philoallein falsch, sondern auch lächerlich. sophen, aus denen wir ersehen, daß Zimmermann auch dem Hannover, 6. December. (Privatmitth.) Nach den Berliner Arzte des letzteren zuweilen Winke über die Art und Ermittelungen, welche der Unterrichtsminister am 1. September Weise gab, wie er diesen behandeln sollte; und daß Mendelsd. I. über den Stand des Volksschulwesens hat anstcllen lasten, sohn auch ein großer Bewunderer des damals so berühmten giebt es gegenwärtig in unserer Provinz 46 jüdischen S chu-! Schauspielers Brockmann war, ist besonders derjenige intereslen mit 04 Lehrerstellen und wirken 42 Lehrer an einklassisant, in welchem sich Mendelssohn über den Werth und das gen und 12 an mehrklassigen Schulen. Verständnis der Psalmen und des „Predigers" offen ausspricht. Vom Reichskanzlcramt sind als Sachverständige zur Reichs-; Aus Bodemanns Buche erfahren wir auch . wie sehr Zimmerenquete für die Baumwollen- und Leinenindustrie aus hiesiger mann Mendelssohn schätzte, indem er ihn in einem bis dahin Stadt die Herren Grossisten Julius Kauffmann und! ungedruckten Briefe an den ausgezeichneten ftanzösischen Phy- Moritz Ehrlich, beide Mitglieder des Repräsentanten- Eolsiker I. A. de Luc le plu> grand pliiiox.phu de rAliemagne legiums unserer Gemeinde, nach Berlin berufen worden. Was; nennt, während de Luc, nachdem er den Phädon gelesen hatte. wird die „Saarzeitung" hierzu sagen? Im Laufe dieses Winters wird Herr Oberlehrer! >r. Prager in der Aula des hiesigen Lyceums einen Cyclus von etwa acht Vorträgen über die culturgeschichtliche Bedeutung des Indenganz außer sich vor Entzücken war und an Zimmermann schrieb: ..Apres avoir lu cet ouvrage precieux, je me suis trouve avec lui presque entierement de la meine religion, des qu'en meme temps il est vrai juif . . . Ainsi Mr. thums vor Damen und Herren halten. Zwei dieser Vorträge,! Mendelssohn est notre trere, croyant en Dieu, revele aux von denen der erste gewistermaßen als Einleitung zu betrachten j hommes pour les rendre heureux dans cette vie et dans . war und der zweite das Verhältniß des Judenthums zum! Ieternite pur la vertu. Hellenismus behandelte, haben bereits stattgefunden und hat! Nach Ihrem Vorgänge hat der Mainzer „Israelit" sich der redegewandte Vortragende des wohlverdienten Beifalls! vor einiger Zeit mehrere Artikel über „Nathan der Weise" pubvon Seilen der zahlreichen Zuhörerschaft zu erfteuen gehabt.! blicirt und bei Erwähnung des Märchens von den drei Ringen Der Rath und Bibliothekar Bodemann Hierselbst hat vor > auf die in dem Schewet Jehuda des Salomo aben Verga (nicht einiger Zeit unter den literarischen Schätzen des hiesigen königde Virgo, wie Herr JLM-. Lehmann schreibt) enthaltene als die lichen Archivs den nur handschriftlich vorhandenen Briefursprüngliche hingcwiesen. Ein Panegyrist des Herrn vr. Lehmann Wechsel Zimmermanns aufgefunden, jenes hier 1795 derhat hierauf in der Frankfurter Zeitung referirt, daß wir in storbenen Gelehrten, der sich sowohl als?'rzt wie auch als Idem in Mainz erscheinenden „Israelit" die für die literarische Verfaster des klassischen Werkes über die Einsamkeit und! Welt gewiß interestante Mittheilung erfahren, daß die Fabel anderer Schriften einen weit über Deutschlands Grenzen hin aus berühmten Namen verschafft hat. Diesen Briefwechsel hat Herr B. nunmehr in einem besonderen Buche über Zimmermann veröffentlicht und finden sich unter den in Rede stehenden Briefen auch fünf von Moses Mendelssohn, mit welchem Z., von den drei Ringen ursprünglich von einem Juden erfunden und daß ihr eine historisch beglaubigte Thatsache zu Grunde liegt. Derselbe spricht dann noch die. unrichtige Vermuthung aus, daß Boccaccio, desten Decamerone Lessing das Märchen entlehnt, vielleicht die jüdische Erzählung vernommen und wie schon aus Kayserlings Schrift über Moses Mendelssohn! sic in seiner Weise umgestaltet hat. Aus der Frankfurter