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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-24 · Heft 52 (24.12.1878) · p. Seite 820

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 52 (24.12.1878)
Date
1878-12-24
Page
Seite 820 (sequence 4)
Language
German
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820 Belagerungszustand über Berlin und Umgegend bildeten den! zu denselben durch keine Machinationen vermindert worden ist, Ausgangspunkt des gesellschaftlichen Kampfes gegen die So-; wie auch andererseits die Kundgebung des Berliner Congresses cialisten und Anarchisten, gegen die Internationale und die' bezeugte, daß die Staatsregierung nicht im Entferntesten auf Nihilisten. Die Wirksamkeit dieser Maßregeln, um der offenen! alle diese Producte der Gehässigkeit Werth legt, wenigstens und nachhaltigen Verbreitung des Giftes Einhalt zu thun, nach der principiellen und gesetzgeberischen Seite hin. Jndeß liegt zu Tage. Ob es auch gelingen werde, in positiver Weise. ist es nicht zu verkennen, daß diese unermüdlich fortgesetzten die Gesinnung und Gesittung des Volkes, namentlich in dessen Angriffe dennoch einigen Einfluß auf die Strömung der öffentunteren Schichten, wieder zu erheben und zu veredeln, gehört lichen Meinung übt und die sociale Stellung der Juden verder Zukunft an. schlechtert. Am drückendsten fällt dies gerade auf den intelligenten Dieser deutsche Classenkampf giebt denn auch die Erklä- Theil der jüdischen Masse. Wir können dem nur stets eine rung, warum in Deutschland auch während des verflossenen feste, aber besonnene Abwehr und die abwartende Geduld ent- Jahres die mit den gemeinsten Mitteln der Schmähung und gegensetzen, welche eine Besserung in der Zukunft zuversichtlich Verdächtigung geführte Hetzerei gegen die Juden nicht aufgehöit erhofft, da solche Leidenschaften sich allmälig wieder abkühlen hat, während doch z. B. in Frankreich und Amerika die! müssen, die öffentliche Meinung aber sich überzeugen wird, wie ultramontane Presse darin wirklich nachgelassen hat. Weder j ungerecht alle diese Verdächtigungen und Schmähungen sind, die deutschen Römlinge, namentlich in ihren Provinzblättern,1 so daß sich die zeitweise Verstimmung wieder verliert, noch die Deutschconservativen, weder die protestantischen Pie-1 Wir unsererseits werden in diesem Blatte mit Ausdauer tisten, noch die Agrarier haben ihre zum Handwerk gewordene und Anstrengung fortfahren, der heiligen Sache des Juden- Wühlerei gegen die Juden aufgegeben. Als sich eine kleine, thums und des Menschenthums nach Kräften zu dienen, und ohnmächtige, christlich-socialistische Partei bildete, war ihr! sind unter dem Schutze Gottes guten Erfolges und der weiteren erstes Werk, auf die Juden loszuziehen und sie zum Prügel- Unterstützung der Gesinnungsgenossen gewärtig'), knaben für alle Uebelstände zu machen. Daß sie und ihre Genossen nicbts Anderes damit beabsichtigen, als die liberale .?) Unser Bestreben geht stets dabin Erörterungen und Unter - ", ' , . . wer,ungen über die poMven Gegenstände und Kragen auf unferm Gesetzgebung zu verdächtigen und Unruhe und Aufregung utt' (Gebiete neben der leider! nicht zu vermeidenden Polemik zu bringen. Volke zu steigern, brauchen wir nicht noch einmal weiter aus-! möchten wir jenem erfteren. von uns als wichtiger betrachrcten ö ' ° ' .! ^.heile innerer Aufgabe allein innere Kräfte widmen. Ader die zuführen. Irgend welche besondere Veranlassung geben die. Gegner des Judentums lassen dies nickt zu; sie sind nach dem Juden hierzu nicht, weder durch irgend eine allgemeine oder 'Ausdruck^dcs Propheten.wie das aufgeregle Meer, das ohne Auhe ° 1 d 1 ' . ' ift und stets Unratb auswirft" (Jcs. 57, 20). So werden wir alsspecielle Handlung, noch daß sie un öffentlichen Leben irgendwie bald einige Artikel gegen das vielbesprochene Werk des Pastors bervorgetreten wären. Selbst im deutschen Reichstage batte Todt Der radicale deutscke Socialismus und die christliche Gc- / , . .,' , c co r' l ,ell!ckafi'- bringen. Wir hatten uns Mit einigen Korrespondenzen cm ultramontaner Redner nrcht so viel Scheu und Respect, darüber beanügt. Da aber soeben eine zweite Auflage von der um seiner Galle gegen uns nicht Luft zu machen. Freilich 'Verbreitungdes gefährlichen, Buches zeugt,müssen wir uns direct ' ' ' gegen daneibe wenden. Tatz w,r Überhaupt fett einigen Jahren steht allem Dem gegenüber, daß die Reichstagswahlen dieselben eine so umfängliche Besprechung aller literarischen Erzeugnisie, wie früher, erhoben, davon wird sich Jederinann schon durch einen Blick auf das Verso daß also das Vertrauen des Volkes zeichnitz der Recenfronen im Jnhaltsvcrzeichniß überzeugen. Uretbaucj aii ccc&txc&teii. Deutschland. Berlin, 12. December. (Privatmitth.) In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam ein Antrag der Cen-! trumspartei auf Suspension des Klostergesctzcs, daß nämlich > die für Unterricht und Krankenpflege noch nicht ausgelösten! Klöster und Ordcnsanstalten bleiben sollen, zur Verhandlung. Der Unterrichtsminister verpflanzte die Debatte in einer längeren, die Sachlage mit Hellem Lichte beleuchtenden Rede auf das ganze Gebiet des Culturkampfes. Haben wir an dieser Stelle in das Detail nicht cinzutreten, so beben wir doch aus der Gegenrede Windthorst's (Meppen) zwei Aeußerungen hervor, welche die Unverfrorenheit bezeichnen, mit welcher dieser Abgeordnete Aeußerungen in die Welt zu schleudern vermag, deren Unrichtigkeit doch Jedermann bekannt ist. Zuerst sagte er: „In Principienfragen werden wir fortfahren, die Fahne bürgerlicher Freiheit hoch in der Luft flattern zu lassen, was jetzt leider Niemand mehr thut." Ferner: „Es ist ja auch eines der Hauptprincipien der röinischen Curie, und sollte es auch zu ihrem eigenen Schaden sein, sich nie in die inneren Angelegenheiten eines Staates zu mrschen." Wir brauchen die zahllosen Gegenbeweise, welche die Geschichte darbietet, wahrlich nicht aufzuführen. Wenn der Syllabus, und zwar als kirchliches

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